Erzählungen & Sagen

Der Wietstein

Im Dreißigjährigen Krieg herrschte, wie man erzählt, in Lengenfeld unterm Stein ein großes Sterben. Die Pest ging um und raffte die Menschen hinweg. Kaum ein Haus blieb verschont von dem schwarzen Tod. Bis an die Schafhofgasse war sie bereits dorfaufwärts vorgedrungen. Da erklangen Stimmen aus der Luft:

"Kocht Pimpernell,
Dann sterbt ihr nicht so schnell!"

Der Schampanjesmann

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Der Schampanjesmann ist eine auf der eichsfeldischen Höhe allgemein bekannte Gespenstererscheinung. Über denselben weiß der Volksmund zu erzählen:

Das Fräubchen von England

Der König von England kam, von einem seiner Diener Erich begleitet, aufs Eichsfeld. Auf der Reise über dasselbe wurde er von der Nacht überrascht. Da sah er in der Ferne ein Licht; er ritt dem Schein nach und kam in das Dorf Flinsberg. Das Haus, aus dem so spät noch Lichtschein fiel, war das Haus des Küsters, der gerade das Tauffest seines Kindes feierte. Er klopfte an der Türe.

Von der Heimatliebe der Eichsfelder

Wilhelm, ein flotter Bursche in Effelder, kam wieder einmal zu spät aus der Schenke, und er hatte auch mehr getrunken als er vertragen konnte. Da gab’s dann am andern Morgen daheim eine lange Strafpredigt mit vielen bösen, brummigen Worten.

Die Nonnenschleere

Wer hätte auf dem Eichsfelde noch nichts von dem Kloster Zella gehört? Wie ein versunkenes Märchen liegt es im lieblichen Waldtal. Weit und breit kein Laut. Hinter den stillen Klostermauern herrschte einst emsiges Leben. Gottbegeisterte Zisterzienserinnen [Korrektur: Benediktinerinnen] verrichteten hier aufreibende Arbeit im Dienste der Nächstenliebe. Wenn aber zu den Tagzeiten das silberhelle Aveglöcklein des Klosterkirchleins zum Gebet rief, ruhten die fleißigen Hände. Die frommen Seelen vergaßen dann auf kurze Zeit die irdischen Sorgen und vereinten sich zu andächtigem Gebet.

Nachschrift

Es war Ende Juni. Damit beschäftigt, letzte bessernde Hand an einige Abschnitte der „Dorfheimat“ anzulegen, empfing ich ein Schreiben des Herrn Redakteurs und Schriftstellers G. H. Daub in Heiligenstadt, die geplante Buchausgabe betreffend. Unter anderem enthielt das Schreiben die Mitteilung, dass als Erfolg des im Eichsfelder Heimatboten und Eichsfelder Tageblatt erschienenen Aufrufes: „Die Probe aufs Exempel“ 12 Vorbestellungen eingegangen seien.

Hotze - Hotze - Fahre

Hotze - Hotze - fahre.
D' Jungen kosten en Taler,
D' Maichen kosten en Tübendrack
Schwimmen äbber d' Werra wack.
Hotze - Hotze - fahre.

Also soll ich, der Dorfjunge wieder selbst erzählen. Da muss ich Euch denn doch zunächst allesamt um Verzeihung bitten, dass ich auf der Welt bin. Ich kann nichts dazu. Erzählen soll ich. Da fahre ich am besten gleich fort, wo "Er" aufgehört hat.

Der Maialtar

Was ist das? Ältere wissen es noch, Jüngere nicht immer!

Vom Singegeld und Nickemännchen

Es war einmal ein Kind, das zog mit all den übrigen Kindern am Silvestertag durch alle Straßen des Ortes. In kleinen Grüppchen gingen sie von Haus zu Haus, von Tür zu Tür, und die Kleineren sangen dann immer:

„Ich bin ein kleiner König,
gib mir nicht zu wenig,
lass mich nicht zu lange stehen,
denn ich muss noch weitergehen ...“

Größere Kinder hatten

„ Gelobt sei Jesus Christus,
in alle Ewigkeit,
der Mensch für uns geworden,
aus lauter Gütigkeit ...“

Weihnachtsfeier im Schloss

Aus der Zeit des Ersten Weltkrieges

Im Nordwesten, am Fuße des sagenumwobenen Berges gelegen und in einiger Entfernung vom Dorfe, thronte in malerischer Schönheit das herrschaftliche Schloss.

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