Erzählungen & Sagen

Dar Kupperpfennek

We Käthe hotte zum Naomstaog ingeladt. Mutter un Vaoter worrn nit derhäim. Junge, Junge, do wull'n se sich abber en Spaß mache. In d'r Stobbn, do woar schun litter Labn. Se lachten un schuchten un de Jung'n truibten sich nit rinn, se worrn nach raecht schüchtern. Oto saite fer Karl: „Kumm, me genn in de Kichen. Käthe es sicher bim Kaffeekochen!“

Wie Wulljakob zu sim Gald kam

War en Eichsfaller verr dumm verkäife wall, dar äs salber verkeuft. Ungn an dr Elbe, do war mol änner, daar hotte vun Wulljakob änne Strickjacken gekeuft, abber ans Bezahlen dochte ha nit. De Jacken war schuint henngehäbbet un Jakob hotte sin Gald nach nit. Wie ha mol werr hen kam uff dr Tür, do sait ha verr dan Lumps sine Freube: Wie äs es dann, ühre Mann brücht dach werr änne Jacken? Jo, sait der Freube, do hann ich äh schuint drane rim klüsiert. Aber hie kann me ja dach de scheenen Jacken nit krieh un de – de kriet dach de anner nach bezahlt.

D'r jüngste Tagk

Ha hotte sich werr mo en tichtigen genummen. Starnhagelbesoffen worr ha häimgekummen. Sin Annemarie hett am d’ Stäbbel von Feeßen gerässen un hett’en henn uff’en Ströhsack Geschmässen. Do staik en gefahrliches Gewitter uff – Annemarie verr Angst ehrem Süffbaß zurüff:

„D’r jüngste Tagk as – Marten, stiek uff,
Daß ha dich nit trifft in dimm schrecklichen Suff!“
„D’r jingste Tagk?“ – hett ha do gestaunt,
„Je, hunn’se dann äh schun posaunt?“

De Schulz-wecke

In freeheren Zieten gings uff äm Derfe im Äichsfalle in d'r Gemäindeverwaltung än bischen derch'n nanner. Do kaom äines Tages än "Alleräbberschter" vun d'r höchen Behörde un kontrollierte dan Gemäindekrom mol än bischen. Do gobb's allerläi Äbberraschungen. In äm Register stunn nun uff d'r Üsgabesitten: "Für Schulzwecke Mk 200,-" Dar "Alleräbberschter" frogte nun dan Schulzen, wö das Gald wärr hen verbrücht worrn. Do mäinte d'r Schulze, do mitte ha'n Gemäindebäcker froge, dar hatte de Wecke geläwwert un gegassen hatte se salbstverstandlich d'r Schulze, wee's veergeschräbben wärr.

'S Acho

Vetter Thummes sin Gretchen hotte sich raacht gut ahngebroocht. Ich gläibe, sin Mann äs söwas wie Profasser. Se wohnen achtzig Pfenn'ge hiner Köln, d' Staadt wäiß ich nit sö genäuwe. Nun waoren se mol in d'r Katüffelarnte hee zu Besuch. Dar Profasser intressierte sich ferr de scheenen äichsfallschen Barge, un ha ging mol meet ins Suinaast, wö sin Schweegervater en häbsch Stickchen Katüffel hotte. Do machte ehn nun Vetter Thummes druff uffmerksam, dass me do sö häbsch sin Acho geheere kinne. 'S sinn ruinerim sö höche Barge und do äs das jo ken Wuiner.

'S beste Stick

Hennerch worr nit meh arbätslös. Ha hotte uff äm Gute bin B. rim wärr änne Stelle als Kutscher gefungn. Un neulich hotte he nun dam jungen Herrn sinne Brüt obgelang mät d'r Scheesen. Än schwerriches Mensch - vun Barlin. Hennerch hotte de Kuffer alle ruffgeschlappt un de Brüt gobb am än Dräimarkstick als Trinkgald. De junge Dame worr sehr lietselig mät Hennerch. Do spelte se äimol Klavier uff'm Zimmer in de Teer stund uff. Hennerch kam verbie und bläbb in d'r Teer bräitspurig steh und heerte dar Musik zu. Uff äimo hott'n 's Barliner Mensch gemerkt.

Als das Unwetter über die Dorfheimat kam

In nachfolgenden Ausführungen soll ein furchtbares Naturereignis geschildert werden, welches am Nachtmittage des 27. Mai 1904 über meine Heimat und die umliegenden Ortschaften hereinbrach. Das damalige Unwetter will ich so dem Leser vor Augen führen, wie ich mich heute, nach 23 Jahren, der Einzelheiten erinnere. Es ist die Schilderung deshalb nicht als etwaiger Chronikauszug anzusehen. Allenfalls sind aber in den damals heimgesuchten Ortschaften Aufzeichnungen vorhanden.

Wohl auf der Ziegelei

Ich erinnere mich, dass früher, in meiner Schulzeit, unsere eichsfeldischen Ziegler so eine Art Zunftgesang sangen, eine Hymne auf das Zieglerleben. Leider habe ich davon nichts behalten als einen wertlosen Brocken von dem nach jeder Strophe wiederkehrenden Refrain:
Wohl auf der Zie - Za - Zie - Za - Ziegelei .....

Kleider machen Leute oder: Mein erster Hut und der "Schwarze" mit dem Samtkragen

Lebtages hätte ich nicht an die Wahrheit des obigen Sprüchleins: Kleider machen Leute, geglaubt, wenn ich es nicht selbsten erlebt hätte, dass dem richtig so ist. Wenn einer so in die Jahre kommt, wo das Flaumenhaar unter der Nase sich anschickt, so langsam zum Schnauzbart zu avancieren, kommt einwenig Eitelkeit in den Menschen. Von dieser Schwäche sind auch Dorfjungen nicht ganz frei. Du lieber Himmel! Man muss doch mit der Zeit mitmachen. Solange einer in die Schule geht, also nicht „auf die Schule“, geht es an, dass er barhäuptig und kurz geschoren einhergeht.

Von der Heimat zur Heimat

Ein weniges außerhalb, wo die schlanken, dunklen Tannen, ihre langen, zackigen Finger zum Himmel empor strecken, liegt der Dorffriedhof. Dahin bin ich einmal gegangen, an einem sonnigklaren, leuchtenden Herbsttage. Da glitzerte die Sonne über die Steine und Kreuze und im leichten Luftzuge raschelten die welkenden Blätter. Da bin ich durch die schmalen Gänge zwischen den Grabstätten gewandelt und habe, eingemeißelt in Stein und gemalt auf Holzkreuze, viele Namen Bekannter gelesen, deren einstige Träger da unten in der kühlen Grabeskammer der Urständ (Auferstehung) entgegenharren.

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