Erzählungen & Sagen

Unter einer grünen Lind'...

Gerade so die Zeit, wenn weißer Blütenschnee die Kirschbäume allenthalben und somit auch im Friedatal deckt und die Wälder ihr Maiengewand anhaben, haben die drüben im Kirchdorf Hildebrandshausen ihre „kleine Kirmes“. Die übersieht so leicht keiner rundum in den Dörfern, denn so „klein“ wird das Fest gar nicht abgehalten. Zumal das junge Volk geht in Scharen hinüber zum Aufspiel und fröhlichem Tanz unter der grünen Lind’, die da weitästig den Anger überspannt und grad’ die Zeit im schönen, hellgrünen Maienkleide prangt und prunkt.

Wie der Wurzelsepp seinen Feind geliebt

Und nun soll auch er dran, der Wurzelsepp. Es war einer meiner Heimatmenschen, die nun längst der grüne Kirchhofrasen deckt. So viel sollt ihr wissen. Aber erkennen soll ihn keiner in der Gestalt, wie ich ihn jetzo auftauchen lasse. Das ist ja auch durchaus nicht vonnöten. Das eine weiß ich im Voraus: Wenn die Leute die Geschichte gelesen, mit Wohl- oder Missgefallen, je nachdem, so werden sie wiederum anheben, sich selbsten oder mich zu fragen, wen ich denn mit dem Kuriosum gemeint habe. Denen zur Auskunft: Ich meine – den Wurzelsepp.

Wie die Krügeltheres heimkam

Das ist wieder eine Geschichte vom Heimweh. Meint ihr? So möget ihr Recht haben. Was die Theres’ in der großen Stadt am Rhein am Heimweh gelitten, ich vermag’s nicht anzugeben. Ich kann davon nichts wissen, denn ich war nicht dorten. Nur weiß ich, wie sie fortgegangen ist in meinen Schuljahren und wie sie heimgekommen ist in meinen Burschenjahren. Dazwischen lag eine Zeit von an die fünf bis sechs Jahre.

Als die Dorfjungen beim Bischof waren

Es hat mir immer eine besondere Freude gemacht, um die Beerenzeit die ersten Früchte zu pflücken. Wer das will, der muss die Plätze rundum gut auskennen. Bei schon vorgerückter Zeit freilich ist es kein Kunststück, zu einem Sträußel lachender Erdbeeren zu kommen. Da finden sie sich schier an jedem Rain. Aber die ersten haben, dazu gehört schon mehr. An der Winterseite darf man sie nicht suchen. Man muss an die sommerseitigen Waldblößen gehen, wo die glutige Mittagssonne gut hin kann. Eine solche Stelle kannte ich in meinen Kinderjahren.

Das Glöckchen im Walperbühl

Mein Großvater väterlicherseits hatte einen jüngeren Bruder, der Kaufmann war und in seinem Haus einen kleinen Lebensmittelladen unter dem Namen „Kaiser-Kaffee-Geschäft" betrieb.

Bonifatiusweg und Frauensteg

4505_200.jpg Bonifatius, der im Herbst des Jahres 722 die Werragegend verlassen hatte, war plötzlich wiedergekehrt, hatte in Schwebda gepredigt und dabei verkündet, dass er in den nächsten Tagen die geheiligte Donareiche auf dem Stuffenberge fällen werde. Das war den germanischen Bewohnern denn doch zu viel. Sie kamen überein, Bonifatius an seinem Vorhaben mit Gewalt hindern zu wollen.

Donars Ziegenböcke

4505_200.jpg An demselben Tag, als der hl. Bonifatius die Donareiche fällen wollte, herrschte auf dem Hülfensberg reges Leben. Schon in aller Tagesfrühe zogen die Bewohner der Umgegend scharenweise hinauf, mit Äxten bewaffnet und zornigen Blickes die einen, betend und mit freudestrahlenden Gesichtern die andern. Auch von Geismar aus suchte ein Mann, abseits des Weges, den Berg zu erklimmen.

König Dagobert heil

Des Eichsfeldes Hauptstadt heißt Heiligenstadt, und über das ganze Land weht es wie Weihrauchduft, klingt es wie Klosterglocken. Der Stadt und dem Lande webt die Sage manch goldnen Heiligenschein. Das rührt aus frühen, frühen Zeiten her.

Die wilde Kirche

Auf den Ohmberg im Eichsfeld kam auf seinem Bekehrungsgange durch Thüringen auch der heilige Bonifazius und zerstörte dort eine heidnische Opferstätte auf einem Felsen, der noch jetzt der große Stein heißt. Dort pflanzte er ein Kreuz auf und predigte von einem grausam steilen Felsen, der, vom Ohmberge abgerissen, ganz einzeln sich erhebt, fast wie der erst spät wieder zugänglich gemachte Bonifaziusfels beim Schlosse Altenstein, und dieser Fels und Ort heißt noch heute die wilde Kirche.

Des Teufels Kanzel

Unter den vielen Kanzeln, deren Besitzes der Teufel sich erfreut, ist eine der schönsten im Eichsfeld gelegen, und zwar unweit der Ruine des uralten Berg- und Stammschlosses Hanstein in der Germarmark.

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