Erzählungen & Sagen

Was der Holzergottlieb prophezeite und wie es in Erfüllung ging

Wie ich so in die Jahre kam, wo ein Dorfjunge einen Unterschied machen kann zwischen einem Göckelhahn und einem Schornsteinfeger, hatten wir mal eine Zeit lang richtige "Harzer" im Hause. Es waren das aber weder Harzer-Käse, noch Harzer-Kanarien-Edelroller, sondern vielmehr Harzer Holzhauerleute. Sie holzten am Ochsenberge Grubenholz ab.

Chronika der Geburt des Dorfjungen und wie er zu seinem Namen kam

Der gemeinte Dorfjunge bin ich. Als ich dazumalen geboren wurde, war ich leider, wie alle anderen Dorfjungen, noch zu dumm, um alle Eindrücke, die der Eintritt in das Lebens –und Kindheitsparadies auf mich gemacht haben mag, zu behalten. Muss wohl so sein, dass ich die Gedanken nicht alle bei einander gehabt habe die Zeit. Ich erinnere mich an gar nichts. Was ich darüber weiß, habe ich vom Hörensagen. Darum mag ein Anderer die Sache berichten, wie er sich derselben erinnert. Eine Verantwortung für die unbedingte Richtigkeit lehne ich.

Vorwort

Meine Dorfheimat ist meine Welt gewesen und ist es geblieben bis auf den heutigen Tag. Ich bin, trotzdem ich den Kinderschuhen, soweit ich überhaupt welche hatte, längst entwachsen bin, kaum wesentlich aus dem Bereiche meiner engeren Heimat hinausgekommen. Es steht mir somit auch nicht an, niederzuschreiben, wie es in der Welt da draußen so bunt zugeht. Ebenso vermag ich nicht, einen spannenden Roman zu schreiben. Wozu auch?

Vom Schwein, das lesen sollte

Kammtippenskäthchen war verreist und die Nachbarn konnten nicht schlafen, denn Käthchens Schwein machte einen mordsmäßigen Krach. Zu guter letzt entschlossen sie, Käthchen zu fragen, ob es vergessen habe, sein Schwein zu füttern. Doch auf alles Klopfen und Klingeln tat sich nichts, Käthchens Tür blieb zu. Voller Wut gingen sie zum Schweinestall. Aber wie stutzten sie, als ein großes Schild an der Tür des Stalles hing, worauf geschrieben stand: "Bin verreist, komme in drei Tagen wieder, Käthchen."

Vom Beten und vom Sirup

Es war einmal ein kleines Mädchen und dieses kleine Mädchen, das war ich und diese Geschichte trug sich nach dem Krieg zu:

Wir hatten, wie alle anderen Leute, einen Kessel voll Sirup gekocht und alltäglich gab es nachmittags Brot mit Sirup. Das war scheußlich! Der Sirup tropfte durch alle Brotporen und ich mochte ihn sowieso nicht!

Onkel Jakob und die Äpfel

Onkel Jakob war aus Effelder und wenn er in Lengenfeld etwas zu erledigen hatte, kam er hin und wieder bei meinen Eltern zu einem kurzen Besuch vorbei. Mein Vater war immer stolz auf seine vielen Obstbäume und mit besonderem Genuss probierte er hier und da die Früchte.
Er hatte gerade Äpfel geerntet und die allerschönsten aussortiert. Mit einem wollenen Tuch polierte er sie auf Hochglanz und packte einen nach dem anderen auf eine große Schale.

Der Struther Fresshans

Diese Person kenne ich nur vom Erzählen her, der eine oder andere der älteren Leute kann sich vielleicht noch an ihn erinnern.
Er stammt aus Struth, hieß Hans und ich glaube, dass er ledig war.
Sein Eigen nannte er eine recht gute Spürnase, die roch, zu welchen Zeitpunkten in Lengenfeld "Feiern" anstanden. An Geburtstagen war er oft der erste Gast und dann sagte er seinen Vers auf:
"Ihr müsst hund...,ihr müsst hund...,ihr müsst hundert Jahre alt werden."
Selbstverständlich nahm er hernach am Essen teil.

Dar "Goernmann"

Dos erste, was ich in mimm Laben verkäuft hann, wor dos Stickgoern vun minner Mutter.
Minn Voter wor im Krieg üsen Urläub gekummen. A wor Kunstmoler und hotte sich vergenummen, mich se zu molen, we ich do üssoh. Ich wor domols drei Jahre ahlt.
Äs klappte nitt mit dam stillsitzen dobie. Also frug a mich, was ich dann garne mol howulle.

Geschichten, die man sich in Lengenfeld unterm Stein erzählt

In den Nachkriegsjahren malte mein Vater die Gaststube im Bauernhaus unserer Gemeindeschänke in Lengenfeld/Stein aus. Da er sich schon immer für die Sagenwelt interessierte, malte er auch die Motive danach. Es ist auch jammerschade, dass sie in späteren Jahren verschwanden. Auf der einen Wand war eine alte Frau mit einer Brille, die so halb auf der Nase hing, abgebildet. Zu ihren Füßen saß auf einem Schemelchen ein kleiner bausbäckiger Bub. Mein Vater sagte mir, dieser kleine Junge sei er gewesen; und diese Frau die alte Frau Wallbraun.

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