Erzählungen & Sagen

Das Zigeunerkind

1709_200.jpg Es mögen bald zweihundert Jahre vergangen sein, da lagerte am Ende des Dorfes Wachstedt eine Zigeunergesellschaft. Sie kampierte in einer Scheune und zündete dort ein Feuer an, um sich zu wärmen und ihre Mahlzeiten zu bereiten. Entsetzt kam der Besitzer, Aschenbach mit Namen, herbeigelaufen und bat sie, doch das Feuer zu löschen. "Ach Väterchen, Väterchen schadet nichts", sprach der Anführer. Da nahm er ein Büschel Stroh und zündete das Seil an.

Drehorgel

Dass es känne Drehorgel meh gitt, dee de Strooßen im Derfe freeher immer im Handimdrehn zum Klingen broochten, äß nitt graode d’r schennste Zug d’r Ziet.

Nur nit kläinlich

Schnüpptiwaks Jerge hett än harten Kopp – dass mut de alle zugah. Verrichte Wochen werr ha in d’r Staadt un gückte sich üs Langewiele de Schaufanster än bischen aen. Uff äm Dache Machten se waos, un Jerge stunn ungn uff d’r Stroße verrm Schaufanster.Patsch! – hette änne Ziegel uff’m Koppe, de rungergerappelt worr. De Ziegel worrr korz un kläine – Jerge sin Kopp worr nach ganz. Dar Ladenkarl, der dan Knall geheert hotte, kam rüs un ruff: „Ach – so ein Unglück!

Ha verbesserte sich

Schärzeljesepp kimmt uff d’r Hannelstüür in D’ Allendefer Gainte. Ha wall näbber nach Wahlhüsen. Do litt uff äimo en Strolch im Schusseegraben. Eert verfiehrt ha sich – wie ha abber richtig hengückt, truibt ha sin Äuben kaum... ’S äs Heubäums Peter, vum Aalen d’r Junge, dar’s Anstrichewerk gelarnt hett. „Junge“, spricht ha, „mät dich gett’s abber hällsch bargunger – hest dach das scheene Molerhandwerk gelarnt!“ „Jo“, spricht dar, „abber wann de häimkummt, do spracht’s mim Vater en bischen derch de Blum’n, spracht – ich läite mich jetzt hauptsachlich – uff Landschaften.“

D'r Rainschirm

Barrliesens Kattrin worr mo uff d’r Auksjon, dee worr bin Strußlene – das wohnte am Plon, do hotte’s fer fuchzen Groschen en Rainschirm erstenn, domet äss’es vergniegt annehäim dann gegenn. Dücksoßens Mree, dass hott’am im Derfe begaint: „Der Schirm äs ganz scheene –abber nit wenn’s raint. So biste doch tichtig met ahngeschmeert – de ganzen Stongen, dee stenn je verkehrt!“ Do klappte Kattrin’n Schirm zu met em Ruck: „Ach – sö im Hüse rim äs ha nach gut genugk.“

D'r Gizhals un sin Läidensgenosse

In äm äichsfallschen Derfe äs es neulich passiert, daß en Gizhals vom Barbier imsunst wurd rasiert. Dar Gizhals, dar froogte: Was kost’s dann – zuveer? Dar Barbier nahm drüi Masser, sait: Aaler, nun heer! Mät’m ersten Masser kost es zwanzig Pfenn’je, ’s Rasieren, mät’m zwäiten hee kost es nur de Hälfte Gebühren. Mät’m drätten hee erwies‘ ich besundre Gunst,rasiere domer minne Kunden imsunst – Do riff dar Gizhals: Do säift mich schnall inn, rasiert mät dam drätten mich Backen und Kinn!

Dan ha ich abber enne ganz kräftige uffgebrannt!

Philipp worr nach en junger Jaeger. Trotzdem hatte ha abber schon mol en Hasen getroffen, dar in sinnen Angest do henn gelaufen worr, wo Philipp hennschoß. Mett dam Schusse worr ha en richtiger Jaeger geworrn. Jetzt gung ha als guder Jaeger mitt uff de Treibjagd. Uff emol kom aen Hase bis uff 10 Gang verr ehn. Pautz verbie. Pautz, zum zweitenmale verbie. Alle Schitzen lachten. Dr Hase luf was he kunnte. Philipp abber guckte schmunzelnd hinger dan Hasen har un meinte dann stolz: Dan muß ich abber enne ganz kräftige uffgebrannt han, sonst liefe hae nitt gar zu schnell.

Allerlei Sitten

Stulperkarl hett sich än Keebchen aongeschafft un speelt Keebebür. Üs’m Stalle läift nun de Jauche äbbern Wagk. D’r Schatarm kimmt dohar un sitt de Unsitte. „Hören Sie mal“ – spricht ha ferr Stulperkarl – „das ist aber keine Sitte!“ Dobie wiest ha mät’m Zäigefinger uff de Missittentimpel. „Was“ – mäint Stulperkarl – „dass wärr känne Sitten?“ Ich sprach üch, räine Keebesitten äs daas wö de hennkimmt, keu’ch üch gesaje – do gitt’s Runksen – wee’n Sürenköhlstippen!“

Der Hülfensborn

Wenn man von Geismar aus den Hülfensberg besteigt, so trifft man zwischen der achten und neunten Station des Kreuzweges, der den Pilger zum Berg hinaufgeleitet, auf eine Quelle, die dem Muschelkalkboden entspringt. Es ist der Hülfensborn, dessen Wasser man eine heilkräftige Wirkung zuschreibt. Die kleine Quelle führte ursprünglich einmal den Namen Jesusbrünnlein. Sie soll auf folgende Weise entstanden sein:

Was ist Pudding?

"Was äß dann Pudding?", hätt mol änn ahler Mann gefrogt. "Kann meh dann se änn Zeich ebberhaupt gegasse?"

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