Erzählungen & Sagen

Sagen über das Dorf und die Flur Geismar - Die halbe Frau (1934)

Von der „Halben Frau“ erzählt man in Geismar folgende Geschichte: Die halbe Frau war früher mit dichten Hecken und Bäumen bestanden. Als Krieg in der Gegend war, versteckte sich „das Fräubchen von England“ in dem Holze. Aber es wurde von einem „Freischützen“ gefunden und erschossen. Die Freischützen hatten jeden Tag 3 Schüsse, womit sie alles trafen, worauf sie schossen. Dem Fräubchen von England wurde ein Gedenkstein gesetzt, der an dem alten Wege stand.

Der Klausner von „Zella-Friedensspring“ (1926)

Die Buben und Mädels von Lengenfeld kennen das „Altvaterloch“ bei Kloster Zella. Leises Grauen überrieselt die Zaghafteren beim Betreten der dunklen Felsenspalte, mutigere Buben werfen Steine in die gähnende Tiefe und alle lauschen angestrengt auf das Niederfallen derselben in unbestimmter Ferne. Nichts regt sich als die Kronen der hohen Buchen und Tannen des Walddomes — langsam und überbedächtig setzt ein Feuersalamander mit klotzigen Augen seine ungeschickten Füße voreinander.

In memoriam: Wilhelm Palesch (1932–2025): Seelsorger, Bauherr und Versöhner

Trauer um den verstorbenen Geistlichen in Thüringen und Russland

Über 60 Jahre hat Wilhelm Palesch Menschen zu freudigen, aber auch traurigen Anlässen begleitet und ihnen Segen und Trost gegeben. Am 8. November ist der Seelsorger in Küllstedt im Alter von 93 Jahren im 68. Jahr seines priesterlichen Dienstes gestorben. Sein abwechslungsreiches Leben war zunächst von Krieg, Flucht und Vertreibung, dann insbesondere durch karitative Dienste und Versöhnung unter den Völkern geprägt gewesen.

Die Letzten vom Kloster Zella (1956)

Stille Weihnachtszeit. Engelflügel rauschen leise über weite, weiße Taler. Glöcklein läuten in den Dörfern vor Mitternacht. Weihnacht 1847. Die alten Klostergebäude von Kloster Zella sind tief verschneit. Nur in einem Seitenflügel glüht noch rötlich Kerzenschein durch die Butzenscheiben der kleinen Zelle. In einem altersschwachen, wurmzerfressenen Lehnstuhl kauert eine Gestalt im schwarzen Benediktinergewande, in den Händen das Brevier mit bunten Initialen. Ist es Mensch, Schatten oder Geist aus alter Vorzeit?

Das Wappen am Bischofstein (1957)

Das jetzige Schloss Bischofstein wurde im Jahre 1747 und 1748 unter Kurfürst Johann Friedrich v. Ostein (1743/63) in halber Berghöhe als Amts- und Wirtschaftsgebäude von Meister Heinemann aus Dingelstädt errichtet. Leider benutzte man bei dieser Gelegenheit, sowie beim Bau der Lengenfelder Mittelmühle und des sogenannten Gewölbes die damals noch stattliche Burg (den alten Bischofstein) als Steinbruch.

Schlachten in alter Zeit (1952)

Als in einem eichsfeldischen Dorfe einmal der Schulmeister nach den höchsten Festtagen des Jahres gefragt hat, ist ein Junge aufgestanden und hat gesagt: „Ostern, Pfingsten und Weihnachten und der Tag, an dem wir schlachten.“ Dieses Wort lässt die Bedeutung des Schlachtens in damaliger Zeit ahnen.

Ein Spaziergang (nach Lengenfeld unterm Stein, 1927)

Dem Geburtsort seiner Frau gewidmet

„Froh, des Zimmers Gefängnis entflohen“, schreit ich die Straße fürbass; grüße den Sandmann am Wege, grüße die ehrwürdige, mit Eisen beschlagene Linde, steige den Hügel hinan, winke dem scheidenden Turm und verfolge den schlängelnden Pfad, der hin zum Walde mich führt.

Ein Tag des Schreckens für Katharinenberg im Jahre 1525 (1928)

Vierhundertmal hat sich das Zeitenrad seit jenem Tage um ein Jahr gedreht, aber noch sind die Zeichen jener Schreckenszeit lebendig in unserer alten Kirchenruine.

Die Entstehung Döringsdorfs

Vor vielen 1000 Jahren lebte im nahen Harzgebirge ein gewaltiger Fürst, der viele Dörfer und Städte sein Eigen nannte. Gehorsam folgten die Untertanen seinen Winken und wussten seinem Willen selbst im Kleinen gerecht zu werden. Ruhig und friedlich lebten sie alle. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel zuckte da eines Tages die Kriegsfackel durchs Land. Wie ein Wann folgten die Freien dem Rufe ihres Herzogs. Doch einzelne Gehöfte vermaßen sich dem Heerführer die Gefolgschaft aufzusagen. Sie waren nicht gewillt, mit dem Speer Würfelbecher und Met zu vertauschen.

Was der Onkel vom Schlampanjesmann erzählte

Eine Jugenderinnerung von Lorenz (Döbernitz)

Von allen Dörfern des Eichsfeldes ist es ganz gewiss Lengenfeld, das die reizendste Lage hat, die Eichsfeldische Schweiz hat man es auch genannt.

Ringsherum Kalkberge mit den herrlichsten Buchenwäldern. An den Abhängen klettern kleine Landstreifen weit hinauf, bis das Terrain so steil und felsig wird, dass ein Anbau unmöglich wird.

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