Geschichte & Brauchtum

Diese Rubrik vereint eine breite Auswahl an historischen Beiträgen zur Eichsfelder Geschichts- und Naturlandschaft sowie einzelne Ausarbeitungen zu den Themenkomplexen Tradition und Brauchtum des (Süd-)Eichsfeldes.

Die Arbeiten und Aufsätze verschiedener Heimatforscher und Lokalhistoriker, die oft ein Leben lang zu einzelnen Themenschwerpunkten ihrer näheren Heimat geforscht haben, sollen hier genauso dargestellt werden wie kleinere Ausarbeitungen bislang unbekannter Autoren.

Es ist das Ziel, diese Rubrik sukzessiv zu einem historischen Textarchiv des Südeichsfeldes auszubauen. Der Schwerpunkt der Auswahltexte wird dabei auf dem Ort Lengenfeld unterm Stein und seiner näheren Umgebung liegen.

Oliver Krebs

Aus alter Zeit

Wer von uns kennt sie nicht, unsere Dorfälteste, die Frau Richardt auf dem Kirchberge. Im Dorf ist sie als Base Marielene allen bekannt. Trotz ihrer 93 Jahre ist sie noch rüstig und geistig auf voller Höhe und erinnert sich noch all der Geschehnisse aus der Jugendzeit. Lassen wir sie einmal berichten!

Sitte, Brauchtum und Alltag unserer Vorfahren

Weiße Trauerkleider betreffend
Nach Angaben der heute noch lebenden Einwohnerinnen Magdalena Richardt und Katharina Döring muss wohl der Übergang zur schwarzen

Spinnstobben

Wos wor dos freher schene, wenn im Winter Spinnstobben gefiert wurde. Bi uns wor disse Nobbt Spinnstobben. Mine Mutter hotte Isenkuchen und Zimtröllchen gebacken. Im 8 Ühr komen de Gäste. De Manner speelten Korten, Die Fräuwen spunnen und strickten. Min Voter langte dan Zerrwanst un zwischenderch wurde ä mol gesungen. Sö üm 10 Ühr kochte mine Mutter dan Kaffee. Se ging in de Spiesekammer und wullte dan Kuchen lange. Aber, o Schreck, Isenkuchen und Zimtröllchen woren alle wak. Nur ene Kostprobe vun jedem hotte dar Spitzbube liegeloßen. Mine Mutter wor üsser sich.

Schlachtefesterinnerungen

Jetzt es de Ziet, we in das Derfern wedder alle Moine dos übliche Schwienekrehlen ze heren es. De Worschtekammern sin lerk un do mun de Borstentiere starbe. Gaarn denke ich nach zericke an de Schlachtefaste, we ich als Junge dan Schwaanz halte mutte und dann vum Schlachter ene Worscht ohngemassen bekom. Do fällt me eine Geschicte vum Schlachtefaste in. Ich wall se üch erzehle: Bin Kasemanes Merten im Ingerlane wor ferr Montag Moin dos Schlachten ohngesa’t worrn. Dar Merten, dos wor en Süffbalg, er hotte sich, wann an besoffen worr, schun oft we en Schwien benumm’n un im Drack rimgewälzt.

Ehemalige Osterfeuer in Lengenfeld

Eine herbe Märzluft strich über die heimatlichen Fluren und trocknete die vom aufgetauten Schnee durchnässten Felder. Von den lang gestreckten gelben Blüten des Haselnussstrauches wehte ein feiner Blütenstaub. Zwischen Sträuchern und Hecken im Unterholz leuchtete der lila-rot blühende Seidelbast und die samtweichen Blütenkätzchen der Salweide schimmerten silberweiß in dem Gezweig. Im weißen Glockenkleide blühte das Schneeglöckchen. Auf sonnigen Waldstellen öffneten sich die Blüten der Buschwindröschen und hellblaue Lederblümchen zierten den Waldboden.

Sitten und Bräuche in Lengenfeld

Wenn ich im Folgenden über Sitten und Bräuche meiner Dorfheimat schreibe, so sind nur die aufgeführt, dich ich im letzten Halbhundert kannte und miterlebte. Wie lange diese Sitten und Bräuche vordem schon waren, entzieht sich meiner Kenntnis und ich weiß nur, dass wir sie von den Eltern und Großeltern so übernommen und weitergeführt haben und so wird es auch ehedem gewesen sein.

Obereichsfelder Osterbrauchtum

In den Dörfern des Obereichsfeldes sind noch manche Osterbräuche erhalten, die von den germanischen Vorfahren überliefert sind. Den Namen des Osterfestes bringt man in Zusammenhang mit Ostara oder Ostera, einer altgermanischen Gottheit, deren Fest in die Zeit des Frühlingsanfanges fiel. Ihr zu Ehren zündete man auf den höchsten Erhebungen der Ortslage Feuer an, die heutigen Osterfeuer. Mit dem Kult der Ostara ist auch der Name Osterberg vereinbar, der in vielen Ortschaften noch zu finden ist.

Das Federschleißen - Bäuerliches Winterbrauchtum der Vergangenheit

Was in unseren bäuerlichen Kleinbetrieben im Sommer nicht geschafft wurde, blieb liegen für die langen Winter-Nachmittage und Abende. Gewöhnlich in der Zeit zwischen Weihnachten und Fastnacht zog man dann in der Nachbarschaft und Bekanntschaft herum, um an sogenannten „Herdabenden“ gemeinsam diese Kleinarbeiten zu verrichten. Neben den beliebten Spinnstuben (auch „Spellstobben“ genannt) ging man besonders in den Dörfern um den Hainich und dem alten Thüringer Landgraben auch zum „Federschleißen“. In Eigenrieden wurde dieser Brauch bis vor einigen Jahren noch lebendig gehalten.

Annaberg - Vom gutsherrlichen Vorwerk zum LPG-Betriebsteil

Oberhalb des heutigen Evangelischen Altersheimes Kloster Zella liegt auf einem Bergvorsprung des Friedatales, gekennzeichnet durch die Verwitterungsprozesse der hier vorhandenen Muschelkalkformation, die ehemalige Gutsschäferei Annaberg. Name und Ursprung kommen von der früheren Wallfahrt zu Ehren der heiligen Anna her.

Zwei Dorfanger im Friedatal: Lengenfeld und Hildebrandshausen

Von den beiden genannten Dorfangern hat wohl der von Hildebrandshausen die Zeiten am besten überstanden. Je nach der dörflichen Baustruktur und die damit verbundene Dorfbild-Veränderung hat so mancher Anger an Charakteristik eingebüßt, während sie sich woanders bis in unsere Tage erhalten hat.

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