Geschichte & Brauchtum

Diese Rubrik vereint eine breite Auswahl an historischen Beiträgen zur Eichsfelder Geschichts- und Naturlandschaft sowie einzelne Ausarbeitungen zu den Themenkomplexen Tradition und Brauchtum des (Süd-)Eichsfeldes.

Die Arbeiten und Aufsätze verschiedener Heimatforscher und Lokalhistoriker, die oft ein Leben lang zu einzelnen Themenschwerpunkten ihrer näheren Heimat geforscht haben, sollen hier genauso dargestellt werden wie kleinere Ausarbeitungen bislang unbekannter Autoren.

Es ist das Ziel, diese Rubrik sukzessiv zu einem historischen Textarchiv des Südeichsfeldes auszubauen. Der Schwerpunkt der Auswahltexte wird dabei auf dem Ort Lengenfeld unterm Stein und seiner näheren Umgebung liegen.

Oliver Krebs

Reparationen und Kanonenbahn

Wer Eichsfeldgeschichte, aber auch eichsfeldische Werte in Erinnerung ruft, unterscheidet sich von denen, die aufgrund deutscher Vereinigungs-Unzulänglichkeiten die moralische Verantwortung politisch Handelnder hinterfragen. In diesem Zusammenhang sei der 1931 in Eschwege geborene Rolf Hochhuth genannt. Ein engagierter Schriftsteller. Bekannt wurde er u.a. mit „Der Stellvertreter“ (1963), „Soldaten“ (1967), „Juristen“ (1979). „Alan Turing“ (1987), „Wessis in Weimar“ - Szenen aus einem besetzten Land (1993). In einem Interview sagte der Dramatiker 1993: „Am 1. April 1945 wurde ich 14.

Damals im Südeichsfeld

Wer noch aus der Weimarer Republik herkommt, ist mehr oder weniger Zeitzeuge der neugeschichtlich bedingten Ultima Ratio, die bis zum letzten Jahrzehnt des Jahrhunderts Konflikte eher unvernünftig denn vernünftig löste. Unbeschwert war nur unsere Kindheit, die zwischen den beiden großen Kriegen lag.

Kloster, Mühlen und der Dom

100 Jahre blickt der „Eichsfelder Dom“ zu Effelder weit ins Land, gleich gegenüber der tiefer gelegene bonifatianische Hülfensberg. Nahe auch der schöne Westerwald, Burg Gleichenstein, im stillen Tal die Wallfahrtskapelle „Klüschen“, von alters her Ziel gemeinsamer Glaubensbekundungen. Dem einsamen Wanderer hingegen ist es ein himmlischer Platz für die Zwiesprache mit Gott und der Natur. Nahe die längst verschwundene Burg Bischofstein. Zwischen Gebüsch, Vertiefungen und Erhebungen, Spuren alter Herrlichkeit.

Leute aus dem alten Lengenfeld

Prinz Hans war ein biederer Handelsmann. Sein Handelsgebiet war die Bückeburger Gegend. Dorthin fuhr er alljährlich und zog mit seinem Pferd und Wagen von Dorf zu Dorf. Auf einer Handelstour kam ihm auf der Landstraße eine mit feurigen Rossen bespannte herrschaftliche Kutsche entgegen. Unbekümmert ob der eleganten Kutsche fuhr er mit seinem Gespann im langsamen Tempo auf der Straßenmitte und dachte gar nicht daran, auszuweichen. Aus welchem Grunde er das vornehme Gespann nicht bemerkt hatte, hat mir der Erzähler nicht gesagt.

Der Bildstock in der Bahnhofstraße (Heidenklus)

Nachdem der Bahnhof gebaut war, wurde der Hohlweg verbreitert und in einen besseren Zustand gebracht. Bei diesen Arbeiten musste der Bildstock (erbaut 1757) zurückgesetzt werden. Neben diesem Bildstock standen eine Linde und ein Kirschenbaum. An der hinteren Wand der Nische war eine Eisenplatte mit aufgemaltem Kreuzigungsbild angebracht. Die Statuen sind erst vor einigen Jahrzehnten in die Nische gestellt worden. Wer den Bildstock errichten ließ, ist nicht bekannt. Das Grundstück, worauf er steht, gehörte 1900 dem Schmiedemeister Adam Simon.

Ehemalige Osterfeuer in Lengenfeld

Eine herbe Märzluft strich über die heimatlichen Fluren und trocknete die vom aufgetauten Schnee durchnässten Felder. Von den lang gestreckten gelben Blüten des Haselnussstrauches wehte ein feiner Blütenstaub. Zwischen Sträuchern und Hecken im Unterholz leuchtete der lila-rot blühende Seidelbast und die samtweichen Blütenkätzchen der Salweide schimmerten silberweiß in dem Gezweig. Im weißen Glockenkleide blühte das Schneeglöckchen. Auf sonnigen Waldstellen öffneten sich die Blüten der Buschwindröschen und hellblaue Lederblümchen zierten den Waldboden.

Am 27. Mai 1904 (Schweres Unwetter)

Am 27. Mai werden es 54 Jahre, als im Tale der Frieda ein furchtbares Unwetter tobte. Die Obstbäume standen in Vollblüte. In dem weißen mit rosa aufgehauchten Blütenflor summten die Bienen. Die Wälder zeigten ihr erstes junges Grün. Der Saatenstand ließ auf eine gute Ernte schließen. Hier und da steckten die Kartoffeln die ersten beblätterten Keime aus dem warmen Erdboden. Erdrückende Schwüle lag über dem grünenden und blühenden Tale. Düstere Wolken stiegen am Horizont auf.

Am alten Ufer der Frieda in der Gemarkung Lengenfeld

Frieda= so viel wie friedlicher Bach, nach dem altgermanischen Wort Frioda, welches Friede bedeutet.
In der Lengenfelder Flur fließen in die Frieda außer den kleinen Quellen die Nebenbäche: der von Hildebrandshausen kommende Rösebach, der Erbsborn aus dem Effeldertal, das Blankentalswasser aus dem Spreuwinkel. Im oberen Teil münden Buchborn und das aus dem Faulungertal kommende Rohrwasser.

Sitten und Bräuche in Lengenfeld

Wenn ich im Folgenden über Sitten und Bräuche meiner Dorfheimat schreibe, so sind nur die aufgeführt, dich ich im letzten Halbhundert kannte und miterlebte. Wie lange diese Sitten und Bräuche vordem schon waren, entzieht sich meiner Kenntnis und ich weiß nur, dass wir sie von den Eltern und Großeltern so übernommen und weitergeführt haben und so wird es auch ehedem gewesen sein.

Die Bahnhofstraße im Wandel der Zeit

Am 15. Mai 1880 wurde die Bahn Leinefelde – Eschwege in Betrieb genommen. Einige Jahre später wurde auf dem Kirchberge beim Eisenbahnbrückenanfang für Lengenfeld eine Haltestelle errichtet. 1908 wurde der jetzige Bahnhof gebaut. Seitdem wurde der Hohl- und Feldweg vom Kichberg zum Bahnhof als Bahnhofstraße benannt. Nach der Kennzeichnung der Stra0en mit Straßenschildern wurde auch der untere Straßenteil am Kirchberge vom Hause Karl Köniig (Post) bis Haus Thrien als Bahnhofstraße bezeichnet.

Wie sah das Straßenbild um die Jahrhundertwende und in den nachfolgenden Jahren aus?

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