Geschichte & Brauchtum

Diese Rubrik vereint eine breite Auswahl an historischen Beiträgen zur Eichsfelder Geschichts- und Naturlandschaft sowie einzelne Ausarbeitungen zu den Themenkomplexen Tradition und Brauchtum des (Süd-)Eichsfeldes.

Die Arbeiten und Aufsätze verschiedener Heimatforscher und Lokalhistoriker, die oft ein Leben lang zu einzelnen Themenschwerpunkten ihrer näheren Heimat geforscht haben, sollen hier genauso dargestellt werden wie kleinere Ausarbeitungen bislang unbekannter Autoren.

Es ist das Ziel, diese Rubrik sukzessiv zu einem historischen Textarchiv des Südeichsfeldes auszubauen. Der Schwerpunkt der Auswahltexte wird dabei auf dem Ort Lengenfeld unterm Stein und seiner näheren Umgebung liegen.

Oliver Krebs

Auf heimatlichen Pfaden

Wie könnte je dein lieblich Bild erblassen
Mein Heimatdorf mit deinen Winkeln, Gassen,
Du bist mir wie ein Kindermärchenbuch,
Bist wie ein Trunk aus einem Zauberkrug.

Abschied

Nun steht er wieder in buntprächtigem Herbstgewand, der liebe Heimatwald. Glühend, leuchtend, flackernd wie lohende Feuergarben ragen seine stolzen Baumwipfel ins Tal, ins Dorf und winken, winken … Nun muss ich noch einmal hinauf, muss mich in trunkener Wonne noch einmal an seiner herben, wehmutsvollen Schönheit laben, ehe sie erstirbt, vergeht, verweht.

Kleine Chronik Lengenfeld unterm Stein

Zum Geleit

Daten und Ereignisse von 1318-1954


Wo die Wälder noch rauschen so heimlich und traut,
wo über den Bergen der Himmel sich blaut,
wo in heimlichen Gründen der Wildbach schäumt,
tief unten im Bergtal die "Frieda" träumt,
wo die Sage noch schreitet auf stillen Höhn
und Wichtelmännchen durchs Walperbühl gehen:
Da liegt meine Heimat im sonnigen Schein,
mein liebliches Dörfchen dort "Unter dem Stein".

Kleine Chronik der Gemeinde Lengenfeld unterm Stein

Zum Geleit

Herausgegeben von der Gemeinde Lengenfeld unterm Stein
anlässlich der 1100-Jahrfeier 1997

Um Johanni (Urfassung)

Johannistag – leuchtende Rosen im blumigen Hag! Hoch steht die Sonne und schafft Tage, die schier nicht enden wollen. Sommersonnenwende. In altgrauer Vorzeit unserer Ahnen, der heidnischen Germanen, lohten um diese Zeit rauchende Götteropferbrände von den Höhen gegen den nächtlichen Himmel.

Sommer

Was im Blütenschoße des Frühlings geboren wurde, hat die Sonne in ihre Obhut genommen und weiter gebildet. Viele unserer einheimischen Frühlingsblumen haben zwar nun, nachdem sie Aug’ und Herz des Menschen erfreut, ihre Kelche wieder geschlossen. Ihre Blütendolden sind sterbend wieder versunken in Nichts. Von der Blüte im jungen Frühling zum Sterben, das ist ja die Bestimmung dieser lieblichen Blumenkinder. Es ist ihre Aufgabe, das Menschenherz zu erfreuen, die holde Frühlingsnatur zu schmücken. Haben sie diesen Zweck erfüllt, dann ist ihre Zeit um und sie müssen fallen.

Kärmswochen

Kärmswochen – welch inhaltschweres Wort für unsere wackeren Hausfrauen und für – unsere Bäcker. Freilich, Hausvater und Familiensprösslinge haben keine guten Tage die Woche, denn überall, wo man es sich bequem machen möchte, sind Besenfuchtel und Scheuerlappen wahre Friedens- und Ruhestörer. Darum nimmt sich mancher die Woche vor, sich kommenden Sonntag zu entschädigen.

Im Licht und Schatten der Nacht

Dämmerung steigt hernieder und legt ihre grauen Schleier über die Häuser und Hütten, Straßen und Gassen des Dorfes. Schon läuten Aveglocken in weichem, anheimelnden Klang und rufen ihr "Sursum corda" über das still werdende Tal. Wie Zauberklang ertönt in den Werkstätten und Fabrikräumen ein Wort: Feierabend.

Es läutet ... Besinnliches für den hl. Abend

Tannenduft liegt fein und zart in den Straßen. Ganz nah ist das Fest und hält die Menschen in seinem geheimnisvollen Bann. Erwartungsvoll harren die Kinder. Zu langsam kreisen die Zeiger der Uhr. Zu lang ist ihnen der kurze Wintertag. Endlich bringt Vater den Tannenbaum. Mutter trägt den bunt schillernden Baumschmuck herbei, der wohl verschlossen in der Kommode lag. Unter Jubel, mit leuchtenden Augen, wird der Christbaum angeputzt. Schmuck und glänzend steht er bald an seinem Ehrenplatz und sein Gezweig streut den Duft und Hauch des Festes über den Raum.

Ernte

Mit keuchendem Atem steigt sie den Hügel hinan, die alte Margareth; auf schmalen, holperigen Feldpfad. Die Felder liegen im Glutofen brennender Sonne. Ein Endchen rückwärts trippelt noch ein Mädchen, so an die sieben – acht – Jahre – 's will nimmer halt mehr so recht mit der Alten. Aber da oben am Hügel, da liegt ein Stückchen Land. Dem vertraute sie im Frühjahr die Körner an. – Nun ist schon Ernte!

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