Geschichte & Brauchtum

Diese Rubrik vereint eine breite Auswahl an historischen Beiträgen zur Eichsfelder Geschichts- und Naturlandschaft sowie einzelne Ausarbeitungen zu den Themenkomplexen Tradition und Brauchtum des (Süd-)Eichsfeldes.

Die Arbeiten und Aufsätze verschiedener Heimatforscher und Lokalhistoriker, die oft ein Leben lang zu einzelnen Themenschwerpunkten ihrer näheren Heimat geforscht haben, sollen hier genauso dargestellt werden wie kleinere Ausarbeitungen bislang unbekannter Autoren.

Es ist das Ziel, diese Rubrik sukzessiv zu einem historischen Textarchiv des Südeichsfeldes auszubauen. Der Schwerpunkt der Auswahltexte wird dabei auf dem Ort Lengenfeld unterm Stein und seiner näheren Umgebung liegen.

Oliver Krebs

Die Wonnen und Gefahren des Maien

Wieder mal ist der schönste der zwölf das Jahr beherrschende Monde, der Wonne spendende Mai ins Land gezogen. Jung, in ungebrochener Schönheit strahlend, kam er, von uns allen froh empfangen und jubelnd begrüßt, warb er um uns wie ein stolz geputzter Hochzeiter. Blumen, Laub und Lieder trägt er als Gewandung. Frohsinn, Lebensfreude und Lebensbejahung pulsen in seinen Adern.

Die alte Buche

Irgendwo an einem Punkte meiner eichsfeldischen Heimat steht eine alte Buche. Nun, was ist das Besonderes? Buchen gibt es viele. Recht – es gibt viele alte Buchen – gerad' so, wie es viele alte Häuser, alte Mauern, alte Leute gibt. –Die Buche, von der ich schreibe, steht so, dass heller Sonnenschein in ihren Wipfeln liegt. An ihrem Fuße, im Schatten ihrer weit ausgespannten Äste, lässt's sich gut träumen. Es ist ein anheimelndes Plätzchen, reiche Ausschau bietend in die wechselvolle Gegend. Und wer noch mehr will, kann auch Einschau halten ins wechselvolle Leben.

Dämmerstunde

Sie haben etwas anheimelnd Absonderliches, die Zeitspannen zwischen Tag und Nacht. Hast du das nicht auch schon empfunden, als du vielleicht einmal - nach Scheiden eines heißen Sommertages vielleicht - geruhsam, losgelöst von allen schweren Gedanken des Erdgebundenseins, irgendwo - einsam mit halbgeschlossenem Blick - hineinträumst in den scheidenden Tag? Die Gedanken, die dir da wohl kommen in solcher Dämmerstunde, sie waren leichter und nichts haftete an ihnen von Erdenschwere.

Berufung

Der Arzt war gegangen. Er war da gewesen und hatte das letzte getan, was er tun konnte, dem Kranken durch eine Morphiumeinspritzung die letzten Tage - die letzten Stunden vielleicht - zu erleichtern. Gedämpftes Licht lag über dem Raum. Geräuschlos waltete die Krankenschwester ihres Amtes. Nicht lange mehr würde sie hier zu tun haben. Nicht lange mehr, - denn bald musste es ja vorbei sein. Da lag einer, den der Tod sich erkor in den besten Lebensjahren, im besten Mannesalter. -

Als die Lichter verloschen ... (Allerseelenstimmungsbild)

Spätherbsttag ist's und Spätnachmittag. Tief und scheu liegt das Dorf in der Talmulde. Schon breiten sich Dämmer- und Nebelschwaden über die schweigsam und verträumt liegenden Fachwerkhäusergruppen. Schwer setzt sich der feuchte Nebel in blattkarge Bäume und haftet an den Zweigen wie Tränen. Am altersgrauen Kirchturme hebt die Uhr knarrend zum Stundenschlage an. Wie zitternde Klage hallt's über die Totenhügelkreuze des schweigsamen Friedhofes - wie flehentliches Miserere ...

Einleitung

In einem der schönsten Teil des Obereichsfeldes, dem romantischen Friedatal, liegt idyllisch der Ort Lengenfeld und Stein, eingeschlossen von hohen Bergen, die mit ihrem Laub- und Nadelholzbestand der Landschaft ein besonderes Gepräge verleihen. Über dem Ort, am Südhang des Burgberges, 316 m hoch, liegt das schon 244 Jahre alte ehemalige kurmainzische Schloss Bischofstein, umgehen von einem großen Park, einladend und wie geschaffen für einen schönen und erlebnisreichen Urlaub.

Rundwanderung Keudelstein - Plesse - Hildebrandshausen

Den Auftakt dieser Reihe bildet eine Rundwanderung zum angrenzenden Hessenland. Dabei soll das Bergmassiv der Plesse mit den dazugehörigen Waldgebieten Keudelskuppe und Kohnstein besucht werden. Der Rückweg führt uns über das Nachbardorf Hildebrandshausen wieder nach Lengenfeld.

Allerlei Denkwürdigkeiten

Allerlei Denkwürdigkeiten
Kurioses, gesammelt von Anton Fick
1366-1951

1366

ist ein großes Erdbeben in Thüringen gewesen, vornehmlich zu Mühlhausen, Eisenach und anderen Orten mehr; gleich in den Pfingsttagen hat es eine halbe Stunde gewähret; davon beide Kirchen und andere Gewölbe gar sehr zerrissen (wurden); und hat man das Schüttern und Beben an den Zinngefäßen auf den Kannenbänken gar deutlich gespüret. (Bang: Thüringer Chronik…1599, Eschwege-Mühlhausen).

Zeittafel der Gemeinde Lengenfeld unterm Stein von 1700 bis 1928

1700
Die Gemeinde hat ein eigen Wirtsschenke und Brauhaus und muß jährlich an Bischofstein an Ohmschenkgeld 5 Taler zahlen. Es wurden 12 Faß Bier gebraut.

1711
Erborte die Gemeinde 50 Taler für Erbauung eines neuen Brauhauses, welches inzwischen wüst daliegt. Dafür wird ein Zins gezahlet von 2 Taler 12 Ggr. Insgesamt wurden in Lengenfeld 16 Faß Bier gebraut.

Novembertag

Schnell sind sie nun enteilt, die Tage froher, rauschender Feste. Rauer und unfreundlicher werden die Tage, frostig-feucht die Nächte. Blatt um Blatt ist zur Erde gesunken. Kahl steht die Angerlinde. Längst entführte der Herbstwind die letzten Blätter.

Inhalt abgleichen