Geschichte & Brauchtum

Diese Rubrik vereint eine breite Auswahl an historischen Beiträgen zur Eichsfelder Geschichts- und Naturlandschaft sowie einzelne Ausarbeitungen zu den Themenkomplexen Tradition und Brauchtum des (Süd-)Eichsfeldes.

Die Arbeiten und Aufsätze verschiedener Heimatforscher und Lokalhistoriker, die oft ein Leben lang zu einzelnen Themenschwerpunkten ihrer näheren Heimat geforscht haben, sollen hier genauso dargestellt werden wie kleinere Ausarbeitungen bislang unbekannter Autoren.

Es ist das Ziel, diese Rubrik sukzessiv zu einem historischen Textarchiv des Südeichsfeldes auszubauen. Der Schwerpunkt der Auswahltexte wird dabei auf dem Ort Lengenfeld unterm Stein und seiner näheren Umgebung liegen.

Oliver Krebs

Abenteuer mit Barry

Zeitlebens bin ich immer ein Freund der Tiere in Haus und Hof gewesen. Als ich 11 jährig nach Bischofstein kam, war es vor allem ein junger dicker Bernhardiner „Barry“, mit dem ich herzliche Freundschaft schloss.
Tagsüber lag er immer auf der Eingangstreppe zum Alten Schloss, nachts aber strich er rund um die Gebäude und erschreckte „Spätheimkehrer“. Er richtete sich auf, legte dem Überraschten die Pranken auf die Schulter und funkelte ihn aus seinen großen Augen an.

Gottes Wege

Ein Herbsttag führte mich dahin, wo die Toten ruhen. Allerseelenstimmung hielt mich umfangen und ich wollte die Gräber zählen derer, die mir nahe gestanden. – Dort liegt Vaters Grab, nicht weit davon in der folgenden Reihe das der Mutter. Das sind die Gräber derer, die mir nahe, ganz nahe gestanden. Und nun – wie viele sind es noch? – Da drüben … eins – zwei – drei – vier … und ich zählte und zählte die schier endlosen Grabhügel. – Da empfand ich sie alle, die hier ruhten, standen mir nahe.

Eichsfelder Herbst

Wenn an Trift und Rain die roten Hagebutten von den Hundsrosenhecken leuchten, an Bachufern und Waldrändern im Gerank die glänzend schwarzen Brombeeren winken und lachen, die Frucht des Weißdorns reift und der Haselnussstrauch braun getönte Frucht zeigt, dann ist der Herbst im Anmarsch.

Das Altersheim

Drüben liegt mitten in wohlgepflegten Anlagen das große Haus; es ist das größte des Ortes. Ob es die Schule ist? Wenn wir wollen, ja es ist eine Schule; es ist des Herrgotts Leidensschule. Wie viel Leid und Weh hat dieses Haus schon gesehen, wie viele mögen es sein, die hier den letzten Lebenskampf ausgerungen, und wie viele werden noch hinein müssen in diese harte Schule?

Auf heimatlichen Pfaden

Wie könnte je dein lieblich Bild erblassen
Mein Heimatdorf mit deinen Winkeln, Gassen,
Du bist mir wie ein Kindermärchenbuch,
Bist wie ein Trunk aus einem Zauberkrug.

Abschied

Nun steht er wieder in buntprächtigem Herbstgewand, der liebe Heimatwald. Glühend, leuchtend, flackernd wie lohende Feuergarben ragen seine stolzen Baumwipfel ins Tal, ins Dorf und winken, winken … Nun muss ich noch einmal hinauf, muss mich in trunkener Wonne noch einmal an seiner herben, wehmutsvollen Schönheit laben, ehe sie erstirbt, vergeht, verweht.

Kleine Chronik Lengenfeld unterm Stein

Zum Geleit

Daten und Ereignisse von 1318-1954


Wo die Wälder noch rauschen so heimlich und traut,
wo über den Bergen der Himmel sich blaut,
wo in heimlichen Gründen der Wildbach schäumt,
tief unten im Bergtal die "Frieda" träumt,
wo die Sage noch schreitet auf stillen Höhn
und Wichtelmännchen durchs Walperbühl gehen:
Da liegt meine Heimat im sonnigen Schein,
mein liebliches Dörfchen dort "Unter dem Stein".

Kleine Chronik der Gemeinde Lengenfeld unterm Stein

Zum Geleit

Herausgegeben von der Gemeinde Lengenfeld unterm Stein
anlässlich der 1100-Jahrfeier 1997

Um Johanni (Urfassung)

Johannistag – leuchtende Rosen im blumigen Hag! Hoch steht die Sonne und schafft Tage, die schier nicht enden wollen. Sommersonnenwende. In altgrauer Vorzeit unserer Ahnen, der heidnischen Germanen, lohten um diese Zeit rauchende Götteropferbrände von den Höhen gegen den nächtlichen Himmel.

Sommer

Was im Blütenschoße des Frühlings geboren wurde, hat die Sonne in ihre Obhut genommen und weiter gebildet. Viele unserer einheimischen Frühlingsblumen haben zwar nun, nachdem sie Aug’ und Herz des Menschen erfreut, ihre Kelche wieder geschlossen. Ihre Blütendolden sind sterbend wieder versunken in Nichts. Von der Blüte im jungen Frühling zum Sterben, das ist ja die Bestimmung dieser lieblichen Blumenkinder. Es ist ihre Aufgabe, das Menschenherz zu erfreuen, die holde Frühlingsnatur zu schmücken. Haben sie diesen Zweck erfüllt, dann ist ihre Zeit um und sie müssen fallen.

Inhalt abgleichen