Gedichte

Heimat (1)

Birgt auch die Fremde tausend Schätze,
die Heimat wiegt sie alle auf.
Ich kann nicht missen all die schönen Plätze,
wo ich verbracht der frohen Jugend Lauf.

's ist Abendzeit

's ist Abendzeit.
Wie wenn des Dorfschmiedens Esse glüht,
Die scheidende Sonne die Gobert umglüht.
Vom Hülfensberg der Glocke Geläut
Zum Angelus.

's ist Abendzeit.
Eine Krähe streichend zum Horste noch späht.
Am Kreuzweg pfadmüde ein Wanderer steht.
Vielleicht ist ihm die Heimat nicht weit
Zum Abendgruß.

's ist Abendzeit.
Wie fern an den Bergen das Glöcklein verklingt.
Ein blitzendes Sternlein am Himmel schon winkt
Dem wegmüden Wanderer, heimkehrbereit
Als Heimatgruß.

Am Frauenstein

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Im Westen starrt dunkle Wolkenwand,
Ein Grabmal raget am Wegesrand,
Eine Kugel am Sockel, viel Zentner schwer,
Als wär sie geflogen vom Bischoffstein her
Auf den Frauenstein
Am blühenden Rain.

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Die Schlapphanjesbuche

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Bei Effelder auf windiger Höhe
Am schützenden Waldessaum
Ragt eine gigantische Buche,
Der Alte Schlapphanjesbaum.

Was jagt da auf Sturmesrossen
Vom Alstein herüber so fahl?
Hinab in der Buche Krone
Fährt schmetternd der Wetterstrahl,

Zersplittert den Stamm bis zum Grunde,
Ihn weihend dem sicheren Tod,
Doch ehe du, Waldriesin,
In die Blümlein so weiß und rot

Das Grab im Walde

Am Malbaum erwartet die Leiche
Der Ritter vom Bischoffstein.
Noch seh ich sein Stahlhelm funkeln
Im strahlenden Sonnenschein,

Noch seh ich den Streithengst steigen,
Noch hör ich das höhnende Wort:
"Im Bilstal flogen die Raben
Mir krächzend vom Galgen fort,

Sie witterten wohl die Ase
Von Hechts Adens freidigem Mund,
Drum nehmet ihn zurück und begrabet
Den Rammssack auf eigenem Grund,"

Der Schlapphanjesmann

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Unger dar dicken Beechen de uff d'r Heh geschtenn
gung mätt Harzkloppen mancher drunger hänn.
Wann in d'r Noacht de Ühr hott zwölwe geschloain
koam änn Wanergäist üß dam hohlen Boäum.
Unn wan ha do hätt künn gekrie
dar bläbb jesmo do lie.

Im Beinhaus

Einst auf dem Hülfensberge
Hoch auf dem Lug-ins-Land
Stand eine graue Halle,
Lehn an Salvators Wand.
Drin stand die Totenbahre,
Des Totengräbers Karst,
Drin lag was nicht im Grabe
Vermodert und zerbarst
Von allen den Entschlafnen
Im Herrn rings in der Rund,
Die letzte Ruhe suchten
Hier auf geweihtem Grund.
Nichts störte diesen Frieden
Von früh bis Abend spät,
den Frevler hielt in Schranken
Des Todes Majestät.
Nur Fledermäuse flogen
Hier ein und aus zur Nacht,

Kratschbartels Matths

Wie idyllisch wars dach zu Urians Zieten,
Die Affallerschen gingen nach nit met Hieten,
Hieß äiner Matthias, sö nahnten se 'n Matths
Wohnt äiner im Eckhüs, sö wohnt he im Latz.
Un schrebb me "Herrn Dreßler" samt Stroße und Nummer,
Da blinne Posthenriks ha fungene kummer,
Da schrebb me bloß "Latzer" ohne Herrn un Gemach,
Da blinne Posthenriks ha fungene dach.
Wanns Kermse war, huiben se sich Knüllen und Striemen,
Dobi saßen se uf die friedlichsten Mienen,
War äiner abber sö atzlich und kiem

Im Suijnaast

Im Suijnaast hingen im Hennerschtal
En Fielinger hutte sine Dinsekuh
Am Stricke, gewuckelt üm Knebbel un Hahnd,
De Fiesen im Mühl un Schnüppte dozu.
Ene Mäisen piepst' im Bachollerstock,
Vom Holze har wehte sö mullige Kiehlung,
Ha gückte in de Wulken un dochte bi sich:
S' es dach nergens schenner wie in der Fühlung.
Uf äimol krächtes de Kuh in n' Kopp,
Wull sträike un schlug den Schwahnz üm de Oehren,
Räß üs wie Hosenladdr, machtig gelockt
Von em Fald im Tal met Krüt en Mehren.

Hechts Aden (Gedicht)

Und ein Raunen ging durch die Blätter:
"In goldener Jugendzeit
Des Weges oft zogen zwei Hünen
Im zerzausten Lederkleid,

Den Schnappsak am Wehrgehänge,
Geschultert das Rohr und den Spieß,
Hechts Aden, der aus Effelder,
Der aus Büttstedt Bratsch Nickel hieß.

Mit Falkenaugen sie spähten
Vom Walperbühl in den Grund
Und schlugen bei Kloster Zella
Den reisigen Krämer wund.

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