Gedichte

Für Adam Richwien

Von der Heimat nur allein
Sangst du deine Lieder.
Hin zu deinem Grabesstein
Klingen sie nun wieder.

Hin zu deiner Grabesruh -
Aus den Wipfeln der Zypressen
Raunt und flüstert es dir zu:
Die Heimat hat dich nicht vergessen.

Heinrich Richwien
(Neffe des Heimatdichters Adam Richwien)

Adam Richwien zum 30. Todestag

Du lebst nach meinem Glauben
In einem anderen Land, nur aus der Zeit –
Man keltert aus den Trauben,
die dort gedeihn, den Wein der Ewigkeit.

Du hast zu allen Dingen,
so scheint es mir, den Standort nur vertauscht;
Du hörst die Glocken klingen
Wie ehedem, als du auf sie gelauscht.

Dorfheimat – Erdenstelle,
die köstlich, was die lieb, in sich beschloss,
dass es, verzückte Welle,
in Lieder und Gedanken sich ergoss.

Nachruf

Es senkt zur stillen Ruh im Heimatfrieden
sich nun dein Leib zur Gruft hinab.
Du Heimattreuer, dein größtes Glück war hienieden
die Heimatliebe, die dich beseelte bis zum Grab.

Ja, Heimatliebe, es war der Inhalt deines Lebens,
es war der Born, aus dem dein Schaffen quoll.
Die oft man in der Welt such so vergebens,
du warst von ihr so übervoll.

We wors dach freher sö einfach und scheene!

Was werd dach hitzutoge nit alles uffgestahlt,
's gätt komisch derjenanner in dr wieten Walt.
De Wieber, de kämme vun'n Karl'n nitt ungerscheide,
drimm, weil se sich beide egol wunn kleide.
De Wieber, de schnieten sich Mannerkeppe,
unbekimmern sich nit meh im de Soppentippen.
Do äs's dach freher ganz anners gewast,
do wor jedes stolz uff sinn größtes Naast.
Do hotten de Liete nach nitt so veele Speene!
's worr alles sä einfach — un alles so scheene!

Frühlingsahnung

Ist’s nicht – als ob ein stilles, frohes Lauschen
sich über träumerische Weisenbüsche legt,
ob in des Wildbachs ungestümen Rauschen
der Winter liegt – den er zu Tale trägt?
Ist’s nicht, ob Winternot im Wellenbett entflieht
und übers Ufer mild der junge Frühling zieht?

Eichsfeld

Wo hoch die weiten Wälder rauschen,
der Wind das Korn zur Reife wiegt,
im Himmelsblau sich Wolken bauschen,
vertraut das Haus am Wege liegt,
wo in den Tälern Wasser fließen,
die Sonne malt mit hellem Licht
und Mond und Sterne sich ergießen,
vom Berg hinab geht weit die Sicht,
wo träumen noch die kleinen Gassen,
die Glocke schlägt wie einst vom Turm,
des Tages Lauf gibt sich gelassen,
geläutert in des Lebens Sturm,
da knüpft sich neu das alte Band
von Dorf zu Dorf und Stadt,

Klage

Die Welt hat viele Dichter,
Der Sänger gibt’s genug.
Ich bin im Kreis der Lichter
Ein Schatten nur.

Warum nur immer wieder
Dir Muse in mir ringt.
Ich schaffe doch nur Lieder,
Die niemand singt.

Warum nur will nicht schweigen,
Was in der Brust mir spricht,
Warum nur muss es steigen
Zum Licht, zum Licht!

Dem ungestümen Drängen,
Ich muss ihm geben nach;
In schlichten Heimatsängen
Es stieg zu Tag.

Wo ist das Fleckchen Erde ...

Wo ist das Fleckchen Erde,
wo er im Kampfe rang,
dem Sturm der Feinde wehrte,
sterbend er niedersank?

So schweift der Mutter Sinnen
zu Hügeln – unbekannt,
wo einer liegt darinnen
im fernen fremden Land.

Die Witwe weltverloren
in fernen Welten eilt,
die Blicke sich umfloren,
der Geist an Gräbern weilt.

Und Kinderaugen fragen:
Wo liegt Champagne – Maas,
wo hat ihn denn erschlagen
der blinde Völkerhass?

Heimatbekenntnis

(Melodie: "Üb’ immer Treu und Redlichkeit")

Fragt man in fremden Landen
wo deine Heimat ist,
Sag frei, wo noch vom Turme
Die Aveglocke grüßt.
Dort wo auf hohen Bergen,
Die Burgruinen steh’n,
Dort wo auf ras’gen Triften,
die Kinder weiden geh’n.
Sag frei, es ist mein Eichsfeld
Wo Glaub’ noch herrscht und Treu.
Ja dort ist meine Heimat,
Eichsfelder sag’ es frei.

Heimat (2)

Heimatbilder traut und schlicht,
Ach, die Fremde hat sie nicht,
ach, das traute Heimatleben
kann die Fremde mir nicht geben.

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