Von der Heimatliebe der Eichsfelder

Wilhelm, ein flotter Bursche in Effelder, kam wieder einmal zu spät aus der Schenke, und er hatte auch mehr getrunken als er vertragen konnte. Da gab’s dann am andern Morgen daheim eine lange Strafpredigt mit vielen bösen, brummigen Worten.

Die Nonnenschleere

Wer hätte auf dem Eichsfelde noch nichts von dem Kloster Zella gehört? Wie ein versunkenes Märchen liegt es im lieblichen Waldtal. Weit und breit kein Laut. Hinter den stillen Klostermauern herrschte einst emsiges Leben. Gottbegeisterte Zisterzienserinnen [Korrektur: Benediktinerinnen] verrichteten hier aufreibende Arbeit im Dienste der Nächstenliebe. Wenn aber zu den Tagzeiten das silberhelle Aveglöcklein des Klosterkirchleins zum Gebet rief, ruhten die fleißigen Hände. Die frommen Seelen vergaßen dann auf kurze Zeit die irdischen Sorgen und vereinten sich zu andächtigem Gebet.

Plattditsch gelaesen

Kammdippchens Franz, dar worre mol
In Mellsen, in d’r Staadt;
Hae hott gegaessen suren Kohl
Un krächt än Dorst, ganz rabiat.

Än Glaeschen Beer, das werr aem raecht
färr sinnen driegen Schlund.
Wann hae in dissem großen Naest
Mant bloß ’n Wärt gefinge kunnt.

Nun siecht hae alle Hisser ab,
Studeert die Schilder, die hae fingt. –
Uff ämmol hellt hae in sinn’n Trab,
Ganz groß an Wort ins Aube springt.

Kloster Zelle

Von Bergen bekränzt, im Waldesgrund
Ruhst du, ein Märchen im Dämmerlicht,
Das einlädt zum Traum, wenn zur Abenstund’
Die Sonne durch hängende Zweige bricht,
Wenn mit der Nacht, die sich müde neigt,
Der Wandrer staunend zu Tale steigt.

Und immer tiefer sinkst Du in Traum.
Und immer dunkler umdrängt dich der Wald.
Da geht ein Flüstern von Baum zu Baum,
Das leise wie sehnendes Singen hallt,
Das weckend um deine Giebel weht
Wie Harfenklang und wie Abendgebet.

Auf dem Hanstein

Schon wirft der Linde Frühlingswind
Die ersten Blüten nieder,
Reicht mir den Wanderstab geschwind,
Mich zieht’s zur Heimat wieder!
Ich seh’ im ersten Morgenstrahl
Die Heimatberge blinken
Und überm grünen Werratal
Den alten Hanstein winken.

Du stehst da wie ein heil’ger Gral,
In Sagen eingesponnen,
Und schaust ins weite Germartal
Gar traumhaft und versonnen.
Bald steig’ ich in dein gastlich Haus.
Von Turm und Mauerwällen
Schau ich ins weite Land hinaus
Mit frohen Fahrtgesellen.

Auf der Klosterschrenn

Weitab vom lärmenden Menschenmeer
Grüßt mich ein goldbeglänztes Tal,
Ganz wie das wogende blaue Meer
Im letzten Abendsonnenstrahl!
Friede! lispeln meine Lippen,
Friede! tönt’s von tausend Klippen.

Hier fährt die Seele auf leichtem Kahn
Ins Traumland, das sie selbst nicht kennt;
Sie schwingt sich im Traume himmelan
Aus Tiefen, wo das Schicksal brennt.
Versunken sind alle Sorgen,
Es schreit kein heute, kein Morgen!

Lengenfeld unterm Stein

Wo die Wälder noch rauschen so heimlich und traut,
wo über den Bergen der Himmel sich blaut,
wo in heimlichen Gründen der Wildbach schäumt,
tief unten im Bergtal die "Frieda" träumt,
wo die Sage noch schreitet auf stillen Höhn
und Wichtelmännchen durchs Walperbühl gehen:
Da liegt meine Heimat im sonnigen Schein,
mein liebliches Dörfchen dort "Unter dem Stein".

Auf dem Hülfensberge

Nun weicht die Nacht dem ersten Morgengrau.
Das Wiesental erglänzt im frischen Tau.
Am Fluss schleichen Nebel hin und her. ,
Nur Berg und Hügel lugen aus dem Meer.
Und wie ein Leuchtturm ragt der Hülfensberg empor
Und ruft die Mühsalheißen zu seinem Gnadentor.

Drei Eichen

Am Struther Berge steh’n drei Eichen
Die weit und breit nicht ihresgleichen.
Sie tragen ein Stück Ewigkeit
In ihrem tausendfalt’gen Kleid.
Das wissen die alten Raben,
Die in den Kronen Wohnrecht haben.

Ein blühend Leben umkreist die Eichen;
Dort tanzt die Jugend Ringelreihen,
Am Rain, im Hain, im Maienglanz,
Ein jeder hascht nach Tanz und Kranz.
Die Blätter rauschen so leis und tief,
Als ob ein Märchen in ihnen schlief.“

Die Wallfahrt zum Annaberg

Vom Kloster Zella etwa 700 m in nördlicher Richtung entfernt stand bis zum Jahre 1869 auf Einem Bergvorsprung eine Kapelle, in der die heilige Anna verehrt wurde. In dieser Kapelle, die im Jahre 1714 unter Beibehaltung des Glockenturmes vom Jahre 1672 neu aus Stein gebaut wurde, stand das Gnadenbild der hl. Anna, das sogenannte „Selbdrittbild“. Zu diesem Gnadenbild wallfahrteten am jährlichen „Annatag“ (26. Juli) seit Beginn des 18. Jahrhunderts die Einwohner von Struth, Effelder, Küllstedt, Büttstedt, Bickenriede, Lengenfeld u./Stein, Hildebrandshausen und Faulungen in Prozessionen.

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