Die Schranne

Das romantische Tal, in dem das ehemalige Kloster Zella liegt, wird im Süden begrenzt von einer aus der Höhenplatte des südöstlichen Obereichsfeldes hervortretenden Bergzunge, Schranne genannt. Herrlicher Buchenbestand nimmt den einsamen Wanderer auf. Nach Westen bildet die Höhe eine schroffe Felswand der Wellenkalkstufe. Am Rande des Steilhanges klammern sich die Wurzeln alter knorriger Eiben in die zahlreichen Risse des brüchigen Gesteines. Vor dem entzückten Auge breitet sich das Tal der Frieda, die bei Kloster Zella entspringt und der Werra zueilt.

Das Fräubchen von England

Der König von England kam, von einem seiner Diener Erich begleitet, aufs Eichsfeld. Auf der Reise über dasselbe wurde er von der Nacht überrascht. Da sah er in der Ferne ein Licht; er ritt dem Schein nach und kam in das Dorf Flinsberg. Das Haus, aus dem so spät noch Lichtschein fiel, war das Haus des Küsters, der gerade das Tauffest seines Kindes feierte. Er klopfte an der Türe. Der Küster öffnete, fragte nach dem Begehr des Fremden, und als er hörte, dass dieser sich verirrt habe, lud er ihn in sein Haus ein, ohne zu wissen, wer der späte Gast sei.

Von der Heimatliebe der Eichsfelder

Wilhelm, ein flotter Bursche in Effelder, kam wieder einmal zu spät aus der Schenke, und er hatte auch mehr getrunken als er vertragen konnte. Da gab’s dann am andern Morgen daheim eine lange Strafpredigt mit vielen bösen, brummigen Worten.

Die Nonnenschleere

Wer hätte auf dem Eichsfelde noch nichts von dem Kloster Zella gehört? Wie ein versunkenes Märchen liegt es im lieblichen Waldtal. Weit und breit kein Laut. Hinter den stillen Klostermauern herrschte einst emsiges Leben. Gottbegeisterte Zisterzienserinnen [Korrektur: Benediktinerinnen] verrichteten hier aufreibende Arbeit im Dienste der Nächstenliebe. Wenn aber zu den Tagzeiten das silberhelle Aveglöcklein des Klosterkirchleins zum Gebet rief, ruhten die fleißigen Hände. Die frommen Seelen vergaßen dann auf kurze Zeit die irdischen Sorgen und vereinten sich zu andächtigem Gebet.

Plattditsch gelaesen

Kammdippchens Franz, dar worre mol
In Mellsen, in d’r Staadt;
Hae hott gegaessen suren Kohl
Un krächt än Dorst, ganz rabiat.

Än Glaeschen Beer, das werr aem raecht
färr sinnen driegen Schlund.
Wann hae in dissem großen Naest
Mant bloß ’n Wärt gefinge kunnt.

Nun siecht hae alle Hisser ab,
Studeert die Schilder, die hae fingt. –
Uff ämmol hellt hae in sinn’n Trab,
Ganz groß an Wort ins Aube springt.

Kloster Zelle

Von Bergen bekränzt, im Waldesgrund
Ruhst du, ein Märchen im Dämmerlicht,
Das einlädt zum Traum, wenn zur Abenstund’
Die Sonne durch hängende Zweige bricht,
Wenn mit der Nacht, die sich müde neigt,
Der Wandrer staunend zu Tale steigt.

Und immer tiefer sinkst Du in Traum.
Und immer dunkler umdrängt dich der Wald.
Da geht ein Flüstern von Baum zu Baum,
Das leise wie sehnendes Singen hallt,
Das weckend um deine Giebel weht
Wie Harfenklang und wie Abendgebet.

Auf dem Hanstein

Schon wirft der Linde Frühlingswind
Die ersten Blüten nieder,
Reicht mir den Wanderstab geschwind,
Mich zieht’s zur Heimat wieder!
Ich seh’ im ersten Morgenstrahl
Die Heimatberge blinken
Und überm grünen Werratal
Den alten Hanstein winken.

Du stehst da wie ein heil’ger Gral,
In Sagen eingesponnen,
Und schaust ins weite Germartal
Gar traumhaft und versonnen.
Bald steig’ ich in dein gastlich Haus.
Von Turm und Mauerwällen
Schau ich ins weite Land hinaus
Mit frohen Fahrtgesellen.

Auf der Klosterschrenn

Weitab vom lärmenden Menschenmeer
Grüßt mich ein goldbeglänztes Tal,
Ganz wie das wogende blaue Meer
Im letzten Abendsonnenstrahl!
Friede! lispeln meine Lippen,
Friede! tönt’s von tausend Klippen.

Hier fährt die Seele auf leichtem Kahn
Ins Traumland, das sie selbst nicht kennt;
Sie schwingt sich im Traume himmelan
Aus Tiefen, wo das Schicksal brennt.
Versunken sind alle Sorgen,
Es schreit kein heute, kein Morgen!

Lengenfeld unterm Stein

Wo die Wälder noch rauschen so heimlich und traut,
wo über den Bergen der Himmel sich blaut,
wo in heimlichen Gründen der Wildbach schäumt,
tief unten im Bergtal die "Frieda" träumt,
wo die Sage noch schreitet auf stillen Höhn
und Wichtelmännchen durchs Walperbühl gehen:
Da liegt meine Heimat im sonnigen Schein,
mein liebliches Dörfchen dort "Unter dem Stein".

Auf dem Hülfensberge

Nun weicht die Nacht dem ersten Morgengrau.
Das Wiesental erglänzt im frischen Tau.
Am Fluss schleichen Nebel hin und her. ,
Nur Berg und Hügel lugen aus dem Meer.
Und wie ein Leuchtturm ragt der Hülfensberg empor
Und ruft die Mühsalheißen zu seinem Gnadentor.

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