Was der Onkel vom Schlampanjesmann erzählte

Eine Jugenderinnerung von Lorenz (Döbernitz)

Von allen Dörfern des Eichsfeldes ist es ganz gewiss Lengenfeld, das die reizendste Lage hat, die Eichsfeldische Schweiz hat man es auch genannt.

Ringsherum Kalkberge mit den herrlichsten Buchenwäldern. An den Abhängen klettern kleine Landstreifen weit hinauf, bis das Terrain so steil und felsig wird, dass ein Anbau unmöglich wird.

Der Wietstein

Im Dreißigjährigen Krieg herrschte, wie man erzählt, in Lengenfeld unterm Stein ein großes Sterben. Die Pest ging um und raffte die Menschen hinweg. Kaum ein Haus blieb verschont von dem schwarzen Tod. Bis an die Schafhofgasse war sie bereits dorfaufwärts vorgedrungen. Da erklangen Stimmen aus der Luft:

"Kocht Pimpernell,
Dann sterbt ihr nicht so schnell!"

Der Schampanjesmann

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Der Schampanjesmann ist eine auf der eichsfeldischen Höhe allgemein bekannte Gespenstererscheinung. Über denselben weiß der Volksmund zu erzählen:

Der Bischofstein und die hl. Elisabeth

Der Novembermonat gibt alljährlich besondere Veranlassung, uns mit der großen Heiligen, der Wohltäterin der Armen und Notleidenden, Elisabeth, Landgräfin von Thüringen, zu beschäftigen. Seitdem ich die Dichtung von Dr. Hermann Iseke kenne: „Aus Eichsfelds Vorzeit in Geschichte und Sage“, verbinde ich stets mit der Vorstellung vom Schloss Bischofstein, genau wie mit der Wartburg, solche von der hl. Elisabeth, weil ich nicht vermute, sondern bestimmt annehme, dass die große Heilige hier auf Bischofstein, ihrem einstigen persönlichen Besitz, gewandelt ist.

Die Schranne

Das romantische Tal, in dem das ehemalige Kloster Zella liegt, wird im Süden begrenzt von einer aus der Höhenplatte des südöstlichen Obereichsfeldes hervortretenden Bergzunge, Schranne genannt. Herrlicher Buchenbestand nimmt den einsamen Wanderer auf. Nach Westen bildet die Höhe eine schroffe Felswand der Wellenkalkstufe. Am Rande des Steilhanges klammern sich die Wurzeln alter knorriger Eiben in die zahlreichen Risse des brüchigen Gesteines. Vor dem entzückten Auge breitet sich das Tal der Frieda, die bei Kloster Zella entspringt und der Werra zueilt.

Das Fräubchen von England

Der König von England kam, von einem seiner Diener Erich begleitet, aufs Eichsfeld. Auf der Reise über dasselbe wurde er von der Nacht überrascht. Da sah er in der Ferne ein Licht; er ritt dem Schein nach und kam in das Dorf Flinsberg. Das Haus, aus dem so spät noch Lichtschein fiel, war das Haus des Küsters, der gerade das Tauffest seines Kindes feierte. Er klopfte an der Türe. Der Küster öffnete, fragte nach dem Begehr des Fremden, und als er hörte, dass dieser sich verirrt habe, lud er ihn in sein Haus ein, ohne zu wissen, wer der späte Gast sei.

Von der Heimatliebe der Eichsfelder

Wilhelm, ein flotter Bursche in Effelder, kam wieder einmal zu spät aus der Schenke, und er hatte auch mehr getrunken als er vertragen konnte. Da gab’s dann am andern Morgen daheim eine lange Strafpredigt mit vielen bösen, brummigen Worten.

Die Nonnenschleere

Wer hätte auf dem Eichsfelde noch nichts von dem Kloster Zella gehört? Wie ein versunkenes Märchen liegt es im lieblichen Waldtal. Weit und breit kein Laut. Hinter den stillen Klostermauern herrschte einst emsiges Leben. Gottbegeisterte Zisterzienserinnen [Korrektur: Benediktinerinnen] verrichteten hier aufreibende Arbeit im Dienste der Nächstenliebe. Wenn aber zu den Tagzeiten das silberhelle Aveglöcklein des Klosterkirchleins zum Gebet rief, ruhten die fleißigen Hände. Die frommen Seelen vergaßen dann auf kurze Zeit die irdischen Sorgen und vereinten sich zu andächtigem Gebet.

Plattditsch gelaesen

Kammdippchens Franz, dar worre mol
In Mellsen, in d’r Staadt;
Hae hott gegaessen suren Kohl
Un krächt än Dorst, ganz rabiat.

Än Glaeschen Beer, das werr aem raecht
färr sinnen driegen Schlund.
Wann hae in dissem großen Naest
Mant bloß ’n Wärt gefinge kunnt.

Nun siecht hae alle Hisser ab,
Studeert die Schilder, die hae fingt. –
Uff ämmol hellt hae in sinn’n Trab,
Ganz groß an Wort ins Aube springt.

Kloster Zelle

Von Bergen bekränzt, im Waldesgrund
Ruhst du, ein Märchen im Dämmerlicht,
Das einlädt zum Traum, wenn zur Abenstund’
Die Sonne durch hängende Zweige bricht,
Wenn mit der Nacht, die sich müde neigt,
Der Wandrer staunend zu Tale steigt.

Und immer tiefer sinkst Du in Traum.
Und immer dunkler umdrängt dich der Wald.
Da geht ein Flüstern von Baum zu Baum,
Das leise wie sehnendes Singen hallt,
Das weckend um deine Giebel weht
Wie Harfenklang und wie Abendgebet.

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