Das historische Rezept - Weinsuppe

Gut geeignet als Vorsuppe in der Sommerzeit. Meine Mutter und Schwiegermutter kochten beide diese Suppe, wenn auch nicht allzu häufig, aber ab und an schon mal.

Ich bilde mir auch ein, ihren Stil dabei inne zu haben:

Also: Ich koche im Wasser mit einer Priese Salz und mehr Zucker, Sago weich, schalte die Kochplatte ab, gieße ja nach Geschmack Weißwein dazu und setze kurt vor dem Verzehr Klöße aus Eierschnee jeweils auf die auf Suppentellern aufgefüllte Weinsuppe.

Guten Appetit!

Geschichten, die man sich in Lengenfeld unterm Stein erzählt

In den Nachkriegsjahren malte mein Vater die Gaststube im Bauernhaus unserer Gemeindeschänke in Lengenfeld/Stein aus. Da er sich schon immer für die Sagenwelt interessierte, malte er auch die Motive danach. Es ist auch jammerschade, dass sie in späteren Jahren verschwanden. Auf der einen Wand war eine alte Frau mit einer Brille, die so halb auf der Nase hing, abgebildet. Zu ihren Füßen saß auf einem Schemelchen ein kleiner bausbäckiger Bub. Mein Vater sagte mir, dieser kleine Junge sei er gewesen; und diese Frau die alte Frau Wallbraun.

Als der Briefträger die Leute nicht fand

"Habt ihr schon gehört – im Nachbarort da hat der Briefträger die Leute nicht gefunden; nun muss ein Einheimischer die Post austragen", so sprach Gretchen. "Erzähle bitte", baten die Mädchen und Gretchen begann:

Gang zum Geiberich

Waldempor die alten Pfade –
Klingt nicht alles unterm Rade
fern enteilter Zeiten nach?
Dämmrig, da ich aufwärts steige,
ruht der Wald, als ob er schweige,
wo er längst sein Schweigen brach.

Ausgeschnitten ragt die grüne
Lichtung her – verwaiste Bühne,
fort gesagter Handlung voll.
Könnte dieser Boden reden –
Wessen Schlaf? Auch jener Schwede,
deren Schlachtruf hier erscholl?

Blick vom Schlossberg

Verloren tickt die Zeitenuhr –
so lies die Stunde ab,
wo Wildnis auf verwehter Spur
dem Berg die Ruhe gab.

Verschollen schläft der Mauerrest,
und Duft von Kräutern würzt
die Stille, die ihn schlafen lässt,
der mild in sich zerstürzt.

Der alle Wirrnis übersteht,
der Wald, er flüstert fort:
die Sage, die im Dickicht geht
und Zuflucht sucht und Wort.

Wie Stimme jetzt dir zugewandt.
Vielleicht: Wer hier gehaust
und so den Blick zu Tal gesandt
wie du hinunterschaust?

Wanerwerk

"Zu den Quellen ländlichen Volkstums und örtlicher Historie führen die Wanergeschichten, die ein sagenfrohes, gemütstiefes Geschlecht in traulichen Herdstunden weitergab, in unsern Tagen aber als unersetzliches Volksgut mit ins Grab nimmt. (Aloys Höppner)

Schlachten

Als in einem eichsfeldischen Dorfe einmal der Schulmeister nach den höchsten Festtagen des Jahres gefragt hat, ist ein Junge aufgestanden und hat gesagt: "Ostern, Pfingsten und Weihnachten und der Tag, an dem wir schlachten." Dieses Wort lässt die Bedeutung des Schlachtens in damaliger Zeit ahnen.

Saat und Ernte, Brot

Die drei ersten Würfe aus dem Säetuch wurden in Kreuzesform getan. Vom ersten Mähen nahm man drei schöne Ähren mit nach Hause und befestigte sie am Kruzifix, einem Heiligenbild oder am Spiegel. Ähnlich verfuhr man mit Zwillingsähren. War das Getreidefeld bis auf die letzte Ecke gemäht, rief man anwesenden Kindern zu: "Passt auf, da sitzt der Hase drin!" Auf dem letzten Fuder großer Bauern thronte ein Erntekranz, der am Scheunentore befestigt wurde. Ein gutes Mahl mit Bier und Branntwein lohnte die fleißigen Schnitter und Binderinnen.

Osterbräuche aus der alten Zeit

Zur Palmweihe am Sonntage vor Ostern verwandte man Weidenruten mit blühenden Kätzchen. Bei schweren Gewittern wurden Stückchen davon ins Herdfeuer geworfen. Geweihte "Palmen", in Kreuzesform ans Scheunentor genagelt, gaben der Bitte um Gottes Segen über Haus und Hof symbolischen Ausdruck. Auch an Maria Lichtmess und in der Sterbestunde holte man die geweihten "Palmen" herbei. Am Gründonnerstage gab es Grünkohl (Wirsing) zum Mittagessen. An diesem Tage ließen Pfarrer und Lehrer die Ostereier einsammeln. Es handelte sich dabei um einen alten Zins, der bis zum Beginn des 2.

Advent, Nikolaus und Christtage in alten Zeiten

Zu Beginn der Adventszeit ging der Pfarrer im Ornat mit einem Messdiener, der den Weihwasserkessel trug, durchs Dorf und "sprengelte" beim Segnen der Wohnungen Weihwasser durch die Häuser. Dafür bekam er das Sprengelbrot oder Pfarrkorn. Wie allerorts in deutschen Landen besuchte am Abend des 5. Dezember St. Nikolaus in der üblichen Verkleidung die Kinder, um ihnen Äpfel, Nüsse, Plätzchen, Weckemänner und manchmal auch eine Rute mit dabei zu bringen.

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