Waldweihnacht

Heut’ bin ich im Bergwald gegangen
auf Wegen, vom Nachtschnee verweht.
Den Sinn hielt ein Traum mir gefangen –
wie der Wald seine Weihnacht begeht.

Heut’ bin ich im Bergwald gegangen,
im Grunde so feierlich-hehr;
Die Glocken des Kirchdorfes sangen
Frohkundige Weihnachtsmär.

Wie ich fürbass so geschritten,
und der Schnee verschluckte den Schritt,
in des schweigsamen Walddomes Mitten
wanderten Stimmen mit.

Schwanensang

Reicht dem Sänger her die Laute,
Dass er noch ein letztes Lied,
Heimat dir, du teure, traute,
Singt bevor das Leben flieht.

Wie so oft hat er besungen
Deine Täler, deine Höhn,
Und – ist dieses Lied verklungen,
Dann mag er zur Ruhe gehn.

Noch ein stilles Dankesbeben
Hoch zu Sonne, Mond und Stern,
Dass er innig durft’ erleben
Seiner Heimat Wesenskern.

Immer wieder musst er singen
Von den Felsen und vom Ried –
Und von Quellen, die da springen,
Klang so manches, manches Lied.

Neujahr

Ein Jahr sich neigt – ein Jahr nun steigt...
Und wie das eine Jahr – Bewährungsfrist nur war
so auch das andre ist – nur eine Gnadenfrist
und wie mit Hoffen und mit Bangen
Du bist durchs alte Jahr gegangen,
so wird’s auch ferner Dir beschieden sein.
Drum mit Vertrau’n und Mut ins neue Jahr hinein
Und leg auch manches Stück Dir öd und brach,
O weine nun nicht mehr verlornen Dingen nach,
Die Furchen brich – sä’ aus – neu mutig wag!

Meine Heimat

Was Heimat in jungfrohen Tagen
an Schätzen – an Liedern mir gab,
will in frohem Erinnern ich tragen,
bis man mich einst senket ins Grab.

Dort rauschen des Friedabachs Wellen
im Grund übers Hagmühlenrad.
Am Rain springen lustig die Quellen,
am Hange sprießt sattgrüne Saat.

Vom Gröttlein an Dünberges Saume
grüßt’s Lichtlein im blutroten Schein.
Dort wohnt wie in weltfernem Träume
Madonna – so lieblich und rein.

Erkennen

Nun ist die letzte Frucht geborgen,
Die Felder gähnen garbenleer.
Darüber hin an jenem Morgen
Wälzt sich ein graues Nebelmeer.

Die letzte Frucht – ein hart Erkennen
So bang in meine Seele steigt:
Noch ungefüllt sind meine Tennen –
Nehm’ ich den Winter denn so leicht?

Des Sichelliedes letzte Zeile
Verklang schon längst im fernen Ried –
Nun über eine kleine Weile
Formt sich daraus ein Sterbelied.

Ein Sang vom Hasenborn

Daheim – so komm denn Freund, wir wollen wandern
von einem Berg der Heimatwelt zum andern.
Wohin zuerst? So lass den Dünberg uns ersteigen,
von dorten will ich dir vertraute Bilder zeigen.
Sieh nur, wie um der Kuppe schroffes Felsgestein
es flirrt vom goldenen Morgensonnenschein!
Nach Osten schau, wo an den kühn getürmten Klosterschrennen,
der Morgenröte blut’ge Fackeln brennen.
Und hier – die Hände lass uns falten, lass uns lauschen,
wie andachtsvoll, wie im Gebet, die dunklen Föhren rauschen.

Die Hagemühle

(nach einer Sage)

Der junge Tag

Am Osthimmel flackerts in feurigen Strichen,
Und der Tag graut – schon Stern um Stern ist verblichen.
Nebel wälzt massig über üppige Wiesen.
–Vom alten Gutshof schon lange der Hahnenschrei,
Füllt den grauen Morgen mit des Tages Melodei,
–Hoch über den Wäldern des Morgenrots Grüßen.

Der Hütejunge

Ich möchte nicht mit hohen Herren tauschen –
nur Tag für Tag dem Finkenliede lauschen.
Ich lese sommerlang auf waldumsäumter Trift
im Buche der Natur die reine Gottesschrift.

Mein Reich die Wiese. Bunte Blumen grüßen –
die schöne Heimatwelt zu meinen Füßen.
In Bäumen halb versteckt ein graues Hüttendach,
und wenn der Abend kommt – ein sorglos Schlafgemach.

Beim Lampenlicht

Spätherbststurm fegt in den Bäumen,
Regen klatscht im Rinnenstein –
Wachend muss ich sinnen, träumen,
Wie wir einst beim Lampenschein
Saßen, als uns Mütterlein
Da mit nimmermüdem Munde
Lächelnd adelte die Stunde,
Sprach das Wort: Er war einmal.

Manch halbvergessene schlichte
Mär fällt mir nun wieder ein,
Klänge hold – beim Lampenlichte,
Worte lieb, vom Mütterlein . . .
Einsam bin ich und allein,
Mutter ruht im Gottesfrieden,
Und ich sprech’ mit heimwehmüdem
Schmerz das Wort: Es war einmal.

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