Dr. Christoph Völker zum Gedenken (1952)

Da bisher noch keine Möglichkeit bestand, in einer eichsfeldischen Zeitung oder Zeitschrift auf das Ableben des für unsere Heimat so verdienstvollen Landsmannes, des Domkapitulars Dr. Christoph Völker aus Faulungen hinzuweisen, bringen wir ein kurzes Lebensbild und eine kurze Würdigung des Verstorbenen.

Am 31. Mai 1890 wurde Dr. Christoph Völker in Faulungen als Sohn des Gastwirts Joseph Völker geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Heiligenstadt, das er 1910 mit Auszeichnung verließ, studierte er Philosophie und Theologie in Paderborn und Breslau. Bei Ausbruch des ersten Weltkrieges wurde er am 3. August 1914 in Paderborn zum Priester geweiht. Zwölf Jahre wirkte er als Vikar in Vörden (Kr. Höxter) und beschäftigte sich viel mit heimatkundlichen und rechtshistorischen Studien. Im Auftrage des Kreises Höxter gab er 1925 ein Heimatbuch des Kreises Höxter heraus, das bei allen Interessierten eine gute Beurteilung und Aufnahme fand. Im Jahre 1926 wurde er als Archivsekretär in das Generalvikariat nach Paderborn berufen. 1934 promovierte er zum Dr. theol. in Tübingen und wurde 1935 zum Generalvikariatsrat, 1936 zum Offizialatsrat ernannt und im Jahre 1939 in das Metropolitankapitel berufen.

Am 22. März 1945 erlitt er bei einem Fliegerangriff auf Paderborn einen Schädelbruch und starb nach 2 Tagen im Vinzenzkrankenhaus in Paderborn.

Christoph Völker war ein Mann von hohen Geistesgaben und vielseitigem Wissen, besonders auf geschichtlichem und kirchenrechtlichem Gebiete. Mutig und unerschrocken trat er in vielen Schriftsätzen in der Zeit des Nationalsozialismus für die Rechte der Kirche und die unschuldig verfolgten Mitbrüder ein. Sein klares Urteil, sein unermüdlicher Glaubenseifer und seine stete Hilfsbereitschaft machten ihn zu einem hochgeschätzten Mitarbeiter in der Verwaltung der Erzdiözese, die durch seinen jähen Tod einen großen Verlust erlitt. Warme Liebe zu seiner eichsfeldischen Heimat, die er immer wieder aufsuchte, begleiteten ihn durchs Leben.

Durch seine Arbeiten für die Sippenforschung war er weithin bekannt. Hingewiesen sei hier besonders auf seine Aufsätze in „Unser Eichsfeld“: Beiträge zur ältesten Geschichte der Propstei Großburschla an der Werra, des späteren Kollegiatsstiftes und ihrer Kirche, Die Gründung der Pfarrei Wendehausen, Die Familie Gudenus, Ein Einkünfte- und Güterverzeichnis des Mainzer Schlosses Gleichenstein aus dem Jahre 1358; Der Besitz der Burg Bischofstein um die Mitte des 14. Jahrhunderts, Die Familie Gaßmann, Von der Mundart des südlichen Eichsfeldes, Rechtsbrauchtum im 14. Jahrhundert, Aus der Chronik des Klosters Gerode.

Er war ein Freund echten eichsfeldischen Humors, und als Heinrich Triebetröst gab er uns im Eichsfelder Heimatboten köstliche Proben seines nie versiegenden Humors. Ehre seinem Andenken!


Christoph Oberthür
(Quelle: Eichsfelder Heimatglocken, Ausgabe 1952/01, Seite 10 – 11)