Carl Duval: Schloß Bischoffstein und die Sage vom Fräubchen von England (1845)
Hier winkt, vergoldet von der Abendröthe,
Kein Obdach mehr!
Das Burgrevier, wie ist es jetzt so öde,
So freudenleer!
Anstatt des Thurmes ragt nur eine Linde
Hoch in die Höh’,
In ihren Zweigen flüstern sanfte Winde
Mit stillem Weh!
In dem Thale der Friede, welches eines der schönsten auf dem ganzen Eichsfelde ist, liegt rings von schönen, bewaldeten Bergen eingeschlossen, tief unten an dem beim Kloster Zelle entspringenden und von schmackhaften Forellen belebten Bache Friede, das große Dorf
L e n g e f e l d ,
zum Unterschiede von dem Dorfe „Mühlhäusisch Lengefeld“ „Lengefeld unter dem Stein“ genannt. Es ist der Sitz einer königlichen Domainen-Rentmeisterei und Forstkasse, so wie auch eines königlichen Unterförsters, hat eine katholische Kirche königlichen Patronats, eine Schule, und zählt in 160 Häusern gegen 1400 Einwohner.
Ueber dem Dorfe liegt das Domainenerbpachtsgut
B i s c h o f f s t e i n ,
dessen Besitzer Herr Müller ist. Das in einem einfachen edlen Style erbaute Schloß blickt inmitten schöner, parkähnlicher Anlagen mit seinen weißen Mauern überaus reizend durch und über die Gebüsche und Bäume, welche es rings umflüstern, und hinter diesem Schlosse erhebt sich ein hoher waldiger Bergzug, an dessen linker Ecke, auf schwindelnder Höhe, eine alte Linde¹) steht, welche die Stätte bezeichnet, auf der einst das uralte Schloß Bischoffstein stand.
Der Weg hinauf läßt sich nicht ohne Anstrengung zurücklegen, langt man aber endlich oben an, so bietet sich eine so herrliche Aussicht dar, daß man sich für alle gehabte Anstrengung reichlich belohnt fühlt. In der schönen Landschaft, welche vor uns ausgebreitet liegt, reiht sich Hügel an Hügel, über ihn erheben sich in trefflicher Gruppirung höhere Berge und besonders traulich grüßt der Hilfensberg, dessen Kirche ganz deutlich zu erkennen ist, zu uns herüber.
Werfen wir einen Blick auf die Stätte, welche einst die stolze und mächtige Burg Bischoffstein trug, so erkennen wir sogleich, daß alle Pracht und Herrlichkeit, welche einst hier herrschte, schon längst in das Grab der Zeit gesunken ist, denn nur geringe Spuren verkündigen dem forschenden Wanderer, daß hier einst eine Feste stand; aber der Sturm der Zeit hat sie zertrümmert und wo damals kräftige Ritter und Mannen wohnten, da hausen jetzt Dachse und Füchse, wo einst der Becher der Freude erklang und Heldenlieder erschollen, da herrscht jetzt tiefes, schauerliches Schweigen und Stille des Todes. Keine Spur des Lebens rührt sich rings umher, es müßte denn ein scheuer Vogel sein, der aus dem Gebüsch auffliegt, oder eine Eidechse, die durch das Gebüsch schlüpft. Stille umgiebt den einsamen Wanderer, der diese Trümmer besucht, das Leben und Treiben der Menschen, tief aus dem Thale, schlägt nicht an sein lauschendes Ohr, nur leise hallt aus der Tiefe die Schalmei des Hirten, das Geläute der Heerden oder das Glockengetön aus den benachbarten Dörfern.
Das Schloß, welches einst hier seine Mauern und Thürme erhob, hieß ursprünglich Stein und seine Bewohner: die Ritter vom Steine²). Im J. 1133 kommt ein Ritter Poppo von Stein vor.³)
Im J. 1282 war Hugo von Stein Vogt auf dem Schlosse Bischoffstein, denn die Burg gehörte zu dieser Zeit bereits den Landgrafen von Thüringen eigenthümlich zu und die Ritter vom Steine waren nur Burgmänner auf ihrem früheren Eigenthume.
Im J. 1298 wird das Schloß Stein zum ersten Male und zwar so bezeichnet: Castrum Steyn situm apud Caenobium Sanctimonialium dictum Celle⁴).
In demselben Jahre boten Dietrich der Jüngere, Albrecht’s zweiter Sohn, Landgraf von Thüringen und Markgraf der Lausitz, dessen Großvater, Heinrich der Erlauchte, das Schloß Stein mit der Landgrafschaft Thüringen an sein Haus gebracht hatte, und Graf Barthold von Henneberg das Schloß Stein dem Churfürsten von Mainz als Belohnung an, wenn er es bei dem neuen Kaiser Albrecht durch seine Vermittelung dahin bringen könnte, daß dieser seinen Ansprüchen auf Thüringen entsagte.
Weil aber der Churfürst Gerhard, wie der bald darauf erfolgte Einfall des Kaisers in Thüringen klar zeigt, den Wunsch des Landgrafen nicht zu erfüllen im Stande war, so erhielt er auch das Schloß nicht zum Geschenk. Es wurde aber später, das Jahr ist nicht bekannt, von Mainz, dem es sehr bequem lag, angekauft und zum Eichsfelde geschlagen. Zu den dafür zu zahlenden Kaufgeldern hat Heiligenstadt auch Einiges zugeschossen, denn in einer alten Handschrift finden sich die Worte: „Da unser Herr und das Capittel kauften den Stein 200 Mark.“
Da diese Ausgabe unmittelbar vor derjenigen, die man auf Gieboldehausen verwendet hat, aufgeführt steht; so ist es sehr wahrscheinlich, daß der Stein auch früher, als jene Oerter gekauft worden ist. Zuverlässige Nachrichten⁵) versichern uns wenigstens, daß in den ersten Regierungsjahren des Churfürsten Heinrich III. das Schloß Stein an Mainz gehörte.
Am 10. Juni 1339 verspricht Heinrich von Hanstein, aus dem von dem Erzbischofe Heinrich ihm und seinen Neffen Johann von Hanstein verpfändeten Hause Stein Niemanden zu beschädigen. Zufolge eines andern Documents aus dem Jahre 1341 war die Burg Stein den Brüdern Johann und Heinrich und ihren Vettern Heinrich und Burchard von Hanstein verpfändet. Von diesen haben später Beringer von Schonrestete⁶), und sein Bruder ein Viertel und Reinhard Keudel, Hermann von Ereshausen, Apel von Proysen von Wanfried und Steben von Tastungen das andere Viertel unterpfändlich erhalten, von denen Berthold von Worbis und Johann von Wintzingerode die Hälfte des Schlosses Stein auf solche Weise einlöseten, wie sie es mit dem Propste Kuno von Falkenstein, als damaligem Vormunde des Erzstifts, den zweiten Januar 1351 beschlossen hatten⁷). Auch das Domcapitel hatte im Jahre 1355 noch achtzig Mark daran zu fordern, welche Summe Churfürst Gerlach demselben wieder zu zahlen versprach.
Im Jahre 1358 ward ein eigenes Register über alle zum Stein gehörigen Güter gemacht und es waren dieselben damals folgende:
Bartloff, Bartolff, ein Dorf, in welchem im Jahre 1420 Apel und Hildebrand zwei freie Höfe und anderthalb Hufen besaßen. Um das Jahr 1472 überfielen es Hermann und Georg von Rietesel und raubten und brannten daselbst;⁸)
Diedorf, ein sehr alter Ort, in welchem schon im J. 874 Ludwig der Deutsche dem Abte Siegfried zu Fuld den Zehnten bestätigt;⁹)
Döringsdorf, ein ehemals hessisches Dorf, welches durch die Heirath eines Fräuleins von Keudel an Asmus von Buttlar, und von diesem an den Landgrafen Philipp den Aeltern gegen andere Güter abgetreten und dem Amte Wanfried einverleibt wurde. Am 8. September 1583 vertauschten die Landgrafen von Hessen dieses Dorf mit Mannschaften, Renten, Zinsen, Gehölz und aller Ober= und Gerechtigkeit an den Churfürsten Wolfgang erblich und ewiglich und es wurde zu dem Amte Bischoffstein geschlagen;
Ershausen, wo vor Alters ein adeliches Geschlecht „von Ershausen“ wohnte. Im Jahre 1293 kommt Otto von Ershausen vor;¹⁰)
Faulungen, ein erst in späterer Zeit entstandenes Dorf;
Friede, welches im Jahre 973 Kaiser Otto II. seiner Gemahlin Theophania schenkte. Es ist 1583 an Hessen gekommen.¹¹)
Geismar, in welchem Annrode das Patronatrecht durch Tausch erwarb und auch 1357 vom Erzbischofe Gerlach die Pfarrkirche erhielt.
Haynrode, wurde am 10. Juli 1363 vom Churfürsten an die Brüder Bruno und Wilhelm Judemann verpfändet, auf welche Weise es auch die von Ebeleben und Caspar von Berlepsch inne gehabt haben, bis Churfürst Daniel dasselbe 1573 einlösete und ans Haus Bischoffstein zog.¹²)
Hildebrandshausen, ein bis den 9. Juni 1792 Keudel’sches Gerichtsdorf, welches nach dem Tode des letzten Besitzers Walrab von Keudel schon am 13. Juni von Mainz in Besitz genommen wurde;
Katharinenberg, ein noch im Jahre 1712 berühmter Wallfahrtsort;¹³)
Keudelstein, ein am Fuße der Keudlerskuppe gelegenes Rittergut, welches jetzt dem Herrn von L’Estocq gehört. Früher war es der Sitz einer bekannten adeligen Familie „von Keudel.“ „Sie hatte zum Wappen einen weißen Schild, in der Mitte durch einen grünen Balken quer getheilt; über dem Balken auf jeder Seite drei schwarze wilde Schweinszähne, deren Spitzen gegen einander stehen, auf dem Helm einen schwarzen Hut mit einem weißen Stulp und zwei weißen wilden Schweinsohren, desgleichen eine schwarze und weiße Helmdecke. Der Erste, von dem sich etwas findet, ist Buttler, der unter Kaiser Rudolf I., Grafen von Habsburg und Anfänger des hochlöblichen Hauses Oestreich florirt. Seine zwei Söhne: Berld und Reinhard, erhielten vom Erzstifte Mainz Lehengüter. Einer ihrer Nachkommen ließ in der Wüstung Kubstedt zu seinem Sitz ein Haus aufrichten und es Keudelstein nennen.“¹⁴) Der Letzte dieses Geschlechts, Walrab von Keudel, starb am 9. Juni 1792 und Mainz nahm, wie schon erzählt, schon am 13. Juni von den von Keudel’schen Lehen Besitz;
Krambach;
Lena;
Miserode;
Lengefeld, von welchem Orte sich ein adeliges Geschlecht nannte;¹⁵)
Wildebech, soll das jetzige Dorf Wilbich sein;
Töpfer, ein von Hanstein’sches Gerichtsdorf;
Hessel, ein Gut derer von Eschwege.
Zu den zum Bischoffstein gehörigen Gütern gehörten ferner die Wüstungen: Friede, Gözenrode¹⁶) Keßlingerode,¹⁷) Kubsdorf,¹⁸) Lutterhausen oder Luttereckshausen,¹⁹) Rudolfshausen, Rumerode,²⁰) Sindelbach; Stadt zum Stein²¹) Mitten=Wyldebeche und Wintersdorf²²)
Unter den übrigen Besitzungen ist auch von einer Glashütte, welche bei Großbartloff gelegen hat, und von Weinbergen in der Nähe des Schlosses, die Rede.
Im J. 1364 war Heinrich von Dingelstede Burgmann auf dem Schlosse Stein, 1381 Eckhard, Heinrich, Herdein und Apel, Gebrüder, genannt die Proysen, Otto von Erershausen und Apel Keydel, später Ulrich von Reffe, die von Volkerode, von Herstall, von Hanstein und endlich die von Bültzingslöwen.²³)
1381 bekam Siegfried von Bültzingslöwen die Hälfte des Amtes Stein von dem Churfürsten Gerlach zum Unterpfande für ein gewisses Darlehn, welches Churfürst Daniel erst 1573 wieder zurückbezahlte. Während der Pfandschaft fielen allerlei Irrungen mit den Landgrafen von Hessen wegen einiger Bischoffstein’scher Dörfer vor, zu deren Beilegung 1549 zu Speier ein Vergleich vorgeschlagen wurde. Eine allgemeine Grenzberichtigung kam aber erst im Jahre 1583 zu Stande.
Bis 1426 wird das Schloß nie anders, als „der Stein“ genannt, in dem genannten Jahre aber wurde Graf Wilhelm von Nassau in Beilstein, Dompropst in Mainz, von dem Churfürsten Conrad zum Oberamtmann über Heiligenstadt, Duderstadt, Gieboldehausen und zum Stein erwählt und seit dieser Zeit fing man an, die Burg Stein „Bischoffstein“ zu nennen.
1460 ist Siegfried von Bültzingslöwen Burgmann auf dem Bischoffsteine, und der Erzbischof verschreibt ihm hundert Gulden zum Verbauen.²⁴)
Es war zwar ein Brunnen auf dem Schlosse, allein derselbe war der Sage nach so tief, daß das Wasser eher aus dem Thale geholt, als aus dem Brunnen heraufgewunden werden konnte. Es wurden daher beständig mehrere Esel gehalten, welche den nöthigen Wasserbedarf auf die Höhe führen mußten. — In einer alten Rechnung steht: die Zahl der Esel sei geringer, weil der Wolf einen derselben erwürgt habe.
Im dreißigjährigen Kriege mußte das Amt Bischoffstein ganz entsetzlich leiden und der damalige Amtmann Jodoci führt über die fortwährenden Drangsale bittere Klage. Nachdem das Schloß zerstört worden war, brach man die noch stehen gebliebenen Mauern ab und verwandte die Steine zum Aufbau des schon erwähnten jetzt Herrn Müller gehörigen Schlosses Bischoffstein, welches zwar am Fuße des Burgsberges, aber noch immer hoch über dem Dorfe Lengefeld liegt.
Ueber die Zerstörung des Schlosses findet sich im Munde des Volkes eine sehr ansprechende Sage, welche zwar sehr verschiedenartig, jedoch in der Hauptsache übereinstimmend erzählt wird.
Der König von England²⁵) kam von einem einzigen Diener begleitet auf das Eichsfeld. Auf der Reise über dasselbe von der Nacht überrascht gelangte er endlich in das Dorf Flinsberg und da es in demselben an einem Wirthshause mangelte, kehrte er bei dem Küster ein, der gerade das Tauffest seines Kindes feierte und, obgleich es schon spät war, noch mit mehreren seiner Gäste beim Becher saß. Der gastfreie Küster lud den König freundlich ein, sich an der Tafel niederzulassen und dieser ließ sich auch nicht lange bitten und fühlte sich in dem fröhlichen Kreise bald behaglich.
Unter den Gästen befand sich aber auch der Vogt vom Bischoffsteine, ein böser, geldgieriger Mann, der gar bald bemerkte, daß der Fremde viel Gold und Edelsteine bei sich führe, wodurch seine Habsucht rege wurde. Er erkundigte sich daher im Laufe des Gesprächs nach der Zeit, zu welcher der König aufzubrechen und nach der Richtung, welche er einzuschlagen gedenke, legte sich am andern Morgen zur bezeichneten Stunde mit einigen seiner Leute bei Ascherode wohlvermummt in einen Hinterhalt, stürzte, als der Erwartete endlich herankam, aus seinem Versteck hervor und tödtete ihn.
Der Diener, welcher an der Seite seines Herrn tapfer gefochten hatte, wandte, als er denselben stürzen sah, eiligst das Roß und floh von dannen. Der Ritter und seine Knappen verfolgten den Flüchtigen zwar eine Weile, ließen aber bald ab, da die Habsucht sie antrieb, die erbeuteten Schätze näher zu betrachten. Sie plünderten den Leichnam aus, warfen ihn in einen Brunnen und zogen laut jubelnd nach dem Bischoffsteine.
Die Gattin des Gemordeten, als sie den Tod des geliebten Mannes erfuhr, weinte und klagte zwar anfänglich sehr, aber bald drängte der Gedanke, ihren Gatten zu rächen, alle anderen Gefühle in den Hintergrund. Sie sammelte ihre Getreuen um sich, fuhr über das Meer und gelangte, von dem Diener geführt, endlich auf das Eichsfeld.
Erich — so hieß der Diener — wußte zwar ungefähr, aber nicht ganz genau mehr die Stelle zu finden, wo sein Herr ermordet worden war, ja, er konnte sich nicht einmal auf den Namen des Ortes besinnen, bei welchem die Unthat statt gefunden hatte, nur so viel war ihm noch erinnerlich, daß er sich auf: „rode“ geendet hatte.
Auf diese Angabe hin zerstörte das „Fräubchen“²⁶) von England“ — so nennt das Volk noch heute die liebende, muthige Gattinn — alle Dörfer der Gegend, welche sich auf „rode“ endigten, vor Allen aber Ascherode und Rodderode, welches letztere seit jener Zeit wüst liegen geblieben ist. Endlich erfuhr sie jedoch, wer der eigentliche Mörder gewesen sei und rückte nun augenblicklich vor die Veste Bischoffstein.
Der Bischoffsteiner lachte aber nur des Fräubchens von England und aller seiner Anstrengungen, die Burg zu erobern, wunderte sich aber doch endlich über die Kühnheit der jungen Frau, die sich sehr häufig bis dicht unter die Mauern des Schlosses wagte; man hinterbrachte ihm jedoch, daß der silberne Schuppenpanzer, den die Heldin trage, gefeit sei, und nun lud er eine ebenfalls gefeite Kugel, welche von Silber und nicht viel größer als eine Erbse war, in sein Geschoß, zielte damit auf seine Gegnerin und durchbohrte ihr das Herz, daß sie lautlos zu Boden sank. Da gab es unter ihren Dienern und Kriegern viel Jammerns und Weinens und sie sammelten sich um den theuern Leichnam und bestatteten ihn mit großen Ehren zur Erde und setzten einen Denkstein auf die Gruft, der noch heute zu sehen ist und die „Frauenruh“ genannt wird; — dann aber stürmten sie in wilder Wuth die schwindelnde Höhe zur Burg hinan, eroberten dieselbe, hieben Alles nieder, was sich widersetzte und stürzten die Mauern um.
Diese Sage, theils mit mehr, theils mit weniger Abänderungen, weiß in der Nähe des Bischoffstein’s jedes Kind zu erzählen und ein alter Mann, den ich auf der Höhe des Bischofsteines traf, wußte sogar ein altes Volkslied, welches die Begebenheit besingt, und das, so gut er es mir mitzutheilen vermochte, folgendermaßen lautet:²⁷)
Dort, wo vom Berg die Linde
Blickt in das Thal hinein,
Da stand in alten Zeiten
Die Veste Bischoffstein.
Drin’ haus’te wohl ein Ritter,
Der war gar wild und graus,
Der zog wie Ungewitter
Hinab zu manchem Strauß.
Einst kam aus weiter Ferne
Ein ritterlicher Held,
Es zogen ihm zwei Sterne
Geleitend mit ins Feld.
Das waren die Augen, die blauen,
Von seinem Lieb gar schön,
Die mit durch Wald und Auen
Und Thäler wollten geh’n.
Sie kam aus großer Weite
Wohl her, aus Engeland,
Sie war mit viel Geleite
Gestiegen an den Strand.
Es ritt mit ihm zum Streite’
Sein Lieb aus Engeland,
Die Lieb an seine Seite
Sie hatte fest gebannt.
Ja wohl, aus fernem Lande
War sie gezogen her,
Weil’s Scheiden ihr vom Liebsten
Gedünket gar zu schwer!
Sie wollte mit ihm theilen
All Freud’ und alle Noth
Sie wollte mit ihm eilen
Selbst in den bittern Tod.
Im wilden Kriegetanze
Da hatt’ sie ihn verloren,
Hoch schwang sie ihre Lanze
Dem Rosse um die Ohren.
Das jagte auf dem Schlachtfeld
Wie Sturmwind hin und her,
Doch ach! den Allerliebsten
Ersah sie nimmermehr!
„Wo bist du wohl geblieben,
Du trauter Gatte mein?
Wer hat dich fort gerissen
Von meinem Herzelein?
Es füll’n mit bittrer Laugen
— O Gott, ich weine schier, —
Sich meine blauen Augen
Daß ich allein bin hier.
O Erich, treuer Diener,
Wo ist der Feldherr Dein,
Den ich so liebe hatte?
Schon blinkt der Mondenschein
Herab hier auf die Todten,
Die all erschlagen sind;
O sende fort mir Boten
O Erich! eil’ geschwind!“
Der stieg wohl auf den Schimmel
Und ritt gar schnell davon,
Es blinkten von dem Himmel
Die goldnen Sternlein schon.
„Will hin nach Flinsberg reiten,
Sollt’ da Gevatter stehn;
Ich hörte heut’ das Läuten,
Nach Flinsberg will ich gehn!“
Zu Flinsberg in der Tiefe,
Da liegt des Küsters Haus,
Zu Flinsberg in der Tiefe,
Klopft er den Küster ’raus.
„Herr Küster! aus dem Bette!
Wo ist der Feldherr mein?
Ich komme noch gar späte,
Und dacht’ s’ würd’ Taufe sein!“
Der Küster von dem Bette
Sich hebt gar schnell empor,
„Das Klopfen schlägt so späte
Zur Nachtzeit an mein Ohr.
Was klopfest du, mein Lieber?
Konnt’ ich dich recht verstehn?
Die Taufe ist vorüber,
Mußt’ selbst Gevatter stehn!
Als in der Morgenfrühe
Ich wollt’ zur Mette läuten,
Sah ich den Bischoffsteiner
Hohnlachend fürbaß reiten;
Inmitten seiner Leute
Sah’ ich den Rittersmann,
Den man als gute Beute
Zum Steine bracht’ hinan!
Der Bischoffsteiner bitter,
Wandt’ sich nach ihm herum:
„Mein lieber, fremder Ritter,
Ihr seid ja gar zu stumm?
Dort auf dem Bischoffsteine,
Da sitzt ihr hoch und fest,
Man sagt vom Bischoffsteine
Es sei ein Teufelsnest!“
Noch rief der Bischoffsteiner:
„Du wirst es mir gestehn,
Entrinnen kann dort Keiner.
Hast du die Burg gesehn?
Da kannst du hübsch umschauen
Dich in der Gegend rund,
Vielleicht nach deiner Frauen,
Nach ihrem rothen Mund!“
Da knirschte mit den Zähnen
Da knirschte mit den Zähnen
Der blut’ge fremde Herr,
Im Auge perlten Thränen,
Er dauerte mich sehr.
Daß ich ihn nicht konnt retten
Drob ward das Herz mir schwer,
Ich läutete zur Metten
Und sah’ ihn dann nicht mehr!“
Da drehte wohl den Schimmel
Der Knappe, ritt davon,
Es blinkten von dem Himmel
Die goldnen Sternlein schon,
Er drückte in die Weichen
Dem Rosse seine Spor’n,
Die Herrinn zu erreichen;
Sein Herz war voller Zorn!
„O Herrinn, böse Kunde
Muß ich Euch überbringen,
Der Feldherr liegt zur Stunde
Dort auf dem Stein in Schlingen.
O laßt doch Euer Grämen
Ihr liebste Herrin mein,
Ihr gleicht ja einem Schemen.
O, laßt Eu’r Trauern sein!“
„Ich will ihn schon erretten
Den trauten Gatten mein,
Und läge er in Ketten,
Ich will zum Bischoffstein.
Und Euch soll’s nicht gereuen,
Was Ihr nur findet drin,
Das soll Eu’r eigen sein,
Auf, nach dem Steine hin!“
„Mein Panzer, der ist feste,
Mein Panzer ist gefeilt;
Es wird noch heut der Veste
Mit Krieg von mir gedräut.
Den Schimpf will ich schon rächen,
Ich schwör’s bei meinen Ahnen,
Die Mauern woll’n wir brechen,
Auf, folget meinen Fahnen!“
Da kamen von dem Steine
Vier Männer hergeschritten
Im frühen Dämmerscheine
Was tragend in der Mitten.
„Du schöne Frau aus Engeland,
Laß Du Dein Trauern sein,
Wir bringen Dir ein theures Pfand
Hier von dem Bischoffstein!“
„Was könntet Ihr wohl tragen
Herab vom Bischoffstein,
Was mir in diesen Tagen
Erfreulich könnte sein?
Ihr finstern, schwarzen Boten,
Das hätt’ ich nicht geglaubt,
Mein Mann ist bei den Todten,
Ihr bringt mir nur sein Haupt!“
Da legten wohl die Boten
Hin auf die thau’gen Matten
Das blut’ge Haupt vom Todten,
Das sie getragen hatten.
Sie kniete wohl daneben
Und bückte sich gar tief,
Wollt küssen ihn in’s Leben,
Doch der gar feste schlief!
Dann sprang sie von der Erde
Und rief nach ihrem Rosse,
Griff hastig nach dem Schwerte
Und sprach zu ihrem Trosse:
„Ich will zum Bischoffsteine hin,
Und Euch soll’s nicht gereun,
Denn Alles, was Ihr findet drin,
Soll ganz Euer eigen sein!“
Die Kugeln von dem Steine,
Die fielen kraftlos nieder
Vom Panzer, den ganz feine
Die Frau trug auf dem Mieder.
Ihr Panzer, der war feste,
Ihr Panzer war gefeilt,
Drum ritt die Allerbeste
So muthig in den Streit.
Da lud man auf dem Steine
Ein Küglein in’s Geschoß
Von Silber, nur ganz kleine,
Kaum eine Erbse groß.
Die schossen sie vom Steine
Mit vielem wilden Spott
Der schönen Frau in’s Herze,
Und da war große Noth! —
Sie fiel vom Rosse nieder
Dem Erich in die Arme,
Es bebten ihre Glieder,
„O, daß sich Gott erbarme!“
So klagte der Getreue
Und rang und wand die Hände
Und klagte dann auf’s Neue,
Daß es mit ihr zu Ende.
„O Herrinn, liebe Herrinn!
Ihr müßt vom Leben lassen,
So weit von Eurer Heimath
Im fernen Land erblassen!
Ach, soll ich euern Lieben
Euch nicht zurücke bringen,
So möge mich mit Euch hier
Die kühle Erd’ verschlingen!“
Sie schnitt sich eine Locken
Wohl ab so blond und schöne,
Dem Aug’, zuvor so trocken,
Entfiel gar manche Thräne:
„O Erich! Du sollst geben
Dies Pfand den Aeltern mein,
Im Fall sie noch am Leben
Und nicht entschlafen sein.“
„Gleichviel, ob mir mein Hügel
Dereinstens wird bemoosen,
Ob Liljen ihn umblühen,
Blutnelken oder Rosen;
Schon glücklich, daß ich liege
Nicht weit von meinem Gatten,
Wir, die wir ew’ge Treue
Uns einst geschworen hatten!“
„Ich habe ihm die Treue
Gar trefflich wohl bewahrt,
Ich spüre keine Reue,
Daß meine Seele fährt
So bald ihm nach, dem Lieben,
In kühler Erde Schoß,
Ich bin ihm treu geblieben,
Und werd’ den Kummer los!“
Da hat sie denn geschlossen
Die blauen Aeugelein,
Erblichen sind die Rosen
Auf ihren Wängelein;
Da hat sie denn gestrecket
Die Glieder zart und fein,
Und Erde sie gedrecket
Bepflanzt mit Rosmarein.
Und sinkt der Abend nieder,
So sitzen in dem Thale
Mit blendendem Gefieder
Bei ihrem Todtenmahle
Zwei Tauben auf der Stätte,
Wo sie begraben liegt,
Da, wo das letzte Bette
Die Treue hat gekriegt.
Die Sag’, wie sie hier stehet,
Ist in des Volkes Munde,
Den moos’gen Stein ihr sehet
Dort in des Thales Grunde;
Die Tauben in dem Dämmerlicht,
Dort, wo die Bäume stehen,
Die sind ja auch kein Traumgesicht,
Ich hab’ sie selbst gesehen!
Carl Duval
(Quelle: „Das Eichsfeld oder historisch-romantische Beschreibung aller Städte, Burgen, Schlösser, Klöster, Dörfer und sonstiger beachtungswerther Punkte des Eichsfeldes.“, Sondershausen: Eupel, 1845, S. 357 – 377)
Fußnoten
¹) Dieser schöne Baum ist auf der beigegebenen Ansicht des Schlosses Bischoffstein von dem Lithographen ganz falsch wiedergegeben, da der gerade, kräftige Baum, welcher die Burgstätte ziert, als ein schwaches, schiefgebogenes Bäumchen dargestellt ist.
²) In lateinischen Urkunden wird das Schloß stets Lapis genannt und die Ritter werden unter dem Namen de lapide aufgeführt.
³) Galetti’s Geschichte u. Beschreibung des Herzogthum’s Gotha I., 57.
⁴) Burg Stein beim Nonnenkloster Zelle gelegen.
⁵) Schunk’s Beiträge zur Mainzischen Geschichte.
⁶) Schönstedt.
⁷) Wir Cone von valkenstein Dumprobest und vurmund des Stieftes zu Menze bekennen uffeliche an diesem briefe, daz wir mit wizzen und willen des Erwerdegen in Gotde vaters vnd Herren vnsers Herren Herrn Heynriches Erzebischofs zu Menze vbertragen vnd geret han mit den strengen Rittern Herrn Bertolde von wurbez, vnd Hrn Johanne von winzegerode daz sie daz halbe teyl des huses zu deme Steyne mit allem dem, daz dazu gehoret, irsucht vnd vnirsucht losen sollen vnd mogen von vnser wegen by namen ehn vierteyl von Beregger von Schonrestete vnd sinen brudern, vnd daz ander vierteil von Repnharte keudel Hermann von Erischusen Rittern oder von proyssen von wernfriede und Steben von Tastungen, vnb vf daz halbe teyl des huses vnd daz darzu gehoret slahen wir deme vorgen. von wurbez vnd von winzegerode vnd irn Erben zweyhundert mark lodeges Silbers zu deme gelde, daz daz selbe teyl vor phandes stunt vnd sie ez losent vnd in ir hant brenget, So sollen sie daz Hus bewaren mit wachene vnd guter Hude als man vesten bilche bewaren soll. Auch sollent sie die Lude, die in den gerichten sizent, sie sint geistlich oder werntlich, getruweliche schuzen vnd schirmen als wie sie mogen vnd by allen Eren vnd fryheyden lazen, als sie biz her kummen sint ane argelist. Den walt vnd daz holz, daz zu deme Hus horet, sollent sie nit verkaufen vnd sollent yn getruweliche hegen, vnd nit mer hauwen, den sie zu noit durfen. Auch soll daz hus vnserm Herren Herrn Heinrich Erzebisch. zu Menze vns als lange biz wir enthaben werden, oder wer den Stieft dar nach zu zyden inne hait vffen hus sin zu allen vnsern noiden sie sin geistlich oder werntlich. Auch sollen sie oder ir Erben keinen nuwen kryg nit von deme hus machen, dan welde hn oder iren Erben ymant vnrecht thun, dez sollent sie oder ir Erben vnsern vohgden zu Rusteberg verkunden vnd sollent yn rechtos helfen ob sie mogent by zween Manden darnach mohten sie des nit getun. So mohten die vorgenannten von wurbez vnd von winzigerode ir Erben sich von deme hus des nu rechten wern vnd behelfen glicher wys als von irn Eygen Slozzen. Auch mag vnser vorgenannte Herre wir als lange biz wir enthaben werden, oder wer den Stieft inne hait, das halbe teyl des huses vnd gutes losen wanne wir oder sie wollen vor daz geld, da sie es vor geloset haben, vnd auch vur die zwey hundert mark, die yn igund vfgeschlagen sint an diesem briefe, vnd die Losunge sal man den von wurbezze vnd von winzegerode vnd irn Erben einen Mand vorsagen. Ez ist auch geret, dorften die vorgenannten von wurbez, von winzegerode oder ir Erben irs geldes daz mogent sie suchen vnd soliche Lute yn dan daz hus setzen, damiede der Stieft bewaret sy die des Stieftes man oder Burgmann sin vnd sollen vur diesen als lange biz daz sie die gelobde vnd eyde getun vnd briefe geben als die vorgenannten von wurbezze vnd von winzegerode vorgeben vnd getan hant. Auch sollen die vorgenannten von wurbez vnd von winzegerode vnd ir Erben wanne sie den vorgenannten teyl gelosent als vorgeschrieben steht vnserm Herren Herrn Heinrich Erzebischofen zu Menze vns als lange biz wir enthaben werden oder der der den Stieft zu zeyden darnach inne hette von desselben vnsers Herren vnser oder der Dumherren zu Menze wegen die an des selben vnsers Herren vnd vnser Parthe verbliben sin vnd verlibent deme selben teyle mit truwen Eyden vnd zu der Losung des selben teyles gehorsam sin vnd warten vnd nieman Anders. Auch sollen sie mit demeselben vnserm teyle Sune fryde vnd alle verbundnusse halben weme der vorgennante vnser Herre wir als lange biz wir enthaben werden oder wer den Stieft darnach inne hatte verbunden wir als die gemachet vnd geschrieben sint. Doch also daz man yn rechtes sol helfen wo sie mit ymanne zu schaffen hetten vnd wo des yn nit geholfen wurde, so mogen sie sich des verechten wern vnd behelfen vz vnd in deme vorgenannten teyl zu irn noiden vnd willen als daz vorgeschrieben steht. Auch sal man wizzen daz diese vorgeschrieben zweyhundert mark die wir yn vfgezlagen han vf daz halbe teyl des huses zu deme Steine daz sie losen sollent wan sie geloset hant abegeslagen sint an Seshundert vnd Nunwndzwenzig marken Silbers, die man yn Scholdig ist von des Stieftes wegen vber ander schold die yn vf Sloz vnd phand geslagen sint als die brief haldent die sie von deme vorgenannten vnserm Herren, vnd den wir innen han vfgescheyde, Argelist vnd geverde, vnd des zu verkund is vnser Ingesiegel an diesem brief zu vnsers vorgenannten Herren Ingesiegel an diesen brief gehangen vnd wir Heinrich von Gots gnaden des heyligen Stules zu Menze Erzebischof, des heyligen Romischen Riches in dutschen landen Erzecanzeler bekennen daz alle diese vorgeschr. stucke mit unserm wizzen willen vnd verhengnusse gescheen sint vnd han des des zu vrkunde vnser Ingesiegel zu des vorgennannten Conen von valkenstein vnsers vurmunds Ingesiegel an diesen brief gehangen. Auch ist der funf vurmunder gemeine vurmundschaft Ingesiegel zu eine gezugnisse an dissen brief gehangen. Der geben ist zu Ameneburg des Andres tages nach dem Jarstage. Da man zahlt nach Cristus geburte Druzehenhundert vnd ein vnd funfzig Jar vnd wir Bertold von Wurbiz vor Johan von winzegerode Ritter bekennen offenliche an diesem briefe daz wir alle die vorgeschrieben stucke vnd Artikel stede vnd veste halden sollen vnd globen vnd swern daz zu den Heyligen an diesem briefe in aller der maz als davor in vnsers Herren brief geschrieben stet vzgescheide allerleye Argelist vnd geworde vnd haben des vnser Ingesiegele zu mehr vestikeit vnd zu verkunde vur uns und vnser Erben gehangen an diesem brief. Der geben ist des Jars vnd tages als davor in vnsers Herren briefe geschrieben stet.“ —
⁸) Eben damals thaten Hermann und Georg Rietesel, Gebrüdere, des Landgrafthum’s Hessen Erb=Marschalke, in Graff Heinrich Amtsgebiethe einen feindlichen Einfall, und thaten darinnen, sonderlich in den Dörffern Barttorf und Langefeld mit Rauben und Brennen mercklichen Schaden, dessen beklagte sich Graff Heinrich gegen den Hessischen Amtleuten und Befehlighabern als Lipsen von Hunoldshausen, Reinhardten von Boymelburg und Wernern von Elben ganz eiferig, mit Bericht, daß er sich eines solchen zu berührten Rieteseln nicht versehen uc. cf. Pauli Jovii Chron. Schwarzb. p. 590.
⁹) Thisdorf, Ditdorf, cf. Schannat: Buchonia vetus p. 402.
¹⁰) Ereshusen. cf. Grashof orig, Mühlhus. p. 183.
¹¹) Frioda. cf. Harenb. Histor. diplom. Gandersheim p. 621.
¹²) Heygenrod. cf. Gud. cod. diplom. T. III. N. CCCXI.
¹³) Katherberg, mons Sanctae Catharinae. Wahrscheinlich ist es das von Schannat (Buchonia vetus p. 402.) erwähnte Dorf Katonbure, welches in dieser Gegend gelegen haben muß.
¹⁴) Theodor von Steinmezen: Ankunft und Fortsetzung uc.
¹⁷) Hat zwischen Hildebrandshausen und Wendehausen gelegen nicht weit von dem sogenannten faulen Loche. Der Platz, wo der Kirchhof war, ist noch ganz genau zu erkennen.
¹⁸) War schon vor dem 3. 1552 eine Wüstung.
¹⁹) Von dieser Ortschaft hat der Luttergrund bei Groß=Bartloff noch heute seinen Namen. Die von Volkerode besaßen in der Wüstung zu Lutterhausen drei Hufen Land und eine Mühlstätte uc., als ein Burglehen zum Stein.
²⁰) Ein Hof des deutschen Ordens. Anno 1295 in die trium regum Albertus, Landgravius Thuringae dono illis (fratribus ord. Teut.) dabat villam Rumroda cum omnibus pertinentiis. cf. Grashof: Orig. Muhlh. p. 55. Am 28. August 1562 ist wegen der Wüstung Rumerode, der Pfaffenföpfe und des Rosenhains zwischen Mainz und Sachsen ein Vergleich geschlossen worden.
²¹) Eine noch im J. 1420 stehende kleine Stadt, welche durch einen Felsen von dem alten Schlosse Stein getrennt und auf den übrigen Seiten mit Mauern und Gräben umgeben war. Der gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts lebende churfürstliche Amtmann, Regierungsrath Holzborn, entdeckte die Rudera der Kirche welche er aus dem Schutte graben ließ. Es wurde hier ein Markt gehalten.
²²) Ueber Hildebrandshausen gelegen.
²³) Die im letzten Absatz genannten Personennamen beziehen sich im Originaltext auf die Burgmannen des Schlosses Stein ab dem Jahr 1364.
²⁴) Pauli Jovii Chron. Schwarzb. p. 590.
²⁵) Nach der Erzählung Anderer war der Engländer nur ein Feldherr.
²⁶) Fräubchen = Frauchen.
²⁷) Herr Schullehrer Siebert zu Wilbich, dem ein schönes poetisches Talent innewohnt, hat diese Sage ebenfalls dichterisch bearbeitet und sie einst unter der alten Burglinde in einem befreundeten Kreise mit vielem Beifall vorgetragen.
Fußnoten
¹) Dieser schöne Baum ist auf der beigegebenen Ansicht des Schlosses Bischoffstein von dem Lithographen ganz falsch wiedergegeben, da der gerade, kräftige Baum, welcher die Burgstätte ziert, als ein schwaches, schiefgebogenes Bäumchen dargestellt ist.
²) In lateinischen Urkunden wird das Schloß stets Lapis genannt und die Ritter werden unter dem Namen de lapide aufgeführt.
³) Galetti’s Geschichte u. Beschreibung des Herzogthum’s Gotha I., 57.
⁴) Burg Stein beim Nonnenkloster Zelle gelegen.
⁵) Schunk’s Beiträge zur Mainzischen Geschichte.
⁶) Schönstedt.
⁷) Wir Cone von valkenstein Dumprobest und vurmund des Stieftes zu Menze bekennen uffeliche an diesem briefe, daz wir mit wizzen und willen des Erwerdegen in Gotde vaters vnd Herren vnsers Herren Herrn Heynriches Erzebischofs zu Menze vbertragen vnd geret han mit den strengen Rittern Herrn Bertolde von wurbez, vnd Hrn Johanne von winzegerode daz sie daz halbe teyl des huses zu deme Steyne mit allem dem, daz dazu gehoret, irsucht vnd vnirsucht losen sollen vnd mogen von vnser wegen by namen ehn vierteyl von Beregger von Schonrestete vnd sinen brudern, vnd daz ander vierteil von Repnharte keudel Hermann von Erischusen Rittern oder von proyssen von wernfriede und Steben von Tastungen, vnb vf daz halbe teyl des huses vnd daz darzu gehoret slahen wir deme vorgen. von wurbez vnd von winzegerode vnd irn Erben zweyhundert mark lodeges Silbers zu deme gelde, daz daz selbe teyl vor phandes stunt vnd sie ez losent vnd in ir hant brenget, So sollen sie daz Hus bewaren mit wachene vnd guter Hude als man vesten bilche bewaren soll. Auch sollent sie die Lude, die in den gerichten sizent, sie sint geistlich oder werntlich, getruweliche schuzen vnd schirmen als wie sie mogen vnd by allen Eren vnd fryheyden lazen, als sie biz her kummen sint ane argelist. Den walt vnd daz holz, daz zu deme Hus horet, sollent sie nit verkaufen vnd sollent yn getruweliche hegen, vnd nit mer hauwen, den sie zu noit durfen. Auch soll daz hus vnserm Herren Herrn Heinrich Erzebisch. zu Menze vns als lange biz wir enthaben werden, oder wer den Stieft dar nach zu zyden inne hait vffen hus sin zu allen vnsern noiden sie sin geistlich oder werntlich. Auch sollen sie oder ir Erben keinen nuwen kryg nit von deme hus machen, dan welde hn oder iren Erben ymant vnrecht thun, dez sollent sie oder ir Erben vnsern vohgden zu Rusteberg verkunden vnd sollent yn rechtos helfen ob sie mogent by zween Manden darnach mohten sie des nit getun. So mohten die vorgenannten von wurbez vnd von winzigerode ir Erben sich von deme hus des nu rechten wern vnd behelfen glicher wys als von irn Eygen Slozzen. Auch mag vnser vorgenannte Herre wir als lange biz wir enthaben werden, oder wer den Stieft inne hait, das halbe teyl des huses vnd gutes losen wanne wir oder sie wollen vor daz geld, da sie es vor geloset haben, vnd auch vur die zwey hundert mark, die yn igund vfgeschlagen sint an diesem briefe, vnd die Losunge sal man den von wurbezze vnd von winzegerode vnd irn Erben einen Mand vorsagen. Ez ist auch geret, dorften die vorgenannten von wurbez, von winzegerode oder ir Erben irs geldes daz mogent sie suchen vnd soliche Lute yn dan daz hus setzen, damiede der Stieft bewaret sy die des Stieftes man oder Burgmann sin vnd sollen vur diesen als lange biz daz sie die gelobde vnd eyde getun vnd briefe geben als die vorgenannten von wurbezze vnd von winzegerode vorgeben vnd getan hant. Auch sollen die vorgenannten von wurbez vnd von winzegerode vnd ir Erben wanne sie den vorgenannten teyl gelosent als vorgeschrieben steht vnserm Herren Herrn Heinrich Erzebischofen zu Menze vns als lange biz wir enthaben werden oder der der den Stieft zu zeyden darnach inne hette von desselben vnsers Herren vnser oder der Dumherren zu Menze wegen die an des selben vnsers Herren vnd vnser Parthe verbliben sin vnd verlibent deme selben teyle mit truwen Eyden vnd zu der Losung des selben teyles gehorsam sin vnd warten vnd nieman Anders. Auch sollen sie mit demeselben vnserm teyle Sune fryde vnd alle verbundnusse halben weme der vorgennante vnser Herre wir als lange biz wir enthaben werden oder wer den Stieft darnach inne hatte verbunden wir als die gemachet vnd geschrieben sint. Doch also daz man yn rechtes sol helfen wo sie mit ymanne zu schaffen hetten vnd wo des yn nit geholfen wurde, so mogen sie sich des verechten wern vnd behelfen vz vnd in deme vorgenannten teyl zu irn noiden vnd willen als daz vorgeschrieben steht. Auch sal man wizzen daz diese vorgeschrieben zweyhundert mark die wir yn vfgezlagen han vf daz halbe teyl des huses zu deme Steine daz sie losen sollent wan sie geloset hant abegeslagen sint an Seshundert vnd Nunwndzwenzig marken Silbers, die man yn Scholdig ist von des Stieftes wegen vber ander schold die yn vf Sloz vnd phand geslagen sint als die brief haldent die sie von deme vorgenannten vnserm Herren, vnd den wir innen han vfgescheyde, Argelist vnd geverde, vnd des zu verkund is vnser Ingesiegel an diesem brief zu vnsers vorgenannten Herren Ingesiegel an diesen brief gehangen vnd wir Heinrich von Gots gnaden des heyligen Stules zu Menze Erzebischof, des heyligen Romischen Riches in dutschen landen Erzecanzeler bekennen daz alle diese vorgeschr. stucke mit unserm wizzen willen vnd verhengnusse gescheen sint vnd han des des zu vrkunde vnser Ingesiegel zu des vorgennannten Conen von valkenstein vnsers vurmunds Ingesiegel an diesen brief gehangen. Auch ist der funf vurmunder gemeine vurmundschaft Ingesiegel zu eine gezugnisse an dissen brief gehangen. Der geben ist zu Ameneburg des Andres tages nach dem Jarstage. Da man zahlt nach Cristus geburte Druzehenhundert vnd ein vnd funfzig Jar vnd wir Bertold von Wurbiz vor Johan von winzegerode Ritter bekennen offenliche an diesem briefe daz wir alle die vorgeschrieben stucke vnd Artikel stede vnd veste halden sollen vnd globen vnd swern daz zu den Heyligen an diesem briefe in aller der maz als davor in vnsers Herren brief geschrieben stet vzgescheide allerleye Argelist vnd geworde vnd haben des vnser Ingesiegele zu mehr vestikeit vnd zu verkunde vur uns und vnser Erben gehangen an diesem brief. Der geben ist des Jars vnd tages als davor in vnsers Herren briefe geschrieben stet.“ —
⁸) Eben damals thaten Hermann und Georg Rietesel, Gebrüdere, des Landgrafthum’s Hessen Erb=Marschalke, in Graff Heinrich Amtsgebiethe einen feindlichen Einfall, und thaten darinnen, sonderlich in den Dörffern Barttorf und Langefeld mit Rauben und Brennen mercklichen Schaden, dessen beklagte sich Graff Heinrich gegen den Hessischen Amtleuten und Befehlighabern als Lipsen von Hunoldshausen, Reinhardten von Boymelburg und Wernern von Elben ganz eiferig, mit Bericht, daß er sich eines solchen zu berührten Rieteseln nicht versehen uc. cf. Pauli Jovii Chron. Schwarzb. p. 590.
⁹) Thisdorf, Ditdorf, cf. Schannat: Buchonia vetus p. 402.
¹⁰) Ereshusen. cf. Grashof orig, Mühlhus. p. 183.
¹¹) Frioda. cf. Harenb. Histor. diplom. Gandersheim p. 621.
¹²) Heygenrod. cf. Gud. cod. diplom. T. III. N. CCCXI.
¹³) Katherberg, mons Sanctae Catharinae. Wahrscheinlich ist es das von Schannat (Buchonia vetus p. 402.) erwähnte Dorf Katonbure, welches in dieser Gegend gelegen haben muß.
¹⁴) Theodor von Steinmezen: Ankunft und Fortsetzung uc.
¹⁵) Ein Hartung de Lengefeld kommt im J. 1280 vor.
¹⁶) Hat über Groß=Bartloff gelegen.
¹⁷) Hat zwischen Hildebrandshausen und Wendehausen gelegen nicht weit von dem sogenannten faulen Loche. Der Platz, wo der Kirchhof war, ist noch ganz genau zu erkennen.
¹⁸) War schon vor dem 3. 1552 eine Wüstung.
¹⁹) Von dieser Ortschaft hat der Luttergrund bei Groß=Bartloff noch heute seinen Namen. Die von Volkerode besaßen in der Wüstung zu Lutterhausen drei Hufen Land und eine Mühlstätte uc., als ein Burglehen zum Stein.
²⁰) Ein Hof des deutschen Ordens. Anno 1295 in die trium regum Albertus, Landgravius Thuringae dono illis (fratribus ord. Teut.) dabat villam Rumroda cum omnibus pertinentiis. cf. Grashof: Orig. Muhlh. p. 55. Am 28. August 1562 ist wegen der Wüstung Rumerode, der Pfaffenföpfe und des Rosenhains zwischen Mainz und Sachsen ein Vergleich geschlossen worden.
²¹) Eine noch im J. 1420 stehende kleine Stadt, welche durch einen Felsen von dem alten Schlosse Stein getrennt und auf den übrigen Seiten mit Mauern und Gräben umgeben war. Der gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts lebende churfürstliche Amtmann, Regierungsrath Holzborn, entdeckte die Rudera der Kirche welche er aus dem Schutte graben ließ. Es wurde hier ein Markt gehalten.
²²) Ueber Hildebrandshausen gelegen.
²³) Die im letzten Absatz genannten Personennamen beziehen sich im Originaltext auf die Burgmannen des Schlosses Stein ab dem Jahr 1364.
²⁴) Pauli Jovii Chron. Schwarzb. p. 590.
²⁵) Nach der Erzählung Anderer war der Engländer nur ein Feldherr.
²⁶) Fräubchen = Frauchen.
²⁷) Herr Schullehrer Siebert zu Wilbich, dem ein schönes poetisches Talent innewohnt, hat diese Sage ebenfalls dichterisch bearbeitet und sie einst unter der alten Burglinde in einem befreundeten Kreise mit vielem Beifall vorgetragen.