Beschreibende Darstellung der Burg Stein und ihres Vorwerkes aus dem Jahre 1664
Zum Geleit
Die nachfolgende Beschreibung der alten Burg (Bischof-)Stein und ihres Vorwerkes ist die einzige bekannte ihrer Art und stammt aus der Feder des Amtsvogtes Georg Wilhelm Zwehl, der von 1663 bis 1675 auf dem Bischofstein amtierte.
Die gesamte Abschrift des Lagerbuchs umfasst 37 maschinenschriftliche Seiten im DIN-A4-Format und stammt aus dem Nachlass des eichsfeldischen Regionalforschers Walter Prochaska. Sie wird heute im Ortsarchiv der Gemeinde Lengenfeld unterm Stein verwahrt.
Die Abschrift gibt den historischen Wortlaut weitgehend wieder. Eine Überprüfung anhand der Originalhandschrift konnte bislang nicht erfolgen, weshalb einzelne Lese- und Übertragungsfehler nicht ausgeschlossen werden können. Worterklärungen und ergänzende Hinweise wurden in einer früheren Bearbeitung teilweise in Klammern hinzugefügt.
In Auszügen wurde die beschreibende Darstellung bereits in Anton Ficks unveröffentlichter „Chronik der Gemeinde Lengenfeld unterm Stein und des Bischofsteins“ (verfasst 1951) sowie in Lambert Rummels Aufsatz „Neuere Erkenntnisse über die Burg Stein“ (1957) wiedergegeben.
Als einzigartiges Zeitdokument, das in weiten Teilen den Charakter eines Begehungsprotokolls besitzt, vermittelt die Beschreibung wertvolle Einzelheiten über den baulichen Zustand der Burg Stein sowie ihrer Neben- und Wirtschaftsgebäude. Auch der bei der Übernahme des Schlosses vorgefundene Hausrat wird verzeichnet. Von besonderem Interesse ist die ausdrückliche Erwähnung einer kleinen Kapelle im Bereich des Vorhofes, die sich in unmittelbarer Nachbarschaft mehrerer bereits wüst liegender Gebäude befand.
Ergänzend empfiehlt sich ein vergleichender Blick auf die Grenzregulierungskarte von 1582/1583, die trotz ihrer wesentlich früheren Entstehungszeit bemerkenswerte Übereinstimmungen mit den beschriebenen Gebäuden und deren Anordnung aufweist.
Der folgende Auszug umfasst die Textabschrift zur Beschreibung der Burg Stein und ihres Vorwerks sowie anschließende Angaben des Amtsvogtes Georg Wilhelm Zwehl zu den Schlossländereien und den wirtschaftlichen Verhältnissen des Amtshauses. Die weiteren Seiten der Abschrift, die insbesondere die Abgaben und Einkünfte aus den zum Amt Bischofstein gehörenden Ortschaften verzeichnen, wurden noch nicht per Texterkennung erfasst. Dies soll zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen, damit die Abschrift des Lagerbuchs künftig vollständig präsentiert werden kann.
Die nachstehende Fassung wurde zur besseren Lesbarkeit sprachlich und orthographisch modernisiert. Unsichere Lesungen und Deutungsvorschläge sind durch Fragezeichen kenntlich gemacht.
Oliver Krebs
Ortschronist von Lengenfeld unterm Stein, 2023; überarbeitete Fassung 2026
Blatt 1: Beschreibung des Amtshauses Bischofstein mit den zugehörigen Dorfschaften
1.
Das Schloss Bischofstein ist halb mit einer Mauer eingefasst. Darin befindet sich:
2.
Ein mit Quadern und kleinen Queckensteinen aufgeführter runder Turm ohne Dach. Er ist 62 Schuh hoch und misst 84 Schuh im Umfang.
3.
Er ist innen ganz wüst.
4.
An Kirchenornat ist nichts vorhanden.
5.
Das Wohnhaus ist 100 Schuh lang und 35 Schuh breit, mit Ziegeln gedeckt und hat drei Stockwerke.
Im untersten Stockwerk befindet sich eine Wohnstube mit fünf Fenstern und einem eisernen Ofen mit einem Aufsatz aus tönernen Tafeln. Daran schließt sich eine Kammer mit einem Fenster an.
Ferner befinden sich auf der anderen Seite des Ganges eine Schreibstube mit drei Fenstern und einem Kachelofen sowie eine Küche mit drei Fenstern nebst einer kleinen Speisekammer, die ein Fenster hat.
6.
Das zweite Stockwerk hat zwei Stuben. Die eine ist die Amtsstube mit sieben Fenstern und einem Kachelofen. Die andere, Hofstube genannt, hat drei Fenster und einen eisernen Ofen mit einem Aufsatz aus irdenen Tafeln.
Ferner befinden sich hier ein Saal mit vier Fenstern und vier Kammern. Zwei davon liegen zum Turm hin, eine mit einem Fenster und die andere mit zwei Fenstern. Zwei weitere Kammern befinden sich an der Amtsstube, ebenfalls eine mit einem und die andere mit zwei Fenstern.
Alle Räume sind mit Estrich versehen.
7.
Das dritte Stockwerk hat eine wüste Stube, die Nonnenstube genannt wird, ohne Ofen, daneben ein kleines wüstes Kämmerlein mit einem Fenster. Hier befinden sich außerdem zwei Böden und ein Vorsaal, sämtlich mit Estrichboden.
8.
Darüber befindet sich ein Estrichboden mit zwei alten Rauchkammern. Ganz unter dem Dach liegt ein kleiner, mit Dielen abgeschlossener Boden, der ungefähr den fünften Teil des Hauses einnimmt.
9.
Es folgt das Verzeichnis des Hausrats, der laut dem bei Übernahme des Schlosses angefertigten Protokoll vorhanden war:
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1 ausziehbarer Tisch
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1 kleines gläsernes Trefur [Lesung bzw. Bedeutung ungeklärt]
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2 kleine alte Tische
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1 großer alter Kasten ohne Schloss
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1 großes Himmelbett
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1 kleines Himmelbett
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1 doppelte verschlossene und 1 einfache unverschlossene Seidelbank (Truhenbank)
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3 stehende Schränke
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1 kleiner steinerner Trog
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2 Brandeisen auf dem Herd, davon eines zerbrochen
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1 Bierkälter [Bezeichnung in der Abschrift: „bieren Kalter“]
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1 Biermühle
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1 alter Backtrog
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1 Fruchtrolle
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1 beschlagene Heimze mit
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1 Metze Bischofsteiner Maßes
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1 Heiligenröder [?] oder Mühlhäuser Heimze nebst dazugehöriger Metze
An Eseln waren drei vorhanden, von denen einer vom Wolf gefressen wurde, außerdem fünf Wasserfässer.
10.
Neben dem Waschhaus befindet sich ein Pferdestall, 48 Schuh lang und 30 Schuh breit. Darüber liegen zwei Kammern und zwei übereinanderliegende Böden mit Estrich.
11.
Oberhalb des Pferdestalls, gegenüber dem Wohnhaus, befindet sich ein Schuppen, 55 Schuh lang und 15 Schuh breit.
12.
Im Vorhof steht ein Back- und Brauhaus, zusammen 56 Schuh lang und 21 Schuh breit. Gegenüber befindet sich ein wüster Schuppen mit einer Torausfahrt, der ganz baufällig ist.
13.
Hier unten befinden sich noch drei übersetzte (überbaute?) wüste Gebäude, an die eine kleine Kapelle und anschließend die Ausfahrt grenzen, die nicht mehr genutzt werden.
14.
Unten am Berg befindet sich das Vorwerk, in dem der Schafmeister wohnt.
Das Wohnhaus hat eine Stube mit einem Fenster, einen Hausflur und daneben eine Kammer. Darüber befindet sich ein Lehmboden. Das Gebäude ist 32 Schuh breit und 35 Schuh lang.
Daran schließt sich ein Kuhstall an, ebenfalls 32 Schuh breit und [75?] Schuh lang. Darüber erstreckt sich ein durchgehender Lehmboden.
Hieran befindet sich ein wüster Schuppen, 47 Schuh lang und 32 Schuh breit, mit Ziegeln gedeckt.
Gegenüber steht die Scheune, 38 Schuh breit und 140 Schuh lang, mit zwei großen Toren. Darüber befinden sich zwei Ställe und ein Boden.
Oberhalb davon steht ein Schafstall, 36 Schuh breit und 95 Schuh lang, dessen oberer Bereich weder durch Tor noch Tür verschlossen ist. Wie die anderen Gebäude ist auch er mit Ziegeln gedeckt.
Angaben zu den wirtschaftlichen Verhältnissen und Schlossländereien
Ich, Georg Wilhelm Zwehl, kurmainzischer Amtsvogt auf Bischofstein, gebe jährlich 40 Gulden von der Schäferei als Triftgeld. Die Winterhaltung besteht aus 400 Stück [Schafen], 12 Maltern und 3 Heimzen Korn sowie 12 Maltern und 3 Heimzen Hafer.
Von fünf Hufen Schlossländereien, die zum Haus gehören und teils um Lengenfeld, teils an den Bergen liegen, wobei sie nicht zu den besten, sondern ziemlich steinig sind, folgt die nähere Aufstellung:
30 Acker unter dem Burgberg, unterhalb des Holzes und zwischen dem Weg, an der Zielhecke. Sie grenzen hinten an Hans Schwarz und vorne in Richtung des Teiches zum Vorwerk.
1 Acker, Wickenhof genannt, liegt vor dem Vorwerk.
7 Acker auf dem Hentzenrain zwischen dem Eselsbrunnen und Claus Koch. Sie grenzen oben an Joseph Zinke [?] und unten an Lorenz Grimm.
Quellen- und Editionshinweise
Autor der historischen Quelle: Georg Wilhelm Zwehl, kurmainzischer Amtsvogt auf Bischofstein (1663–1675).
Quelle: „Lagerbuch der Vogtei Bischofstein, aufgerichtet 1664“, maschinenschriftliche Abschrift aus dem Nachlass Walter Prochaskas, verwahrt im Ortsarchiv Lengenfeld unterm Stein.
Archivangabe: Landesarchiv Sachsen-Anhalt, A 39a, Nr. 207 (Alt-/Vorsignatur: Rep. A 39a, XXII Nr. 17a).
Editorischer Hinweis: Die vorliegende Fassung ist eine sprachlich modernisierte Bearbeitung der Prochaska-Abschrift. Sie wurde anhand einer neueren digitalen Übertragung berichtigt und insbesondere um die zuvor ausgelassene Passage zur kleinen Kapelle und den benachbarten wüsten Gebäuden ergänzt. Einzelne Maßangaben und schwer verständliche Begriffe bleiben bis zur Überprüfung der maschinenschriftlichen Abschrift beziehungsweise der Originalhandschrift vorläufig.
Die Angabe „übersetzte (überbaute?)“ in Punkt 13 bewahrt die überlieferte Bezeichnung und kennzeichnet deren Deutung als unsicher. Ebenso lässt die Schlusswendung des Satzes offen, auf welche der genannten Bauteile sich die fehlende Nutzung genau bezieht.