Wanderführer für das FDGB-Erholungsheim Bischofstein (von Ferdinand König, Kulturleiter)
Wanderführer
Verfasser: Ferdinand König, Kulturleiter
FDGB-Erholungsheim Bischofstein
Lengenfeld unterm Stein
Unser Eichsfeld
Am Heizen Deutschlands ruht ein Land,
Das sich das Eichsfeld nennt.
So klein ist es und unbekannt,
dass mancher es verkennt.
Und doch, das liebe Eichsfeld mein,
Ein Kleinod ist's, ein Edelstein.
Der waldumrauschte Bergeshang,
Das märchenstille Tal,
Die weite Flur voll Lerchensang
Im goldenen Sonnenstrahl.
Schau ich dies schöne Stückchen Welt,
Dann jauchzt mein Herz zum Himmelszelt.
Ein Völkchen lebt hier, dass mit Fleiß
Die karge Scholle baut,
Sie fruchtbar macht durch seinen Schweiß,
Sie liebt wie eine Braut,
Das dieses Land, an dem es hängt,
Wenn's sein muss, mit dem Herzblut tränkt.
So bleibet nach Eichsfelder Art
Frisch fröhlich das Gemüt.
Der Bursch auf seiner Wanderfahrt,
Er singt ein frohes Lied.
Und wenn es auch mal stürmt und schneit,
Das stört nicht seine Heiterkeit.
Mein Heimatland, wie bist du schön!
In Lieb und Treu wir zu dir stehn,
Du liebes Eichsfeld mein.
Martin Weinrich
Das Eichsfeld
Im Norden vom Harz und im Süden vom Thüringer Wald, im Westen von der Werra und im Osten von der Unstrut begrenzt ist ein Berg- und Waldland, was an Schönheit und Romantik keiner anderen deutschen Landschaft nachsteht.
Berge und Täler dicht mit Laub- und Nadelholzbestand, mit Bergfeldern und terrassenförmig angelegten Feldrainen beleben diese Landschaft. Zerstreut auf den Höhen und versteckt in den Tälern liegen die anmutigen Dörfer und die Bewohner, ein zäher, um die heimische Scholle ringender arbeitsamer Menschenschlag, haben bis auf den heutiger. Tag die Traditionen ihrer Vorfahren in Sitten, Gebräuchen und Mundart beibehalten. Der großen starken Heimatliebe, der alteingesessenen, urdeutschen Bevölkerung, der Landschaft, haben wir es zu verdanken, dass sich viel schönes altes Kulturerbe hat erhalten können und uns noch unermessliche Schätze an mittelalterlicher Kunst und echter. Volkstums weisen kann.
Dank unserer Arbeiter- und Bauern-Regierung, die viele alte historische Stätten wie Burgruinen, Schlösser, Fachwerkbauten, Klöster und Kirchen in unserem Eichsfeld in ihre Obhut nahm, sie erhält und unter Denkmalschutz stellte, um sie den nach uns folgenden Generationen zu erhalten. Diese und die folgenden Zeilen sollen dazu beitragen, dass unsere Urlauber ein Stück schöne deutsche Heimat kennen und lieben lernen und neue Kraft schöpfen im Urlaub zur Vollendung großer sozialistischer Werke und Werte für die friedliche Zukunft Deutschlands.
Diese innere Beglückung werden unsere Urlauber mitnehmen in ihre Heimat. Möge aber auch all dies Erleben dazu beitragen, das Eichsfeld bekannt zu machen. Wenn meine nun folgenden Schilderungen von den schönsten Punkten der näheren Umgebung Lengenfelds als Führer zum freudigen Erleben und Erholung gedient haben, dann ist der Zweck dieser Beschreibung erreicht.
Schloss Bischofstein
Das Eichsfeld, und mit ihm auch Bischofstein, war ursprünglich kurmainzischer Besitz bis 1802. Das ehemalige Schloss, Amtssitz eines Vogtes, später Internatsschule, seit 1943 Erholungsheim der Gewerkschaften, wurde 1747 als Barockbau von Meister Heinemann aus Dingelstädt erbaut. Es liegt, gegen Nordwinde sehr geschützt, 316 m hoch am Südhang des 402 m hohen Schlossberges, mit dessen Überresten der Burg „Zum Steyne", urkundlich 1137 schon Eigentum der Landgrafen von Thüringen.
Seit 1403 Besitz der Erzbischöfe von Mainz, werden die Burgen zum ersten Mal „Bischofstein" genannt. Die Burg und der kleine Marktflecken, unterhalb des Schlossberges gelegen, genannt „Stadt Stein", wurden im 30jährigen Krieg arg beschädigt und nicht wieder aufgebaut. Lengenfeld u. Stein liegt in dem tiefen und weiten Talkessel der Frieda eingebettet. Schöne, alte Fachwerkhäuser zieren den Ort und geben ihm ein besonderes Gepräge.
Wer wohlgemut und offenen Auges mit empfänglichem Sinn zum schauen in die Natur der Umgebung Lengenfelds hinauswandert, dem wird es zur ewigen Erinnerung an das romantische Eichsfeld. Das von verschiedenartigen Bergkonturen begrenzte Friedatal mit seinen Waldungen, raindurchzogene Bergwälder, felsige Kuppen und Klippen, einsame Waldtäler liegen dem Orte so nahe, dass sie in kurzer Zeit erreichbar sind. Immer wieder fesselt der reizvolle Blick in die Landschaft beim Ersteigen der Höhen und beim Wandern auf den Bergkämmen mit ihren bequemen, schattigen Waldwegen.
In unserem Wald- und Bergland findet der Wanderer fast alle Arten der Laub- und Nadelhölzer. Im Gemisch von Rot- und Weißbuchen, Eschen, Eichen und Ahorn sind Linden, Espen und Ulmen, vereinzelt auch Birken und Ebereschen zu finden. Verstreut im Laubholzbestand sind noch junge und uralte Eiben (Taxus-baccata). Dieser so selten gewordene Urbaum Deutschlands hat auf dem Eichsfeld noch seinen größten Bestand. An den Hängen und Vorgehölzen wächst auch noch der Wacholder. Fichten, Lärchen und Kiefern bilden den geschlossenen Bestand des Nadelwaldes. Tannen sind selten.
Ein Paradies seltener Pflanzen und Kräuter, bedingt durch die Bodenformation (Muschelkalk) und klimatische Einwirkungen, schenkt unsere heimische Flora. An den Waldhängen und in den Lichtungen finden wir schon im frühesten Frühling den Seidelbast mit seinen purpurblauen, duftenden Blüten. Bald danach erscheinen das Leberblümchen, weiße und gelbe Anemonen, das rot- und blaugefärbte Lungenkraut.
Kommt der Sommer, so treten andere seltene Pflanzen an ihre Stelle; Aronstab, Maiblumen stehen in dichten Scharen beisammen, seltener schon versteckt Salomonsiegel und die wundervollen Blüten des Frauenschuhs, Türkenbund, die verschiedenen Arten der Knabenkräuter, sowie des roten und weißen Waldvöglein und der Fliegenblume. Im Herbst sind dann alle Hänge und Wiesen wie ein Teppich durchwirkt mit den blauen Blüten des Enzians. Alle diese seltenen Pflanzen unserer heimischen Flora stehen unter Naturschutz. Wanderer, erfreue Dich an dieser Farbenpracht. Lass ihnen das Leben, viele folgende Bewunderer werden Dir Dank dafür geben.
Der Wildbestand unserer Wälder und Fluren ist nicht gering. Rehen und Hasen begegnet der Wanderer oft. Hier und da gräbt der Dachs und der Fuchs schnürt im Gelände herum. Hirsche sind schon seltener, dafür hat sich in den letzten Jahren das Schwarzwild wieder eingebürgert. Dem Vogelfreund bietet sich hier noch Gelegenheit, Seltenheiten der Vogelwelt zu beobachten. Wald und Flur beherbergen unter dem reichen Vogelbestand noch Pirol, Kohltaube, Schwarzspecht, Gabelweihe u.a.m.
Als Seltenheit unter den Lurcharten finden wir die Geburtshelferkröte, auch Glockenfrosch genannt. Wenn dann in den Abendstunden - bis zur tiefen Nacht - diese Kröten ihre Stimmen erklingen lassen, ist ein wohl abgestimmtes, mit dem Echo Verbundes Glockenspiel zu hören.
Aber auch der Geologe wird allerorts auf unserem Eichsfelde mit seinen guten Aufschlüssen des unteren, mittleren und oberen Muschelkalk viele sehr schöne Arten Versteinerungen finden, die ihm aus der Entstehungsgeschichte der Mutter Erde zu erzählen haben.
Auch die Freunde von Geschichte und Kunst werden nicht achtlos an den vielen Schätzen unserer früheren Kultur vorübergehen, die ihnen unsere Landschaft zu bieten hat. Seien es die jahrhundertealten Burgruinen und Klöster, oder aber die Schnitz- und Bildwerke berühmter Meister in unseren Kirchen.
Nun lasst uns hinaus wandern in unsere schöne Heimat, um offenen Blickes andachtsvoll zu verweilen und die Schönheit der Heimat mit dem Dichterwort zu schauen, wenn er sagt:
„Trink o' Auge, was die Wimper hält,
von dem gold'nen Überfluss der Welt!“
Wenn wir so durch die Landschaft wandern, über Bergeshöhn in tiefe Täler, durch Wiesen und Fluren in stille Waldwinkel: dann verspüren wir die neue Kraft, die uns die ewig junge Natur verleiht.
Schlossberg
In knapp halbstündiger Wanderung vom Bischofstein erreichen wir auf leicht ansteigendem Waldweg das Plateau des Berges. 402 m hoch. Hier stand einst die feste Raubritterburg „Stein". Wenige Überreste nur von Mauerwerk und Gewölben erinnern an die einstigen Beherrscher des Friedatales.
Von der nach Süden gelegenen steil abfallenden Felswand haben wir einen herrlichen Ausblick in das Friedatal. Unter uns liegt Lengenfeld, östlich Faulungen, eingebettet im engen Talkessel und umgeben von den Bergzügen des „Faulunger Steines" und den „Pfaffenköpfen" mit der alten Wallburg, die „Spindelsburg".
Südlich liegt Hildebrandshausen, südwestlich der Keudel-stein, 483 m hoch. Westlich Geismar mit dem Hülfensberg, 447 m hoch und fern westlich greift unser Blick nach der Gobert und dem dahinter liegenden hohen Meißner, 756 m hoch. Viele andere hessische Berge entdeckt das Auge, bei guter Sicht bis 60 km. Verweile hier, Wanderer, genieße die einzigartige Schau und versäume dann nicht, das hinter dem Schlossberg gelegene Bilstal zu durchwandern. Am Hang entlang, auf stillen Waldwegen findest Du die seltenen Eiben in ganzen Gruppen.
Hast Du dann den Berghang erreicht, bietet sich aufs Neue die wunderbare Sicht ins Bilstal mit dem Blick nach Westen, östlich schauen wir ins Effeldertal mit dem Walperbühl, einem Bergkegel. Auf bequem schräg abführenden Waldwegen ist in einer viertel Stunde Bischofstein wieder erreicht.
Hanstein und Köhlersberg
Obwohl eine der schönsten und lohnenden Wanderungen mit prachtvollen Aussichtspunkten vom Hanstein und der steilen Felswand des Köhlersberges, ist sie wenig bekannt.
Oberhalb des Dorfausganges, vor dem Sägewerk, geht es links etwa 400 m den Feldweg am Blankentalsbach entlang, dann rechts, auf einem zur Höhe führenden gewundenen Feldweg hinaus bis zum Felsvorsprung in einem Feldgehölz. Von hier schon bietet sich ein Panorama an Naturschönheit seltener Art.
Am Walrand entlang in nördlicher Richtung gelangen wir nach 20 Minuten an den im Waldwinkel versteckt liegenden Köhlersborn. Sein klarer tief dem Berginneren entspringender Quell erfrischt uns am Fuße des Köhlerberges vor dem Aufstieg. Links im Waldwinkel führt uns der Weg, ständig steigend, zur Höhe des Berges. Oben angelangt, sind es nur noch einige Minuten auf geradem Weg links und das steil abfallende Felsplateau ist erreicht. Umfassend ist der Blick von hier oben, überwältigend das Bild, das sich uns offenbart.
Ruhe und Frieden kehren in uns ein und man muss sich mit Gewalt von diesem schönen Bilde lösen. Der Abstieg ist bequem auf allmählich abfallendem Waldweg. Nördlich gelangen wir in das Blankental und wandern in südlicher Richtung mit dem munter murmelnden Bach dem Talausgange zu, in dem Bewusstsein, wieder um ein Erleben reicher geworden zu sein.
Dünberg, Große Kuppe, Heiligenberg
Zu einem der schönsten Erlebnisse im Urlaub wird die Wanderung nach der großen Kuppe auf dem Dünberg. Vom Bischofstein schlagen wir den Weg in Richtung Dorfkirche ein, gehen unter dem Viadukt hindurch, rechts den Grottenweg hoch, durch die Feldflur, den ersten Feldweg links, bis zum Waldrand unter dem Dünberg.
Schon von diesem Waldwinkel genießen wir einen herrlichen Blick über den Ort und in das obere und untere Friedatal. Auf dem nun leicht ansteigenden, am Hang des Dünberges sich hinziehenden Waldweg erreichen wir nach etwa einer dreiviertel Stunde das östliche Plateau des Berges. In der Ruhe der tiefen Waldeinsamkeit lasst uns hier für kurze Zeit auf der mit seinen Baumstümpfen zum Sitzen einladenden Waldblöße verweilen. Vor uns der Kahlschlag, dessen würzig schmeckende Erdbeeren und Himbeeren uns dann laben sollen.
Mutter Natur hat sich hier in voller Verschwendung vergessen. Helmorchis, Knabenkraut, Türkenbund, Frauenschuh, Händel- und Stendelwurz erfreuen uns in den reichen Farben ihrer Blütenpracht. Erheben wir den Blick über das weite Rund der Höher und der Täler, was sich uns offenbart, kann man in Worten gar nicht schildern.
Rechts, östlich von uns, im engen, tiefen Faulunger Tal an die Hänge angeschmiegt, der Ort Faulungen, die jüngste Siedlung unseres Eichsfeldes, mit seinem gebirgigen Charakter. Fern nördlich grüßt uns der Ort Struth von der Höhe, umrahmt von den schroffen Felswänden der Klosterschranne, gekrönt mit seinen wild zerzausten tausendjährigen Eiben.
Rechts davon der Faulunger Stein mit seinen ausgedehnten Waldungen. Wir müssen uns losreißen von all den Schönheiten, die unser Auge erschaut; denn noch haben wir unser Ziel nicht erreicht. Auf schattigem, den Kamm entlangführenden moosüberwuchertem Waldwege durch Laub- und Fichtenforst wandernd, erreichen wir nach knapp einer viertel Stunde rechts am Wege eine große Waldwiese, an deren westlichem Ende rechts der Weg mündet nach der großen Kuppe. Es sind nur wenige Minuten, die uns noch von dem vor uns versteckt liegenden Aussichtspunkt trennen.
Da! Ein Aufjauchzen, dann eine Stille, man hört den eigenen Herzschlag, man schließt für einen Moment die Augen, öffnet sie, nein es ist Wirklichkeit, kein Traum. Auf schroffem, steil abfallendem Felsengrat stehen wir. Tief unter uns, wie Spielzeug aus der Schachtel aufgebaut, liegt Lengenfeld. Da kommt vom Hang am Schlossberg das Zügle entlang, fährt über den gewaltigen Viadukt. Man möchte zugreifen wie in ein Spielzeug aus Kindheitstagen, doch es ist Wirklichkeit.
Ruhe muss erst wieder einkehren, die wir brauchen, um ganz besinnlich die Verschwendung des Naturbildes mit unseren Augen zu fassen. Eine Bank lädt uns zum Verweilen ein. Lichtüberflutet liegt die ganze Landschaft vor uns. Bischofstein grüßt uns mit seinem dahinter liegenden Schloss- und Burgberg. Über der Höhe des Walperbühls liegt der Ort Effelder mit seinem mächtigen Kirchenbau, dem „Eichsfelder Dom“.
Westlich der weite Talkessel des unteren Friedatales mit dem Ort Geismar. Fern westlich der Gebirgszug der Gobert mit den Silberklippen. Nördlich begrenzt das Düngebirge die Eichsfelder Schweiz mit unzähligen Höhen und Tälern und Dörfchen, ein Bild unbeschreiblicher Naturschönheit, ein Bild, gleich zu welcher Jahreszeit wir es erschauen, es wird immer in unseren Augen, in unserem Herzen als Erinnerung haften. Frohgestimmt wandern wir auf leicht absteigendem Weg über den westlich vor uns liegenden Heiligenberg, nochmals einen Blick richtend in das weite Rund, heimwärts zum Bischofstein.
Kloster Zella
Oberhalb des Ortes (Lengenfeld) bei den Sägewerken zweigt links die Straße nach Struth ab. Auf ihr etwa 4 km entlangwandernd erreicht man das ehemalige Benediktinerinnen-Kloster Zella. Weltabgeschieden in einem einsamen stillen Waldtal, umgeben von herrlichen Buchenwaldhöhen, träumt es vom vergangenen Weltgeschehen.
Still und erhaben grüßt es den Wanderer auf der Landstraße. Seine altersgrauen Mauern, teils noch aus der Gründerzeit, etwa 1230, flößen uns Ehrfurcht ein. Dicht hinter dem Kloster entspringt die Frieda dem Berginneren, leise plätschernd und murmelnd fließt das Bächlein silbern leuchtend über Geröll durch das stille Waldtal.
Links die Landstraße verlassend, gelangen wir auf den Eingangsweg zum Kloster, an dem ein seltenes Naturwunder steht. Die eng-umschlungene, sagenumwobene Buche und Esche, die miteinander verwachsen sind.
Haben wir den großen Klosterhof durch das Eingangstor betreten, fallen uns links und rechts des Tores zwei im Balkenwerk geschnitzte, gewundene Säulen auf. Alte Symbole, wie man sie oft an solchen Bauten hat. Die linke Säule trägt einen fratzenhaft aussehenden Kopf (Dämon), die rechte Säule dagegen einen ernsten, eindruckerweckenden Kopf (Bischof). Über dem Torbogen eine alte Sonnenuhr. Wie vielen mag sie die Zeit schon gesagt haben. Die Zeit des Kommens in der Jugend und die Zeit des Scheidens im Alter. Im Geiste sehen wir noch die Nonnen einherwandeln in der Abgeschiedenheit ihrer Welt und wir flüchten uns wieder hinaus in die schöne Freiheit der Natur.
Wir wandern heimwärts durch die erhabenen Dome unserer Buchenwälder, um dann auf lichtüberflutetem Wege am Waldrand des Kälberberges entlang in einer knappen Stunde den Hanstein wieder erreicht zu haben. Ein letzter Gruß gilt der von uns hinter der Gobert scheidenden Sonne, die die ganze vor uns liegende Landschaft vom glutrot bis ins violett gehende Farbenspiel getaucht hat. Abendliche Stille umgibt uns und unser heutiges Erlebnis.
Klostermühle
Ehemals zum Kloster Zella gehörend, liegt sie in einem von Wäldern begrenzten Wiesental, welches durch den wilden Gebirgsfluss, die Lutter, an Schönheit noch gewinnt.
Heute ein viel besuchter Ausflugsort mit Gastwirtschaft, bequem auf der nach Großbartloff führenden Straße, an Mühlen, Wasserfall und Bildstöcken vorbei, in eineinhalb Wegstunden zu erreichen. Die Wanderung ist lohnend und sehr abwechselungsreich an Naturschönheiten.
Der Hülfensberg
Der markanteste Bergkegel im Obereichsfeld, gleich, wo Du in die Landschaft hineinschaust, im weiten Bild wird er nicht fehlen. Immer wieder wird Dein Auge auf ihm haften bleiben.
So war es auch schon in altersgrauer Vorzeit. Ich wittere Opferduft aus dem heiligen Hain, ich sehe der Priester laubbekränzte Häupter, Gewänder flattern um den Opferstein, es muss Julnacht sein. Die Kronen der riesigen, tausendjährigen Eichen, recken sich gespensterhaft in den vom lodernden Opferfeuer glutrot gefärbten Himmel weit hinaus in die Landschaft, Mahnung und Zeichen zugleich an alle Stämme draußen, von der Wiedergeburt und neuem Leben in der Natur unter der mächtigen Donareiche auf dem Stuffenberg.
So mags gewesen sein vor tausenden von Jahren, und nach dem Untergang der germanischen Heidengötter wurde der „Hülfensberg“ zu einer noch heute von den christlichen Prozessionen besuchten Wallfahrtsstätte.
Ja, lieber Wanderer, es ist ein Erleben, wenn man von Geismar kommend, diesen 447 m hohen Bergkegel erstiegen hat, um auf dem Plateau Ausschau zu halten, in urdeutsche Landschaft.
Gen Osten in das obere Friedatal mit seinen vielen Seitentälern und dem Keudelstein. Nach Norden in die „Eichsfelder Schweiz“. In der Runde zählen wir 16 Dörfer, auf den Höhen und in den Tälern, mit den Burgruinen Greifenstein und Gleichenstein. Mit dem „Lug ins Land" nach Westen, offenbart sich unserem Auge ein Blick, bei dem man Stunden verweilen könnte, um all das zu erfassen. Bis 70 km kann die Fernsicht von hier sein. Im Süden der Thüringer Wald mit Inselsberg, das Rhöngebirge reiht sich an. Im Westen der hessischen Berge der Große Ahlheimer, Knüllgebirge, Seulingswald und Habichtswald, im Nordwesten das hohe Bergmassiv des Meißners.
Im Vordergrund, von Süden kommend nach Nordwesten, zieht sich das silberne Band der Werra entlang, umgeben von anmutigen Bergeshöhn mit Burgen und Ruinen. Reizvolle, alte Städtchen, wie Wanfried und Eschwege, viele Dörfer, eingebettet in Tälern oder an den Ufern der Werra gelegen, unzählige, die unsere Augen tief drunten erschauen, und wenn wir hier den Ruf hören: ,,Oh, Heimat, wie bist Du schön!“, dann kommt dieser Ruf aus vollem Herzen.
Von dieser Stelle muss jeder Deutschs erkennen, dass die Grenzziehung, der Herzschnitt durch unser Vaterland, eine Tat des Wahnsinns ist. Hier sollte jeder Wanderer und Pilger seinen Schwur ablegen, angesichts der nahe vor uns liegenden Demarkationslinie, seine ganze Kraft einzusetzen in der großen Front der Kämpfer, zur Erhaltung des Friedens und zur Wiedervereinigung unseres Vaterlandes.
Dann soll auch vom Hülfensberg das Freudenfeuer leuchten, wie vor 1000 Jahren und die lodernden Flammen werden verkünden, dass sich Brüder und Schwestern wieder zusammenfinden in einem einigen, freien demokratischen Deutschland.
Möge diese kleine bescheidene Schrift allen werktätigen Menschen, die zu uns in Urlaub kommen, Wanderführer, Begleiter und Mahner sein. Dann hat sie ihren Zweck erfüllt.
Wir lieben die Heimat, die schöne,
und wir schützen sie,
weil sie dem Volke gehört,
weil sie unserem Volke gehört.
Obereichsfelder Mundart
Minn Lengenfald
Do wö minne Hotzen stund,
Minne Mutter in dahn Schlof mich sung,
Do wö äs geht zum Häidenklüs,
Do stett min Ahnen ehre Hüs.
Kenn schenner Platz gitts uff d’r Walt
Als min liebes Lengenfald,
Wö ich ben d’rhäim.
Wö Klüs un Kritz am Waeje stenn,
De Frieda derch daos Derf fleest henn,
Wos Echo schallt vom Felstgestäin,
Derch Täler, Schluchten, Fald un Räin,
Daos äs minn liebes Lengenfald,
Do ben ich d’rhäim.
Do wö de größen Wälder sinn,
met veelen Dann un Beechen drin,
Do wö ees Trift un Barje gitt,
Un wö de Häimatglocken lütt,
Do äs min liebes Lengenfald,
Do ben ich d’rhäim.
Loß anner rühm un mäinen,
Ich tüsche doch mät käinem,
Dann min liebes Lengenfald
As doch d’r schennste Platz d’r Walt.
Un ich blieb d’rhäim.
Wenn minne Taoge sinn verbie,
Un ich uffm Kärchhob lie,
Un äs ä nur än kleines Eck,
wö mich de Häimatarde deckt,
äs immer noch min Lengenfald,
Dar scheenste Platz d’r Walt.
Wäil ich ben d’rhäim.
Heinrich Richwien