Vor 100 Jahren wurde Konrad Martin zum Bischof gewählt (1956)

Am 29. Januar 1856 wählte das Paderborner Domkapitel den Bonner Professor Dr. Konrad Martin als Nachfolger des verstorbenen Bischofs Franz Drepper. Wir bringen aus dem Leben Konrad Martins einige Daten und Hinweise.

Konrad Martin wurde am 18. Mai 1812 zu Geismar geboren. Sein Bruder Bernhard, der spätere Pfarrer in Diedorf, gab ihm den ersten Lateinunterricht. 1824 am 24. Oktober wurde er in die Tertia des Heiligenstädter Gymnasiums aufgenommen. Der Kaplan und in der Kulturkampfzeit oft genannte Kommissariats-Assessor Josef Haendly aus Deuna war am 27. Mai 1827 Firmpate Martins, der am 30. September 1830 die Reifeprüfung bestand. In der Postkutsche wurde die Reise nach München angetreten, wo die Universitätsstudien beginnen sollten. Am 3. November ging die Fahrt an Vierzehnheiligen vorüber. Der junge Student hatte so oft über die von Eichsfeldern gern besuchte Wallfahrtskirche und auch über das gegenüber thronende Banz erzählen hören, konnte diesmal aber seine Sehnsucht noch nicht stillen. Die Fahrt nach München dauerte bis zum 10. November. 1832 reiste Konrad Marlin zum besonderen Studium der orientalischen Sprachen nach Halle. Er studierte dann noch in Würzburg und 1834 in Münster, wo er am 3. Mai zum Doktor der Theologie promovierte. Im Frühjahr 1835 trat er in das Köhler Priesterseminar ein, wo er am 27. Februar 1836 im Dom auch die Priesterweihe empfing.

Seine erste Anstellung erhielt Dr. Konrad Martin als Vikar in Wipperfürth und Lehrer an der dortigen höheren Schule. 1840 wurde er schon Religionslehrer am Kölner Gymnasium. Drei Jahre später war er Professor der Dogmatik in Paderborn, 1844 Professor in Bonn. Seine Ernennung zum wirkl. erzbischöflichen Geistlichen Rat und Ordinariatsrat erfolgte 1853. Am 5. November 1855 starb Bischof Franz Drepper in Paderborn und am 29. Januar 1856 wurde Professor Martin als Nachfolger gewählt. Die Annahme erfolgte zwei Tage später, die Präkonisation in Rom am 19. Juni. Am 7. August traf der neue Bischof in Paderborn ein. Die Weihe war am 17. August.

Bischof Martin war von einer glühenden Heimatliebe beseelt. 1860 kamen auf seine Fürsprache nach langen Verhandlungen endlich Franziskaner zum Hülfensberge, der ihm sehr am Herzen lag. Immer wieder bewies er seine besondere Fürsorge für das Eichsfeld. Schon 1857 wurde das bischöfliche Knabenkonvikt in Heiligenstadt erweitert. Auf seinen Vorschlag ist die Erhebung der Liebfrauenkirche zur Propsteikirche zurückzuführen. Als Dorothea Fromm ihre Erziehungspläne verwirklichen wollte, fand sie bei dem bischöflichen Landsmann nicht nur lebhafte Zustimmung, sondern auch praktische Hilfe. Am 10. Mai 1863 zog sie in Kallmerode ein. Zwei Monate später kam der Bischof selbst zur Besichtigung ihrer kleinen Anstalt. 1866 wurde das St.-Josefs-Institut in Dingelstädt bezogen. Der Bischof war mit ganzem Herzen dabei. Auch der Plan des Waisenhauses in Großbartloff fand seine Unterstützung. Und so half er immer, wo er nur konnte, wenn berechtigte Wünsche aus der Heimat an ihn herantraten.

Seine erste Firmungsreise auf das Eichsfeld unternahm er schon 1857. Weitere Firmungsreisen folgten 1859, 1863, 1865, 1868, 1869 und 1873. Am 26. Mai 1874 feierte sein Firmpate, Geistl. Rat Haendly, sein goldenes Priesterjubiläum in Heiligenstadt. Der Bischof kam und hielt die Festpredigt. Es wurden ihm bei dieser Gelegenheit große Ovationen dargebracht. Auf dem Hülfensberge versammelten sich viele Tausend Männer um ihn. Es war, als ahne das Eichsfeld wie der Bischof selbst, dass er die Heimat nicht wiedersehen werde. Der unglückselige Kulturkampf war ja schon entbrannt. Am 14. März war ein Hirtenschreiben über die drohenden Gefahren erlassen worden, Bereits am 15. Oktober 1873 hatte der Bischof infolge der berüchtigten Maigesetze eine Strafe von 200 Talern erhalten. Mehrere Geistliche vom Eichsfeld wurden verhaftet. Dr. Konrad Martin selbst erhielt später auch mehrere Monate Haft und wiederholt weitere Geldstrafen.

Am 4. August 1874 wurde er im bischöflichen Palais festgenommen und ins Paderborner Gefängnis gebracht. Diesmal war die Strafe am 19. Januar 1875 verbüßt. Der Bischof wurde aber nicht freigelassen, sondern zur Festung Wesel transportiert. Am 14. Juni wurde er von neuem verurteilt. Er erkrankte, erhielt aber statt der ärztlich verordneten Kur noch einmal sechs Monate Gefängnis.

Das Maß war nun voll. In der Nacht zum 4. August ging der Kirchenfürst bei Wesel über die Rheinbrücke nach Holland. Auch dort konnte er auf die Dauer nicht bleiben. Er nahm seine Zuflucht schließlich zu einem von Pauline von Mallinckrodt in St. Guilbert in Belgien gegründeten Hause. Von dort aus trat er 1877 seine fünfte und letzte Romreise an, von der er am 30. Mai 1877 zurückkam. Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich. Am 11. Juli 1879 fühlte sich der Bischof sehr krank und schon am 16. Juli ist er in der Verbannung gestorben. Pauline v. Mallinckrodt begleitete die Leiche am 18. Juli nach Paderborn, wo am 25. die Beisetzung im Dom stattfand und ein großes Denkmal an den Bekenner aus Geismar erinnert.

Autor: unbekannt
(Quelle: „Eichsfelder Heimatborn“, Ausgabe vom 28.01.1956)