Seit wann steht der Wetterhahn still? (1957)

Der Wetterhahn spielte früher, als es noch keinen amtlichen Wetterdienst gab, zur Wettervoraussage für die Dorfbewohner eine große Rolle und ist ein Stück der Dorfgeschichte. Ein Heimatfreund behandelte im „Echo“ 4/57 bereits die mundartlichen Wetterregeln in Verbindung zum Wetterhahn.

Seit wann steht nun der Lengenfelder Wetterhahn auf der Turmspitze fest auf einer Stelle? Es war im letzten Jahre des zweiten Weltkrieges, als eines Tages mehrere amerikanische Flieger unsere Flur und das Dorf mit Bordwaffen beschossen. Seit diesem Tage vermochte kein Wind und kein Sturm ihn wieder zu drehen. Viele Einwohner vermuten, dass er einen Treffer bekommen hat.

In alter Gewohnheit haben viele Einwohner jeden Tag öfters mal zum Hahn hinauf gesehen; wie dies heute noch oft die Alten tun; aber noch nie wieder hat der Hahn seine jetzige westliche Richtung gewechselt. Ob die Richtigkeit obiger Vermutung zutrifft, bedarf erst noch der Klärung. Richtig ist aber auf jeden Fall, dass er nach jenem Tage lahm und fest ist.

Aus luftiger Höhe schaut der alte Wetterhahn über die heimatlichen Gefilde des schönen Friedatales und unfähig, nach altem Brauch das Wetter anzuzeigen, steht er nach seinem Kriegserlebnis als stiller Friedensmahner fest auf seinem Platze.

Heinrich Richwien
(Quelle: „Lengenfelder Echo“, Juni-Ausgabe 1957, S. 4)