Die Burg Stein

(Mittelalterliche Wüstungen im Eichsfelder Teil des Kreises Mühlhausen (IV))

Gemarkung: Lengenfeld unterm Stein, Kreis Mühlhausen
Messtischblatt: Nr. 4727, W: 11,6-12,4 cm, S: 10,1-10,4 cm.

Lage: Die Ruine der Burg liegt ca. 0,9 km nordwestlich von Lengenfeld und ca. 0,4 km nordwestlich über dem Schloss Bischofstein. Die Burg befindet sich auf einem nach Westen auslaufenden und abfallenden schmalen Hügelsporn in rund 401 m über NN. Nach Norden, Westen und Süden fällt das Gelände zum Teil mit Felsbänken aus unterem Muschelkalk (Wellenkalk) steil ab. Die Oberfläche ist heute bewaldet. Die Reste der ca. 140 m langen und ca. 40 m breiten Burganlage sind von der Höhe im Osten mit einem in den anstehenden Felsen ausgebrochenen, ca. 12m breiten und tiefen Halsgraben abgetrennt. Es folgt als Annäherungshindernis ein zerlaufener Wall und in ca. 20 m Entfernung nochmals die Andeutung von einem Wall mit vorgelegtem Graben und Außenwall. Nördlich des Halsgrabens befindet sich gering tiefer eine abgerundete Terrasse. Von da führt ein Wall am Steilhang der Nordseite der Burg nach Westen. Es bestand eine ungünstige Wasserversorgung, und es dürften daher Zisternen vorhanden gewesen sein. Eine Quelle befindet sich erst südöstlich unterhalb der Burg kurz vor dem Schloss Bischofstein. In der Wüstung Stadt zum Stein sollen einige kleine Schichtquellen auf dem Röt vorhanden gewesen sein.

Beschreibung: Auf der Südostecke der Burganlage ist der Rest eines über 5 m starken Rundturmes erhalten, von dem noch in den letzten Jahrzehnten Steine abgefahren wurden. Vom Füllmauerwerk ist noch eine Rollschicht (hochkant gestellte Steine) sichtbar. Reste der Ringmauer sind nicht mehr erkennbar. Das Innere der Burg ist mit einer starken Schuttschicht bedeckt, die bewachsen ist. Im Nordwestteil folgen Mauerreste von zwei Gebäuden an der Ringmauer. Das westliche wird als Malzhaus bezeichnet. In diesem sind in den Ecken noch Reste von einem Tonnengewölbekeller zu finden. In den 20er Jahren war bei einer Untersuchung ein eingestürzter Tonnenkeller freigelegt worden. Der Raum ist ca. 8 m lang und gut 5 m breit, das Gewölbe scheint 1,50 m hoch gewesen zu sein. Nach den Spuren in den Stirnwänden war die Tonne erst später in das Gebäude eingebaut worden (Aulepp 1974, S. 2).

Südlich des Malzhauses schließt eine Felswand den Bering ab. Zwischen beiden dürfte ein Zugang gewesen sein, der an der Südseite der Burg entlang führte. Nach Westen schließt sich ein zugefüllter Graben an und folgt im Südwesten ein aufragender Felsklotz von ca. 25 m Durchmesser. Diese Stelle wird als „Unterburg" (Niederes Haus) bezeichnet. Auf der Oberfläche des Felsens sind keine Bebauungsspuren erhalten. Ein Mauerrest befindet sich unten am Felsmassiv. Die Georgskapelle der Burg stand in der „Stadt zum Stein“ unterhalb des Felsmassivs (Bericht siehe dort).

Funktion und Alter der erwähnten Außenanlage in geschätzt 65 m Entfernung von der Hauptburg sind noch nicht geklärt (Grimm u. Timpel). Die Andeutung von einem Wall mit vorgelegtem Graben und auseinandergelaufenem Außenwall kann auf die Burg eines Grafengeschlechts aus dem 10.-11. Jh. hinweisen (Aulepp 1974, S. 3). Innerhalb dieser Außenanlage befindet sich die erwähnte Terrasse. Eine Randbefestigung ist heute nicht erkennbar. Archäologische Funde: In den Jahren 1974 und 1980 wurde festgestellt oder geborgen: Am Rundturm sauber behauene Kalksteine in der Außenhaut und Rollschichten im Füllmauerwerk sowie feiner weißlicher Kalkmörtel. Es liegt romanisches Mauerwerk vor. Nördlich vom Turm und beidseitig des neuzeitlichen Fußweges zeigen sich Bruchstücke von schmalen Hohlziegeln, solche von Biberschwänzen und 5 spätmittelalterliche Keramikscherben. Im Malzhaus fand sich wiederum Füllmauerwerk in Rollschichten, weißlicher Kalkmörtel mit Sand- und Lehmmagerung, Bruchstücke von breiten Hohlziegeln sowie 3 spätmittelalterliche Scherben und gebrannter Lehm. An der Nordseite der Unterburg lagen Dachziegelbruchstücke auf der Schutthalde (alle geborgenen Funde im Heimatmuseum Mühlhausen). Seitens der Arbeitsgruppe Heimatgeschichte des Kulturbundes der DDR, Ortsgruppe Lengenfeld, wird ein Lageplan angefertigt, und es werden Maßnahmen zur Sicherung der Baureste durchgeführt. In den 20er Jahren dieses Jahrhunderts hat der Leiter der Internatsschule auf Schloss Bischofstein einige Oberflächenuntersuchungen mit Schülern durchgeführt. Dabei wurde der eingestürzte Tonnenkeller im Malzhaus freigeräumt. Nach 1945 bis Ende der 70er Jahre wurden weitere Steine vom Turmstumpf und von der Südwand des Malzhauses entnommen. Dadurch ist das Füllmauerwerk aus Rollschichten (opus spicatum) stehen geblieben und so der Verwitterung ausgesetzt.

Zeitstellung: Der Rest .des Rundturmes weist in das 12. Jh., und das Malzhaus kann dem 13. Jh. angehören. Der Tonnenkeller ist später eingebaut worden.

Flurnamen (nur Auswahl): Oberburg mit „Malzhaus" und „nidderste Hus" (Unterburg). Hagen als Wald (1326 Hegene).

Urkundliche Erwähnungen: um 1150 „Hus zum Steyn" und später „castrum dictum Steyn" (Wolf). 1268 Schloß in Lapide (Dob. IV. Nr. 254). , 1282 H. Vogt in Lapide (Dob. IV Nr. 2121).
1288 A. v. H. Verwalter des Schlosses in Lapide (Dob. IV Nr. 2912). 1294 starb das Geschlecht mit Hugo de Lapide auf der Burg aus (Prochaska, S. 22).

Dem Landgrafen von Thüringen gehörte die Burg einige Zeit. 1326 erfolgte der Verkauf an den Erzbischof von Mainz (Prochaska, S. 13). Die Burg wurde der Amtssitz des Erzbischofs für die Windische Mark und weiterer Orte (Prochaska).

Im Dreißigjährigen Kriege wurde die Burg zerstört und verlassen, aber noch zu Amtshandlungen benutzt (Rummel). Ab 1708 diente die Burg nur noch dem Abbruch. Aus ihren Steinen wurde in den Jahren 1740-1748 das Barockschloss Bischofstein errichtet (Rummel).
Sagen: „Das Fräubchen von England" (Demme, Riedel und Sünder). „Hechts Aden" bzw. der „Räuber Hiesel" (Riedel und Sünder).

Quellen und Literatur:

  • O. Dobenecker, Regesta diplomatica necnon epistolaria Thuringiae. Jena 1890-1923, Band IV.
  • Levin v. Wintzingerode-Knorr, Die Wüstungen des Eichsfeldes. Halle 1903, S. 130 I.
  • C. Duval, Romantische Beschreibung des Eichsfeldes. Duderstadt 1913, S. 131/1.
  • Walter Rassow, Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Heiligenstadt, Halle 1909, S. 259-260.
  • Wolf/Löffler, Politische Geschichte des Eichsfeldes. Duderstadt 1921, S. 132.
  • Christoph Völker. Der Besitz der Burg Bischofstein in der Mitte des 14. Jhs. In: Unser Eichsfeld, 1930, S. 14 u. 43, 1938, S. 11 u. 42, 1939 S. 102 f.
  • L. Rummel, Verschleppte Steine. In: Unser Eichsfeld. 1932, S. 86 f.
  • derselbe, Die Burg Stein bei Lengenfeld. In: Eichsfelder Heimatborn (Beilage zum Thür. Tageblatt, Worbis/Heiligenstadt) vom 6.8.1955.
  • Johannes Müller, Die Wallburgen des Eichsfeldes. In: Mannus 32. 1940, S. 298 f.
  • A. Fick, Schloß Bischofstein im Eichsfeld. Duderstadt 19GO, S. 38.
  • Walter Prochaska, Zur Geschichte der Windischen Mark beim Bischofstein. In: EHh 1/1962, S. 9 f. und 2/1962 S. 67 f.
  • Hans Demme, Sagen des Eichsfeldes (V). In: EHh 1965, S. 297 f.
  • Paul Grimm und Wolfgang Timpel, Die ur- und frühgeschichtlichen Befestigungen des Kreises Mühlhausen. Mühlhausen 1972, S. 51 Nr. 45.
  • Helmut Riedel und Martin Sünder, Sagen aus Mühlhausen und seiner Umgebung. In: Sonderheft 4 der Mühlhäuser Beiträge, 1982, S. 66/68 und 71.
  • Rolf Aulepp, Burg Stein und Stadt zürn Stein. Schreibmaschinenmanuskripte vom 15.06.1974 und 31.03.1980 im Heimatmuseum Mühlhausen.
  • Joseph Richwien, Die Sage vom Fräubchen von England, Lengenfeld u. St. 1988.

Bemerkungen: Bei der Burg Stein handelt es sich um eine größere hochmittelalterliche Anlage. Diese bestand aus der größeren Oberburg und der kleineren Unterburg auf dem Felsmassiv im Südwesten. Im Osten folgen nach der Höhe hin noch weitere Annäherungshindernisse, wobei noch nicht geklärt ist, ob damit eine ältere Burg angezeigt ist.

Nach dem Landgrafen von Thüringen erwarb der Erzbischof von / Mainz im Jahre 1326 die Burg mit ihren Besitzungen und bildete das Amt Bischofstein. Die bisherige Windische Mark wurde noch mit weiteren Dörfern, wie Diedorf, Wendehausen u. a., erweitert. Vermutlich hängt die Gründung des Benediktiner-Doppelklosters Zella, auch Friedensspring, im 12. Jh. mit dem damaligen Inhaber der Burg Stein zusammen.

Rolf Aulepp
(Quelle: Eichsfelder Heimathefte Heft 1/1989, S. 89-92)