9 Jahre FDGB-Erholungsheim Bischofstein (1957)

In einem der schönsten Teile des Eichsfeldes, dem romantischen Friedatal, liegt idyllisch eingebettet der Ort Lengenfeld unterm Stein, eingeschlossen von Bergen und lieblichen Tälern, die dicht mit Laub- und Nadelholzbestand der Landschaft ein besonderes Gepräge von Naturschönheit verleiht.

Über dem Ort am Südhang des Burgberges, 316 m hoch, liegt das schon 200 Jahre alte, ehemalige kurmainzische Schloss „Bischofstein“, umgeben mit seinem großen Park, Liegewiesen, Tennis- und Sportplätzen, so einladend und geschaffen für ein frohes Urlaubererleben.

Seit dem 1. 6. 1948 konnte dieses Heim nur 50 Urlauber je Turnus (13 Tage) aufnehmen. 1957 aber, Dank unserer Regierung, Dank unserer Gewerkschaft und besonderen Dank unseren werktätigen Menschen, die in all den Jahren durch Ihr Bewusstsein und vorbildliche Arbeit die Produktion in unserer volkseigenen Wirtschaft immer höher steigerten. Erst somit schafften sie die Voraussetzung, daß unsere Regierung und Gewerkschaft zur planvollen Durchführung des organisierten Urlaubs in den Heimen gewaltige Mittel zur Verfügung stellen konnten. Heute kann das Heim Bischofstein 138 Urlauber je Turnus aufnehmen.

War auch die materielle Versorgung zu Anfang unserer Tätigkeit noch bescheiden, so dürfen wir aber nicht vergessen, für die große Hilfe unserer sowjetischen Freunde Dank zu sagen, dass sie dafür sorgten, dass wir unseren Urlaubern schon 1947 eine erhöhte und bessere Verpflegung geben konnten. Heute sind wir nun so weit, dass jeder Urlauber nach seinem Geschmack und Appetit nach a la carte Essen wählen kann.

Nun, zum frohen Urlaub, der ja ein Erleben sein soll, gehört nicht nur gutes Essen, sondern auch eine gut individuelle und kulturelle Betreuung. Das Heimkollektiv Bischofstein (26 Mitarbeiter), angefangen vom Kollegen Heimleiter bis zum Kollegen Nachtpförtner, ist sich bewusst, dass es durch seine gute kollektive Mitarbeit viel dazu beitragen kann, dass sich unsere Urlauber hier erholen und neue Kraft für die Vollendung unserer sozialistischen Aufgabe schöpfen können.

Wenn das gesamte Heimkollektiv in seinen farbenfreudigen, alten Eichsfelder Trachten aus seinem alten heimatlichen Liederschatz singt oder mit alten Volksliedern und Volkstänzen Freude bereitet und mit heimatlicher Dichtung in Eichsfelder Mundart die Urlauber begrüßt, dann hat dieses heimatliche Band alle Urlauber, die vor Stunden sich noch vollkommen fremd waren, zu enger Freundschaft, zu einer großen Familie geschmiedet.

So ziehen wir auch gemeinsam in die Wälder, über Berge, durch anmutige Täler. Dabei lernen wir unsere Heimat kennen, erfreuen uns der seltenen Blütenpracht unserer vielen Orchideenarten, an dem Vogelkonzert unserer heimischen Vogelwelt, an all dem, was uns die Natur bietet, gleich zu welcher Jahreszeit. Ein Erleben sind unsere Busfahrten durch das schöne Werratal nach Eisenach, zur Wartburg oder in die alte, schöne Stadt Mühlhausen, der Stadt „Thomas Müntzers“ mit seinen altehrwürdigen Prachtbauten.

Sehr lehrreich sind die heimatkundlichen Vorträge in Wort und Bild über unser Eichsfelder Land. Die Sitten, Gebräuche und Naturschönheiten können hierdurch den Urlaubern so recht nahegebracht werden. Eine große Bibliothek, Lese-, Klub- und Musikräume mit verschiedenen Instrumenten stehen den Urlaubern ständig zur Verfügung. Auf dem Tennis- und Volleyballplatz entwickelt sich ein frohes Sporterleben. Heimatstunden, Buchlesungen und wissenschaftliche Vorträge finden immer begeisterte Zuhörer. Gute Musik oder Gesangskonzerte und auch ein Tanzabend werden freudig begrüßt. Für den Winter haben wir gute Skiausrüstungen und Schlitten zur Verfügung. An den Hängen unserer bergigen Landschaft herrscht dann frohes Treiben.

So trägt denn alles Vorhergesagte dazu bei, dass unsere Urlauber, die aus allen Teilen unserer Deutschen Demokratischen Republik zu uns kommen, einen frohen und erlebnisreichen Urlaub verbringen können, in dem Bewusstsein, dass ein alter Traum der deutschen Arbeiterklasse verwirklicht wurde. Wir sind uns dessen bewusst, dass wir durch die vorbildliche Arbeit aller Werktätigen beim Aufbau unseres sozialistischen Staates teilhaben. Es ist für uns eine große Verpflichtung, die großen sozialen Errungenschaften, welche wir uns erkämpft haben, zu schützen und zu verteidigen, zum Wohle einer friedlichen Menschheit, zum Wohle Deutschlands.

Ferdinand König (Kulturleiter FDGB-Heim Bischofstein)
(Quelle: „Lengenfelder Echo“, Juni-Ausgabe 1957, S. 4)