Irmgard Große

Irmgard Große (1924)
Seelsorgehelferin - "Tante Irmchen"

Irmgard Große

Am 1. September 2004 beging eine wahrhafte Persönlichkeit unserer Heimat ihren 80. Geburtstag.

Irmgard Große, die vielen sicherlich besser als „Tante Irmchen“ bekannt ist, blickte zurück auf 80 lange Lebensjahre, die stets von Heimatliebe und einem tiefen Gottesglauben geprägt waren.

Über viele Jahre hatte Irmgard Große das christlich-religiöse Leben in unserer Gemeinde geprägt, bevor sie sich 1988 in den wohlverdienten Ruhestand versetzen ließ.

Doch trotz des fortgeschrittenen Alters berufen sich noch heute viele Menschen auf ihre Hilfe, die teilweise unverzichtbar scheint. So war und ist unsere Tante Irmchen ein kompetenter Ansprechpartner, wenn es um das Erkennen von Personen und Geschehnissen auf historischen Fotos geht. Mit ihrem geschulten Auge und jahrelanger Menschenkenntnis konnte sie schon oftmals interessierten Bürgern bei einem derartigen Anliegen weiterhelfen.

Auch für das „HeimatStudio“ (d.i. Redaktion des „Lengenfelder Echos“) schien die Mithilfe Tante Irmchens teilweise unverzichtbar. Sicherlich ist vielen Lesern nicht bewusst, dass die Veröffentlichung von diversen Orts- und Vereinschroniken, sowie der Heimatliteratur in unserer Dorfzeitschrift keine Selbstverständlichkeit ist. Mit wahrer Leidenschaft und Freude liest Tante Irmchen in den historischen Schriften, die überwiegend in altdeutscher Sütterlin- bzw. Frakturschrift verfasst und für die meisten Menschen heute nicht mehr lesbar sind. Erst durch diese kompetente Unterstützung ist es uns möglich, das alte Kulturgut in unsere neue Heimatzeitschrift und in diese Internetseite einzubinden.

Deshalb liegt es uns sehr am Herzen, Dir, liebe Tante Irmchen, heute einmal ein großes DANKESCHÖN auszusprechen!

Möge Gott unsere Tante Irmchen noch mit vielen weiteren Lebensjahren segnen, die sie bei hoffentlich guter Gesundheit in ihrer geliebten Eichsfelder Heimat verbringen kann.

Dies wünscht im Namen des gesamten „HeimatStudios“,
Oliver Krebs

Würdigung unseres Ortschronisten Walther Fuchs

Mit den folgenden Worten, die unser ehrwürdiger Ortschronist Walther Fuchs 1994 niederschrieb, soll das verdienstvolle Leben von Irmgard Große noch einmal gewürdigt werden.

Irmgard Große wurde am 1. September 1924 in Geismar/Eichsfeld geboren.

Nachdem sie von 1931 bis 1939 die Volksschule in ihrem Geburtsort besucht hatte, nahm sie ein Studium an der Handelschule in Eschwege auf, das sie im Jahre 1941 mit recht gutem Erfolg abschloss.

Nach Ableistung des Pflichtjahres in Wildtaub/Kreis Greiz war sie von 1942 bis 1945 bei der Landesrenterei Eschwege in der Buchhaltung und Kartei beschäftigt. In diese Zeit fiel auch die 15-monatige Dienstverpflichtung zum Reichsarbeitsdienst in Mihla und Mährisch-Weißkirchen.

Mit der Einrichtung der Zonengrenzen am 5. Juli 1945 musste sie notgedrungen ihr Arbeitsverhältnis mit der Landesrenterei in Eschwege lösen. Daraufhin war sie von November 1945 bis April 1946 als Kochlehrling im St.-Elisabeth-Krankenhaus in Lengenfeld unterm Stein angestellt.

Irmgard Große Nach der Genesung von einer langjährigen Krankheit wurde sie von 1951 bis 1960 landwirtschaftliche Sachbearbeiterin beim Rat der Gemeinde Lengenfeld unterm Stein. Während dieser Arbeitszeit erlebte sie hautnah die Bekanntgabe der Anordnung zur Grenzsicherung am 27. Mai 1952 und die darauf folgende Einrichtung der "5 Kilometer-Sperrzone". Unvergessen ist ihr noch heute die schockierende und unmenschliche Aktion "Ungeziefer" am 6.Juni 1952, bei der 37 Familien mit 145 Personen zwangsausgesiedelt wurden, von denen 22 Familien mit 92 Personen in die damalige Bundesrepublik flüchteten. Das Bild der weinenden Mütter und Kinder an diesem Tage hat sich tief in ihr Herz eingegraben. Seit dieser Zeit galt ihre besondere Liebe und Fürsorge den Kindern, um sie zu Gott, dem Helfer in aller Not, hinzuführen.

So war es gar zu natürlich, dass ihr von unserem Weihbischof Josef Freusberg in Erfurt am 15. Januar 1957 die Erlaubnis erteilt wurde, den gesamten Religionsunterricht in der 1. und 2. Klasse zu erteilen. Mit großem Engagement und einfühlsamen, pädagogischen Können wurde sie dieser Aufgabe neben ihrem Beruf als Sachbearbeiterin beim Rat der Gemeinde gerecht.

Nachdem sie am 1. Juni 1960 im Hauptberuf als Seelsorgehelferin übernommen worden war und ihre ganze Kraft in den Dienst der Kirche stellte, konnte sie sich dem ausdrücklichen Wunsch des Weihbischofs Dr. Josef Freusberg in Erfurt, „in den Orten, wo sich kein katholischer Kindergarten befand, die planmäßige, religiöse Unterweisung der Vorschulkinder ab dem 4. Lebensjahr einzuführen“, nicht verschließen. Nachdem sie auf diesem Gebiet einen Sonderkurs absolviert hatte, übernahm sie im Oktober 1960 die nun neu eingeführten Kleinkindstunden und unterrichtete zu diesem Zeitpunkt 87 Kleinkinder, die in vier Gruppen eingeteilt waren, von Montag bis zum Freitag jeder Woche von 9 bis 12 Uhr.

Ihr Unterrichtsziel war es immer, den Eltern bei der christlichen Erziehung ihrer Kinder zu helfen und das im Kinde angelegte, religiöse Leben zu wecken und zu formen, um auf diesem Grundwissen im späteren planmäßigen Religionsunterricht weiter aufzubauen. Ihr besonderes Anliegen war es, dass die Kinder das Beten als ein froh machendes Sprechen mit Gott erlernten.

Um beim Rat des Kreises Mühlhausen, Abt. Innere Angelegenheiten, die angedrohten Bedenken wegzuräumen, es sei ohne ihr Wissen ein katholischer Kindergarten entstanden, wurden die Kleinkindstunden auf jeden Freitag und Samstag mit je 2 Stunden für jede der 4 Gruppen verlegt.

Auf Grund des Studiums als Hospitant im Seminar "St. Ursula" in Erfurt von 1962 bis 1964 und in Anerkennung der hervorragenden, siebenjährigen Arbeit in allen Sparten der Seelsorgehilfe wurde unsere Irmgard Große durch den Weihbischof und den Generalvikar Hugo Aufderbeck in Erfurt am 24. Juli 1964 die „Missio Canonica“ – Kirchliche Beauftragung als Seelsorgehelferin – erteilt. Nun übernahm sie neben den Kleinkindstunden und dem Unterricht in der 1. und 2. Klasse auch den Religionsunterricht der 3. und 4. Klasse.

Von ihr, der außer dieser schon umfangreichen Arbeit auch als Pfarrsekretärin die Vorbereitung und Durchführung aller Elternabende, die Religiöse Kinderwoche, die Rentnernachmittage, die Sorge um die Gemeindeabende und die Pflege und Wartung der Pfarrbücherei oblag, wurde das religiöse Leben in unserer Pfarrgemeinde gestaltet und mitgeprägt.

Wir vergessen ihr auch nie, wie sie in großer Liebe zum Herrgott im Verein mit der Pfarrjugend von 1950 bis 1975 den gesamten Prozessionsweg auf „Fronleichnam“ und „Mariä Geburt“ ausgeschmückt hat. Es war ein Kunstwerk auf der Straße zur Ehre Gottes, das seinesgleichen suchte und von allen Gästen und stets von allen Urlaubern im damaligen Ferienheim Schloss Bischofstein in diesen 25 Jahren immer wieder bewundert wurde.
Der Name „Tante Irmchen“ wie sie in Hochachtung und Anerkennung von allen Kindern, Jugendlichen und von denen, die schon 1960 die Kleinkindstunden bei ihr besuchten, genannt wird, ist zu einem Ehrennamen geworden.

Obwohl sie schon längst ihre Rentenaltersgrenze erreicht hatte, ließ sie sich erst am 1. September 1988 nach über 30jähriger, aufopferungsvoller Arbeit als Seelsorgehelferin in den wohlverdienten Ruhestand versetzen.

Wir alle konnten uns das christliche Leben in unserer Gemeinde ohne „Tante Irmchen“ nicht vorstellen. Aber vorläufig war sie ja noch da! Unser Bischof Dr. Joachim Wanke in Erfurt gab ihr bei der Versetzung in den Ruhestand den anerkennenden Titel „Seelsorgehelferin i.R. = Seelsorgehelferin in Reichweite“.

In den Jahren ihres bisherigen Ruhestandsdaseins machte Irmgard Große allen Gemeindemitgliedern vor, wie man sich als Rentnerin im Gebet, Opfer und in Hilfsbereitschaft für jedermann gerade in der heutigen Zeit noch segensreich betätigen kann.