Orchideen – Juni- und Juliblüher

Die Juniblüher der großen Orchisfamilie kommen auf dem Südeichsfelde noch in zwei verschiedenen Moderorchideen vor, dieselben sind im ganzen Pflanzenbau farblos.

Es ist die eintönige braune Vogelnestwurz (Neottia niedus avis) und der bleiche Wiederbart (Epipogon aphyllus). Der bleiche Wiederbart ist die Sehnsucht aller nicht besitzenden und der Stolz aller besitzenden Botaniker für ihr Herbarium. Er ist in Deutschland sehr selten und der Volksmund sagt, er blühe nur alle sieben Jahre (was übrigens nicht ganz stimmt). Er setzt wohl öfters mehrere Jahre mit Blühen aus, jedoch ist dieses nicht an einen genauen Turnus von sieben Jahren gebunden. Diese Moderorchis sind auf die Nahrung eines im moderichen Waldboden befindlichen Pilzes angewiesen, mit welchen sie in Gemeinschaft (Symbiose) leben.

Die braune Vogelnestwurz sowie der bleiche Wiederbart züchten im äußeren Gewebe ihrer Wurzeln Pilzfäden. Diese wiederum vermögen aus dem Humus des moderichen Waldbodens Zucker und Eiweißstoffe zu bilden. In den nach ihnen folgenden Gewebeschichten werden diese Pilze von den Orchideen verdaut. Durch diese immerwährende „einseitige“ Ernährungsgenossenschaft mit dem Pilz haben die Moderorchis allmählich die Bildung des Pflanzengrüns sowie auch die Fähigkeit, sich ihre organische Nahrung selbst zuzubereiten, verloren. Die karge Nahrungsaufnahme in manchen vorhergegangenen trockenen Sommern erklärt auch das Nicht-Blühen der Pflanze in Intervallen und nicht in jedem Jahr.

Von Mitte Juni ab blüht auch bei uns noch die bis zu 60 cm werdende Händelwurz (Gymnadenia conopea), auch rosenrote Tagfalterblume genannt, weil sie von Tagfaltern umschwebt wird. Die Blütenhüllen sind purpurn, sie blüht aber auch sehr selten weiß. Ihr Wurzelstock hat die Form einer Kinderhand. Daher der Name Händelwurz.

Anfang Juni folgen im Blühen die zweierlei Kuckucksblumen (Platanthera). Die zweiblätterige Kuckucksblume (P. bifolio) hat eine weiße Blütenhülle. Bei der grünlichen Kuckucksblume (P. chloranta) ist die Blütenhülle grünlich-weiß. Bei den Kuckucksblumen stehen die Blüten einzelner am Blütenstängel und bilden daher keine so geschlossene dichte Blütentraube wie die Knabenkräuter.

Einen bezaubernden Anblick bieten auch für jeden Naturfreund die drei Arten der bei uns vorkommenden Waldvöglein (Cephalantera). Das großblütige weiße Waldvöglein (G. grandiflora) findet man öfter mit dem roten Waldvöglein (C. rubra) auf manchen Stellen gemeinsam blühen. Und überall in unseren Wäldern findet man auch das kleine, schwertblättrige Waldvöglein (C. Xiphophyllum), welches ebenfalls weiß blüht.

Ende Juni/Juli findet man auch noch die vier Spezies vom Sumpfwurz (Epipactis) blühen. Sie blühen in manchen Jahren bis August, zuerst die breitblätterige Sumpfwurz (E. latifolia), die violette (E. sessifolia), die braunrote (E. rubigenosa) und zuletzt noch die kleinblättrige Sumpfwurz (E. microphylla). Weiter gehören zur großen Orchisfamilie, die bei uns noch vorkommen, das „Eiförmige Zweiblatt“ (Listera ovata) mit nur zwei gegenüberstehenden eiförmigen Blättern. Die Blütenhülle ist gelblich-grün.

Schützt unsere herrlichen Orchideen, die Edelsteine unserer Heimatflora. Pflückt sie nicht ab, grabt sie nicht aus, lasst sie an ihrem Stande stehen, denn sie erscheinen ja jedes Jahr wieder.

Gar viele wirkliche Heimatfreunde kommen alljährlich immer wieder, um an den einmal gefundenen Standorten zur Blütenzeit ihr Auge und Herz zu erfreuen.

Lambert Rummel
(Quelle: „Lengenfelder Echo“, Juni-Ausgabe 1957)