Wie das erste Lengenfelder Echo entstand

Für unsere Jubiläumsausgabe „50 Jahre Lengenfelder Echo“ wollen wir die Entstehungsgeschichte des 1. „Lengenfelder Echos“ und die damals mitwirkenden Menschen etwas genauer beleuchten. In Irmgard Große (82), damals Sachbearbeiterin auf der Gemeindeverwaltung, fanden wir eine kompetente Ansprechpartnerin, die noch zahlreiche Einzelheiten aus jener Zeit zu berichten weiß und sich gern zu diesem Gespräch bereit erklärte.

Lengenfelder Echo (LE): Was können Sie uns über die Entstehung des „Lengenfelder Echos“ berichten?
Irmgard Große: Im Jahr 1956 hatte sich die „Ortsgruppe des Kulturbundes“ unter der Federführung von Bürgermeister Alexander Münch (1956-1961) in Lengenfeld unterm Stein gegründet. Das kulturelle Leben blühte damals in unserem Heimatort auf, was sich in den vielen Tanz-, Theater- und Musikveranstaltungen zeigte. Das „Lengenfelder Echo“ war seinerzeit ein verbindendes Element.

LE: Wer waren die Macher des 1. „Lengenfelder Echos“?
Irmgard Große: Mir fallen da spontan Lambert Rummel, Heinrich Richwien, Walther Fuchs und Josef Menge ein. Aber auch viele weitere Heimatfreunde bemühten sich, die Zeitschrift durch ihre Beiträge zu bereichern.

LE: Was war ihr Anteil an der Erstellung der Zeitschrift und wie sah die Arbeitsweise aus?
Irmgard Große: Ich war seinerzeit Sachbearbeiterin auf der Gemeinde. Zum Redaktionsschluss kamen alle Autoren und Redakteure mit ihren Beiträgen zu mir, damit ich die Artikel mit der Schreibmaschine abschreiben und nach Mühlhausen zur Druckerei senden konnte. Um Satz und Gestaltung kümmerte sich ebenfalls die Druckerei. Noch heute erinnere ich mich an viele Gespräche mit der Heimatgröße Lambert Rummel, der sich stets um die Aufarbeitung der Heimatgeschichte bemühte.

LE: Warum wurde das „Lengenfelder Echo“ ohne Vorankündigung im Februar 1960 so plötzlich eingestellt?
Irmgard Große: Dafür gab es mehrere Gründe. Zum einen unterlagen wir damals einer staatlichen Zensur. Dem Staat wurde die Zeitschrift über die Jahre zu religiös und zu wenig politisch. Aus diesem Grund wurden zunehmend politische Inhalte gefordert, was unseren Heimatforschern widerstrebte. Zum anderen verloren dadurch viele Mitarbeiter die Lust am Schreiben, was dazu führte, dass zum Ende hin nur noch sehr wenig Material vorhanden war. Hinzu kam, dass ich nach der letzten Ausgabe im Februar 1960 versetzt wurde und sich nun niemand mehr um das Zusammentragen des Materials kümmerte. Die ganze Arbeit schlief zum Ende hin ein.

LE: Hätten Sie gedacht, dass das „Lengenfelder Echo“ in der Zukunft wieder erscheinen würde?
Irmgard Große: Das habe ich natürlich gehofft, aber nie so richtig daran geglaubt. Ich weiß, wie schwierig es ist, engagierte Menschen zu finden, die sich um die Erstellung einer solchen Heimatzeitschrift bemühen. Man kann deshalb heute von einem wahren Glücksfall für Lengenfeld sprechen.

LE: Was unterscheidet das heutige „Echo“ vom Original?
Irmgard Große: Das ist gar kein Vergleich. Die heutige Zeitschrift ist viel reichhaltiger, wenn man einmal die Vielfalt aller Beiträge beachtet. Zudem wird heute viel mit Bildern gearbeitet, was bei der ersten Generation des „Lengenfelder Echos“ nicht möglich war. Ich bin sehr erfreut über Eure Arbeit. Es ist enorm, wie ihr das macht!

LE: Vielen Dank für diese Einschätzung und das Gespräch!

Das Interview führte Oliver Krebs