Heimatforscher und Ortschronist Walther Fuchs feiert seinen 75. Geburtstag (1993)
Weit über die Grenzen seines Heimatortes Lengenfeld unterm Stein bekannt, feiert Walther Fuchs am 13. Oktober seinen 75. Geburtstag. Er wurde als Sohn des Schuhmachermeisters August Fuchs und dessen Ehefrau Martha geboren und wuchs mit drei Brüdern im elterlichen Haus auf. Bei Vater August war der Kunde »König« und so wurden die reparierten Schuhe von klein auf durch die Jungens zu den Kunden zurückgebracht. Hierdurch kam auch Sohn Walter in viele Häuser und lernte Familien mit ihren Freunden, Sorgen und Nöten kennen.
Von 1925 bis 1930 besuchte er die hiesige Volksschule und von 1930 bis 1931 die Rektoratsschule in Dingelstädt. Ab 1931 bis 1938 war es ihm vergönnt, die Oberrealschule auf »Schloß Bischofstein« unter Leitung von Herrn Dr. Wilhelm Ripke mit dem Erreichen des Abiturs zu besuchen. Für einen Dorfjungen zu dieser Zeit gar nicht so einfach - schon aus finanziellen Gründen - denn die Schule »Schloß Bischofstein« wurde von vielen Söhnen Gutbetuchter besucht. Im Jahre 1938 rief man ihn zum Reichsarbeitsdienst, wo man scherzhafterweise sang:
»Fünfundzwanzig Pfennig ist der Reinverdienst, (täglich) ein jeder muß zum Arbeitsdienst.«
Im gleichen Jahre noch wurde er zum aktiven Wehrdienst einberufen und mußte daher den unseligen II. Weltkrieg vom ersten bis zum letzten Tag an verschiedenen Kriegsschauplätzen miterleben. Man kann es kaum glauben, Walther Fuchs wurde in diesem Krieg 13 mal verwundet und kehrte mit kaputtem Arm und Bein zurück, an den Folgen leidet er heute noch. Doch das Leben muß weitergehen! Froh war jeder, überlebt zu haben und daß nicht mehr bombardiert und geschossen wurde.
So besuchte er im Jahre 1946 die Pädagogische Fachschule in Heiligenstadt und kehrte als »frischgebackener« Lehrer in sein geliebtes Lengenfeld zurück. Es war ihm vergönnt, von 1946 bis 1972 an der Oberschule in Lengenfeld seinen Beruf mit großer Liebe und Hingabe auszuüben.
Walther Fuchs, ein überzeugter Christ, hat auch hier immer im Rahmen des Möglichen versucht, in einer sozialistischen Schule seinen anvertrauten Schülern christliche Werte zu vermitteln. Die heutigen 30 bis 60jährigen - fast zwei Generationen - haben bei Lehrer Fuchs die Schulbank gedrückt, und viele von ihnen sprechen heute noch voller Hochachtung und Verehrung von ihm.
Noch in der alten Schule bei der Gemeindeschänke mußte so mancher Schüler in der Pause bei Tante »Mariechen« für ihn Zigaretten der Marke »Carmen« holen. Zu allem anderen, machte sich leider zusätzlich noch ein Kriegsleiden - die Schwerhörigkeit - bemerkbar. So mußte Walther Fuchs 1972 seinen geliebten Beruf im Alter von 54 Jahren schweren Herzens aufgeben. Von 1973 bis 1978 war er als Sachbearbeiter in der Gemeindeverwaltung Lengenfeld tätig. Eine segensreiche und fruchtbare Arbeit für die Geschichte der Gemeinde wurde in dieser Zeit durch ihn be- und aufgearbeitet. Im Jahre 1978 schied er dort als Invalidenrentner aus.
Von jung auf hatte sich Walther Fuchs dem Sport verschrieben und war selbst einmal ein guter Fußballer. Jahrelang war er maßgeblich an der Entwicklung des Sportes in Lengenfeld beteiligt. Plakate für alle Vereine und alle Anlässe wurden von ihm in seinem unverkennbaren handschriftlichen Stil gemalt. Moderne Kopiergeräte, wie sie heute in jeder Büro- und Amtsstube stehen, gab es noch nicht! Von Kindesbeinen an, hat er sich der Natur und dem nahegelegenen Wald an unseren Hängen verschrieben. Die ersten Schneeglöckchen und Waldpilze konnte man bei der Familie des Naturfreundes Walther Fuchs finden.
Das »Schloß Bischofstein« lag ihm zu allen Zeiten besonders am Herzen, und mit den vielen fremden Mitschülern aus ganz Deutschland sind die guten Kontakte bis heute noch nicht abgebrochen, auch nicht während der langen Zeit der Trennung und Teilung Deutschlands. Als Rentner nutzte er vor der Wende mit seiner Frau Else die Möglichkeit, an Treffen ehemaliger Schüler im damals anderen Teil Deutschlands teilzunehmen. Gleich nach der Wende wurde ein solches Treffen auf »Schloß Bischofstein« organisiert und abgehalten. Selbst ein Schulfreund aus Amerika suchte ihn hier auf.
Die Nachkriegs- und Besatzungszeit verschonte auch den Kriegsversehrten Walther Fuchs nicht, denn einmal wurde er von »unseren Freunden« zusammengeschlagen. Auch die vielen Verwundungen machten ihm immer wieder zu schaffen. Ein besonders furchtbares und schmerzliches Erlebnis war für ihn die erste »Zwangsaussiedlung« aus dem sogenannten Sperrgebiet im Jahre 1952. Immerhin waren davon in Lengenfeld 35 Familien betroffen. Dieses Erlebnis griff seine Gesundheit so an, daß man ihn ins Krankenhaus einliefern mußte.
Trotz alledem hat er sich in diesen langen Jahren intensiv mit Heimatforschung, der Erstellung von verschiedenen Chroniken, Stammbäumen und Ahnentafeln beschäftigt. Allein sieben verschiedene Chroniken wurden von ihm zusammengetragen. Hierzu hat er viel Bildmaterial aus Lengenfeld und dem Eichsfeld geschaffen und war daher oft mit dem Fotoapparat anzutreffen. Er scheute weder Arbeit, Zeit, Mühe noch Geld für diese seine Berufung. Immer war er bemüht, für die Nachwelt vieles in Text und Bild festzuhalten. Den kulturellen Wert für die Zukunft kann man auch nicht in Geld ausdrückt werden. Kurz gesagt, eine solche aufopferungsvolle Arbeit ist unbezahlbar!
Kommen Sie in unser Dorf und sehen unseren Jubilar, dann ist er immer in Eile. Er will und kann sich längst noch nicht zur Ruhe setzen, weil er nach eigenen Angaben noch viel zu forschen und zu schreiben hat. Walther Fuchs ist ein Mann, der ganz selten »nein« sagen kann. Er möchte jedem helfen. Selbst zu Hochzeiten, Jubiläen und sonstigen festlichen Anlässen sind seine Festschriften immer wieder gefragt. Doch das Schicksal verschonte auch ihn und seine Familie nicht. Einige schwere Schicksalsschläge - der plötzliche Tod von lieben Menschen - suchten ihn heim. Aber immer wieder raffte er sich auf und blieb für seinen Nächsten der hilfsbereite, liebenswerte aber bescheidene Mensch.
Möge es ihm mit Gottes Hilfe vergönnt sein, noch lange Jahre sein schöpferisches Schaffen im Kreise seiner lieben Familie fortzusetzen und zu vollenden. Der heutige Tag sollte uns Anlaß sein, dem Jubilar Walther Fuchs von der ganzen Dorfgemeinschaft alles Gute und recht viel Gesundheit zu wünschen.
Willi Tasch
(Quelle: „Obereichsfeld-Bote“, Ausgabe vom 15. Oktober 1993 [Nr. 41/93], S. 10)