Eichsfelder Tages-Kalender, 13. Februar: Thomas Hagedorn (1871 – 1926)
Thomas Hagedorn, Lehrer an der katholischen Schule zu Leipzig-Lindenau, Organist und Chordirigent an der Liebfrauenkirche dortselbst, bedeutender Komponist kirchenmusikalischer Werke, stammt aus Hildebrandshausen, wo er am 18. Februar 1871 als Sohn des Gastwirtes Heinrich Hagedorn geboren wurde.
Der vortreffliche Ortslehrer und Organist Grundmann entdeckte die besondere musikalische Veranlagung des Knaben und durfte diesen nach dessen Wunsche und mit Genehmigung der Eltern für den Lehrerberuf vorbereiten; er erstaunte über die Fortschritte und prophezeite dem Kleinen eine große Zukunft.
Thomas besuchte alsdann von 1885 – 1891 die Präparandie und das Lehrerseminar zu Heiligenstadt, wo er den Grund zu späteren Leistungen legte. Er durfte schon damals als Begleiter und Solist öffentlich auftreten; das Spiel der 2. Rhapsodie von Liszt gehörte zu seinen liebsten Jugenderinnerungen; die ersten Selbstgestaltungen in Form von Klavierstücken und Liedern gefielen allgemein, und so wurde der bescheidene Jüngling der Liebling seiner Mitschüler und Lehrer.
Als Lehrer und Organist in Liebenwerda (1891 – 1893) und Helbra (1893 – 1900) hatte Th. H. Gelegenheiten, durch den Genuss musikalischer Leistungen in benachbarten Städten seinen Durst nach Weiterbildung zu stillen. Noch mehr geschah dies, als er 1900 in die oben genannten Stellen eingeführt wurde.
In Leipzig, wo das Konservatorium, das Gewandhaus, der Thomanerchor, die Künstler und Chöre aller Arten tagtäglich Vollendetes schaffen, saß H. an den rechten Quellen und trank in vollen Zügen. Hier empfing er praktisches Können, besonders im Klavier-, Violin- und Orgelspiel, sowie seine Schöpfungen jene ästhetische Läuterung und Gediegenheit der Satztechnik erfuhren, die alles auszeichnet, was er je geschaffen hat. Umso mehr drängte es ihn, am stärksten kirchenmusikalischen Brunnen Deutschlands zu trinken: Hagedorn besuchte 1895 die Kirchenmusikschule zu Regensburg, wo ihm der hochbetagte Direktor Dr. Haberl die rechten Wege zum Künstlertum wies, wo ihn Professor Haller, der geistreiche und gütige Meister, in die Geheimnisse des Kontrapunktes einführte und der weltberühmte Domchor ein Bilderbuch aller Jahrhunderte aufschlug.
Hagedorn kehrte zurück und schuf, – schuf Tag und Nacht – klangschönes und technisch Vollendetes: kirchliche Tonwerke, so 26 lateinische Gesänge, 3- bis 6-stimmig; Oratorien: St. Benno mit dem einzig schönen Chor „Wer mein Jünger sein will“; „Die 7 Worte Jesu am Kreuz“; Messen für verschiedene Stimmen; die berühmt gewordene, schwere „Gralsmesse“ für 6-stimmigen Chor, und die „Neue deutsche Singmesse“ (Katholikentag Stuttgart 1925), weltliche Gesänge, darunter viele Perlen von volksmäßigen Liedern für Solostimmen, Männerchöre und gem. Chöre, 1-stimmige Lieder mit Klavierbegleitung usw. –
Die Presse war einstimmig im Lobe seiner Kompositionen; sie wurden in das Repertoire erstklassiger Vereine aufgenommen und sogar durch Rundfunk verbreitet. Da führte St. Cäcilia den fleißigen Jünger allzu früh im November 1926 zu den himmlischen Chören. – Hagedorns Werke gehören der Zukunft, dem deutschen Volke, sein Name der Musikgeschichte.
Augustin Apel
(Quelle: „Eichsfelder Tages-Kalender“ in: „Eichsfelder Volksblatt“, Ausgabe vom 16.02.1927)