Schutz der Hecken und Raine

Trotz des politischen Verbotes greift die Unsitte des Abbrennens der Raine, Böschungen und dürren Grasflächen von Jahr zu Jahr immer mehr um sich. Wie traurig sieht so ein Rain noch den ganzen Sommer hindurch aus mit seinen halb verkohlten Schwarzdornbüschen und Heckenrosen! – Landwirte! Ihr klagt jedes Jahr über Mäuseplage und Schneckenfraß. – Habt ihr denn schon mal so einen abgebrannten Rain untersucht? Dort findet ihr die toten Igel, die ausgesprochenen Vertilger der Mäuse und Schnecken, verbrannt. Ich habe dieses Frühjahr in einer einzigen Dornenhecke 3 Stück tote gefunden. – Jäger und Jagdpächter! Habt ihr schon einmal da hineingeschaut, wieviel Junghäschen und Rebhuhngelege jedes Jahr verbrannt werden? Wieviel erd- und heckenbrütende Singvögelgelege (die Frühjahrsgelege sind immer die stärksten und besten) gehen zu Grunde! Wie viele unzählige nützliche Insekten, Larven, Puppen usw. welche sich in dem Gebüsch versponnen haben oder in der oberen Grasschicht ihrer Entwicklung harren, gehen dabei verloren!

Wenn Erwachsene die Raine abbrennen, so ist dieses überhaupt nicht zu verzeihen. Denn die Behauptung, dass dadurch das Gras besser wüchse, ist heller Unsinn. Überhaupt wird ja das Gras aus den Dornenbüschen doch nie herausgeschnitten. Landwirte! Wenn euch hier oder da eine Dornenhecke im Wege ist, so hackt oder rodet dieselbe im Herbst aus und verbrennt sie auf dem Felde, aber nicht am Rain. Wenn ihr recht viele Dornenhecken stehen lasst, so ist dieses letzten Endes euer Schaden auch nicht, - denn mit dem Verschwinden der Raine verschwinden auch eure besten Bundesgenossen im Kampfe gegen das Ungeziefer.

Doch meistens sind es Kinder, die Freude am Feuer haben. Hier richte ich die Bitte an die Herren Lehrer: Aufklärung in der Schule über die nicht wieder gut zu machenden Schäden an Natur und Heimat.                                                                                                                                                            

Lambert Rummel
(Quelle: „Unser Eichsfeld“, 20. Band, Jahrgang 1925, S. 125)